Durchschlagend ist das Argument, dass ein flächendeckendes Postnetz für die Wirtschaft unbedingt nötig sei. Diese Haltung äusserten 90 Prozent der Befragten, wie Claude Longchamp, Leiter des Forschungsinstitutes gfs.bern, an einer Medienkonferenz mitteilte.

Die Einwohner der Schweiz würden sich aufgrund der Alltagsnähe stark mit der Post identifizieren, das Unternehmen repräsentiere schweizerische Werte wie Solidarität und Beständigkeit. Deshalb würde sich eine Mehrheit einer rein ökonomischen Betrachtungsweise der Post verschliessen.

Sei die Bevölkerung zufrieden, tendiere sie eher zum status quo, sagte Longchamp. Die geplante Liberalisierung mit einer Öffnung des Postmarktes trifft gemäss der Umfrage auf Gegenwind: 57 Prozent der Befragten halten diesen Schritt überhaupt nicht oder eher nicht für sinnvoll.

Laut Claude Longchamp zeigt sich bei der Frage der Liberalisierung eine Differenz zwischen schweizerischen und ausländischen Befragten. Während die Schweizer der Öffnung eher skeptisch gegenüberstünden, befürworteten Ausländer diese und finden, die Schweiz solle sich wie die EU verhalten und den Markt öffnen.

In der Umfrage umstritten ist eine mögliche Ausdehnung des Geschäftsfeldes der PostFinance. 55 Prozent der Befragten wollen nicht, dass die Post eine Bank wird. Dennoch befürworten 47 Prozent einen Einstieg der Post-Tochter in den Schweizer Hypotheken- und Kreditmarkt.

Die Umfrage führte das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Schweizerischen Post im Hinblick auf die Revision des Postgesetzes durch. Befragt wurden zwischen Ende Mai und Anfangs Juni 1206 Einwohnerinnen und Einwohner in allen drei Landesteilen.