Veltheim

Bewohner erzählen, was sie von der Gemeinde Schenkenberg halten

Fusions-Gegner Werner Däster:  «Ziehe deine Grenzen nicht zu weit.»

Veltheim: Danke

Fusions-Gegner Werner Däster: «Ziehe deine Grenzen nicht zu weit.»

Am Sonntag lehnten die Veltheimer eine Fusion mit Oberflachs, Schinznach-Bad, Schinznach-Dorf und Oberflachs deutlich ab. Vielerorts herrscht Jubel. Einige Einwohner hätten aber gerne zur Gemeinde Schenkenberg gehört.

Von Maja Sommerhalder

«Danke!» steht am Montagmorgen auf den grossen Plakaten, die an mehreren Häusern im Dorfkern hängen. So auch an Werner Dästers Haus. Der 76-jährige strahlt: «Meine Tochter hat die Plakate gestern aus Freude über den Abstimmungserfolg aufgehängt.» Bis Montag stand an der gleichen Stelle «Nein zur Fusion.» «Die Plakate waren meine Idee. Die Fusion ist ein Seich», so Däster. Warum? «Ich war kein guter Schüler, aber ein Zitat, das ich im Fach Geschichte lernte, beeindruckte mich: Ziehe deine Grenzen nicht zu weit. Ich glaube, das hat Arnold Winkelried gesagt.»

Kleinkrieg zwischen den Dörfern

Weitere Grenzen hätte Veltheim tatsächlich gehabt, wenn man zur Gemeinde Schenkenberg Ja gesagt hätte. Doch die Bevölkerung lehnte am Sonntag die Fusion mit Oberflachs, Schinznach-Bad, Schinznach-Dorf und Villnachern mit 428 zu 254 Stimmen ab. In den anderen vier Gemeinden war die Bevölkerung für den Zusammenschluss. Nun soll das Projekt vorangetrieben werden - auch ohne Veltheim.

Die Veltheimerin Vreni Hauenstein (58), die gerade im Volg eingekauft hat, bedauert dies: «Schade, jetzt ist Veltheim eine Insel. Eine engere Zusammenarbeit wäre effizienter gewesen.» Unschlüssig ist hingegen Einwohner Roland Lütolf (46): «Ich habe nicht abgestimmt, weil ich nicht genau wusste, was ich von der Fusion halten soll.»

Eigentlich findet er es gut, wenn man zusammenarbeitet - nur: «Ich habe das Gefühl, dass die Gegner der Fusion mit dem anderen Dörfern einen Kleinkrieg führen.» Aha? «Als Zugezogener fällt mir auf, dass viele Einheimische schlecht über die Bevölkerung in den Nachbardörfern reden. Wie will man unter diesen Bedingungen Entscheidungen fällen und gemeinsam Politik betreiben?»

«Wir sind keine Untertanen»

Viel politisiert wurde in den vergangenen Wochen am Bären-Stammtisch, wie Wirt Stefan Bürkler (53) bestätigt: «Anhand der Diskussionen hätte ich nicht gedacht, dass man die Fusion so deutlich ablehnt.» Und wie ist seine Meinung? «Ich wohne nicht in Veltheim. Aber als Wirt bin ich neutral. Alles andere ist schlecht fürs Geschäft.» Eine klare Meinung hat hingegen seine Angestellte Sylvia Heigenhauser (25): «Ich bin stolz auf die Veltheimer. Es wurde so viel versprochen im Zusammenhang mit der Fusion. Nur gibt es keine Garantie, dass es besser wird, wenn man fusioniert.»

Werner Däster, der inzwischen am Bären-Stammtisch sitzt, nickt zustimmend und sagt: «Eine Fusion ist unnötig. Veltheim steht momentan gut da, sämtliche Betriebe der Gemeinde sind selbsttragend.» Und was, wenn der Fusionsdruck vom Kanton zu gross wird? «Dann würde ich eben einen Kanton Veltheim gründen. Wir sind doch keine Untertanen», sagt Däster schmunzelnd und schaut die Journalistin an: «Ich scherze nur.» Bärengast Traugott Amsler (87) doppelt nach: «Gut, dass wir selbstständig bleiben. Jetzt müssen wir nicht den anderen gehorchen.»

Albert Suter (71), ist der einzige am Stammtisch, der das deutliche Abstimmungsergebnis bedauert: «Man sollte vorwärts schauen und nicht rückwärts. Es wäre besser gewesen, jetzt zu fusionieren als später, wenn man vom Kanton gezwungen wird.» Mit seiner Meinung stand Suter im Bären stets alleine da, wie er sagt: «Heute ist man glücklich über das Nein. Ich bin aber gespannt, ob das in zehn Jahren auch noch so ist.»

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