Klingnau

Bezirksschule Klingnau sucht verzweifelt nach Lehrpersonen

Das Fundament der Aargauer Schulen wackelt. Es fehlt an gut qualifizierten Lehrpersonen.

Das Fundament der Aargauer Schulen wackelt. Es fehlt an gut qualifizierten Lehrpersonen.

In den Aargauer Schulen zu unterrichten, ist alles andere als attraktiv. Die Lehrpersonen verdienen zu wenig und arbeiten zu viel. Die Bezirksschule Klingnau trifft das besonders hart. Die Schulleitung findet keine Lehrpersonen.

Sven Zaugg

Der Kanton Aargau hat ein gravierendes Problem. In drei Monaten beginnt für zehntausende Kinder das neue Schuljahr, doch es fehlt an Lehrpersonal. Besonders akut ist die Situation in der Bezirksschule Klingnau. Verzweifelt sucht Leiterin Heike Jungclaus nach einer geeigneten Lehrperson, die im Vollpensum unterrichten möchte. «Leider haben wir keine einzige Bewerbung erhalten.» Jungclaus gedenkt nun das Pensum aufzuteilen, um so mehrere Stellen zu schaffen. «Wir sind einfach froh, wenn wir die Stelle irgendwie besetzen können», sagte sie gegenüber «Schweiz Aktuell».

Gründe für die Unzufriedenheit und dem damit einhergehenden Lehrermangel finden sich viele. Der Einstiegslohn sei schlecht, sagt etwa Marcel Hochstrasser, Lehrer an der Bezirksschule Klingnau. Zudem würde das Gros der Lehrpersonen massiv Überstunden leisten. Das Interesse am Lehrerberuf sei dramatisch gesunken, konstantiert Niklaus Stöckli, Präsident des argauischen Lehrerverbands. «Wir befinden uns in einer dramatischen Situation. Der Kanton hat in seinem Bemühen, gesunde Finanzen zu präsentieren, die Schule aus den Augen verloren.»

Eine Umfrage des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) lässt aufhorchen. Während 32 Prozent der Schweizer Lehrpersonen angeben, unzufrieden zu sein, sind es im Kanton Aargau sogar 48 Prozent.

ALV fordert eine «Schule mit Lehrpersonen»

Zwar wird die Aargauer Regierung die Vernehmlassung zum Reformpaket «Stärkung der Volksschule Aargau» noch diesen Monat eröffnen. Doch: Was wie ein Versprechen tönt, ist laut Stöckli, in Tat und Wahrheit gar nicht einlösbar. Das regierungsrätliche Reformpaket sieht vor, dass belastete Gemeinden und Schulen in den Genuss zusätzlicher Ressourcen kommen sollen. «Woher sollen die zusätzlichen Ressourcen kommen, wenn die benötigten Lehrpersonen schlicht nicht da sind?» fragt sich Stöckli.

Nach Berechnungen des ALV fehlen der Schule Aargau in drei Jahren rund 1000 Lehrpersonen. Besonders garvierend ist, dass die Zahl der Studierenden trotz Krise (zu) tief bleibt. Deshalb hat die der ALV ende April eine Volksinitiative «Für eine Schule mit Lehrpersonen» lanciert. Die Initiative sei gut unterwegs, betont Stöckli. Man werde sie noch vor den Sommerferien mit mehr als der geforderten Unterschriftenzahl einreichen.

Mehrere hundert Lehrpersonen gesucht

Bildungsdirektor Alex Hurzeler (SVP) ist sich der unbefriedigenden Situation an den Aargauer Schulen bewusst. «Wir überarbeiten bereits das Lehrer-Lohndekret, damit wir wieder attraktiver werden», sagt er. Zudem würden die Schulleitungen bei der Rekrutierung von Lehrpersonen unterstützt. «Doch die Kritik des ALV muss ich zurückweisen. Der Verband hat sich zu fest auf die Lohnfrage konzentriert.» Das sei nicht das Einzige was zähle, findet der Bildungsdirektor.

Mit der Erhöhung von Teilpensen will die Bildungsdirektion dem Lehrermangel beikommen. Zudem sollen Lehrpersonen, die kurz vor der Pension stehen, angefragt werden, ihren Kontrakt noch um ein Jahr zu verlängern. Und: Inserate im nahen Ausland sollen den erwünschten Erfolg bei der Rekrutierung von neuen Lehrpersonen bringen. Doch die Zeit drängt. Bis im August müssen mehrere Stellen besetzt werden.

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