Tessin

Betrunken Auto gefahren – Tessiner will trotzdem neuer Staatsrat werden

Der Tessiner Lega-Grossrat Michele Barra hat seine Entscheidung bestätigt, für Marco Borradori (Lega) in die Tessiner Kantonsregierung nachzurücken. Ein neu eröffnetes Strafverfahren wegen Trunkenheit am Steuer soll daran nichts ändern.

Die Lega dei Ticinesi informierte über Barras Entscheidung auf der Internetseite ihres Parteiblatts «Il Mattino». «Ich habe einen Fehler gemacht und ihn zugegeben, doch nun will ich mich in den Dienst des Volkes stellen», wird Barra dort zitiert. Am kommenden Dienstag soll er in Bellinzona als Staatsrat feierlich vereidigt werden.

Nach Fest in Kontrolle geraten

Gegen den 60-jährigen Bauunternehmer aus Ascona läuft eine Strafuntersuchung, weil er betrunken am Steuer unterwegs war. Er war am letzten Freitag nach einem feuchtfröhlichen Fest im Kreise des Baumeisterverbands in eine Verkehrskontrolle geraten. Barra wurde daraufhin ins Spital begleitet. Aus der veranlassten Blutprobe ging ein Wert von 0,87 Promille hervor, wie am Donnerstag bekannt wurde. Dem Staatsrat in spe wurde der Fahrausweis für drei Monate entzogen und – wie ab einem Wert von 0,8 Promille üblich – eine Strafuntersuchung eingeleitet.

Diese Geschichte brachte Barra in den Schlamassel. «Sono un deficiente», hatte er den lokalen Medien erklärt und sich öffentlich entschuldigt. Zu Deutsch: «Ich bin ein Idiot.» Er habe einfach ein Gläschen zu viel getrunken. Doch reicht das? Ein laufendes Strafverfahren ist nicht gerade eine gute Visitenkarte für einen Regierungsvertreter. Barra geriet unter Druck, im Lega-Hauptquartier von Lugano kam es zur Krisensitzung.

Keine Reisen mehr

Die Lega beschloss, Barra die Entscheidung zu überlassen. Er musste der Lega allerdings versprechen, auf sein liebstes Hobby – Auslandsreisen in ferne Länder – künftig zu verzichten, um vor Ort präsent zu sein. Ausserdem musste er zusagen, auch für die Kantonswahlen von 2015 zur Verfügung zu stehen.

Im Tessin werden die Regierungsräte im Proporzverfahren gewählt. Tritt ein Staatsrat zurück – wie in diesem Fall Marco Borradori, der zum neuen Stadtpräsidenten von Lugano gewählt wurde – rückt ein Parteimitglied nach. Neuwahlen sind nicht vorgesehen.

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