Betriebsfeuerwehr hat ausgedient

Mit der Schliessung der Zellstofffabrik Borregaard Schweiz AG in Riedholz wurde auch die betriebsinterne Feuerwehr aufgelöst. Nun gehört das Fabrikareal zum Einsatzgebiet der Riedholzer und Luterbacher Feuerwehren.

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Borregaard

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Keystone

Vergangenes Jahr noch war für das Borregaard-Gelände in Luterbach und Riedholz eine 31-köpfige Betriebsfeuerwehr zuständig. Das verlangte die Solothurnische Gebäudeversicherung (SGV) so. «Die SGV legt fest, ob eine Firma eine betriebseigene Feuerwehr braucht und wie gross die Mannschaft sein sollte», erklärt Thomas Jenni, ehemaliger Kommandant der Betriebsfeuerwehr Borregaard.
Mit der Schliessung der Zellstoff-Fabrik war aber auch das Ende der Betriebsfeuerwehr herangerückt. Seit dem 1. Januar gehört das Areal südlich der Aare zum Einsatzgebiet der Luterbacher, das Nordareal zu jenem der Riedholzer Brandbekämpfer.

Hohe Ausbildungsstandards

Das Amt als Kommandant legt Jenni mit einem lachenden und einem weinenden Auge nieder: «Ich habe nun mehr Zeit für meine Kinder», freut er sich. Dennoch merkt man ihm an, dass er das Amt gerne ausgeübt hat. «Es war eine spannende Zeit», sagt er.

Ein grosser Anreiz des Amtes bestand darin, dass der Betriebsfeuerwehr kaum finanzielle Schranken gesetzt und dadurch die Ausrüstung der Feuerwehrleute stets dem technischen Fortschritt angepasst wurde. «Wir verfügten über einen Ausrüstungs- und Ausbildungsstandard, von dem viele umliegende Feuerwehren nur träumen können», sagt Jenni stolz. «Das war aber aufgrund des hohen Gefahrenpotentials auch nötig.» Denn durch einen unkontrollierbaren Brand in der «Borregaard» hätte wegen der vielen gelagerten Chemikalien ein grosser Schaden an der Umwelt entstehen können.

Passiert ist aber während der fünf Jahre, in denen Jenni als Kommandant tätig war, zum Glück kaum etwas. «Wir hatten vielleicht ein oder zwei Zwischenfälle pro Jahr», weiss er. Zu einem Brand sei es aber nie gekommen. Meist handelte es sich bei den Vorfällen um starke Geruchentwicklungen irgendwo auf dem Gelände, denen man auf den Grund gehen musste. «Gelegentlich haben wir auch Wespennester entfernt», sagt er und lacht.

Übergabe an die Stützpunkte

Mittlerweile wurde die Ausrüstung der Betriebsfeuerwehr grösstenteils verkauft und die Verantwortung zusammen mit den Plänen für das Areal an die Feuerwehrstützpunkte Luterbach und Riedholz übergeben. Vorbereitungen dafür wurden bereits vergangenes Jahr getroffen. Im Dezember wurden die Kommandanten Manfred Tschumi (Riedholz) und Carlos Leon (Luterbach) durch ihre neuen Einsatzgebiete geführt. Im Januar folgte dann eine Besichtigung für das gesamte Kader der beiden Feuerwehren.

«Ich habe den Kommandanten empfohlen, das Gelände zu beüben», sagt Jenni. Über ein hohes Gefahrenpotential verfügt das Areal zwar nicht mehr, da die Fabrik grösstenteils stillgelegt wurde. In einem Notfall sollten sich die Feuerwehrleute aber trotzdem zurechtfinden können - und Pläne sind da nur die halbe Miete: «Wichtig ist besonders die Erfahrung, damit man sich in einem Gelände orientieren kann», so Jenni. Und aufgrund seiner Erfahrung wird er den Feuerwehrteams künftig bei Übungen in seinem ehemaligen Einsatzgebiet auch mit Rat zur Seite stehen.

Gefahrenpotential ist gering

Zwei Einsatzübungen hat die Luterbacher Feuerwehr auf dem südlichen Borregaardareal dieses Jahr geplant. «Wir machen die Übungen aber in erster Linie, weil das Gebiet genügend Platz für unsere sowie die Derendinger Feuerwehrleute bietet, mit denen wir gelegentlich gemeinsam üben», so Leon. Das Südareal sei ohnehin eher ungefährlich: «Alles liegt brach und die Chemikalien, die den Gefahrenschwerpunkt dargestellt hatten, sind restlos entfernt worden.»

Indes führen die Riedholzer Brandbekämpfer dieses Jahr fünf Übungen auf dem Nordareal durch. «Eine haben wir bereits hinter uns», berichtet Tschumi. Das Nordareal ist zwar flächenmässig kleiner als das Gebiet südlich der Aare, dafür stehen im Norden mehr Gebäude. Dazu kommt eine Vielzahl unterirdischer Gängen. Diese Tunnel sind zwar auf den Plänen dokumentiert, gewöhnen sollten sich die Einsatzteams in Übungen jedoch trotzdem daran.

Im Nordteil liegt auch der Teilbereich Elektrolyse, der als einziger noch in Betrieb ist und noch zwei Jahre lang weiterlaufen soll. «Dieser Bereich stellt aber nur noch eine geringe Gefahrenquelle dar, da alle anderen brennbaren Materialien und Behälter mit Chemikalien entsorgt wurden», sagt Jenni.