Winterdienst
Besser zuckern als salzen

SVP-Nationalrat Oskar Freysinger will das Strassensalz ersetzen. Statt Salz hält er Zucker für eine gute Alternative.

Sarah Weber
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Strenge Winter werden häufiger. Immer mehr und vor allem länger müssen darum die Schweizer Strassen mit Salz enteist und geräumt werden. Dies sei keine befriedigende Lösung, findet der SVP-Nationalrat Oskar Freysinger.

In einer Motion fordert der Walliser den Bundesrat auf, die Machbarkeit des Einsatzes von Zucker im Winterdienst zu prüfen. Er beklagt die hohen Kosten des Winterdienstes und die ökologischen Belastungen durch das Salz. «Salz auf den Strassen ist nicht ideal und ich glaube, Zucker wäre eine sehr gut geeignete Alternative dazu», sagt Freysinger. Zudem könnten die einheimischen Zuckerrüben-Bauern davon profitieren.

Unterstützung bekommt Freysinger deshalb auch von den Grünen. Bastien Girod, Zürcher Nationalrat der Grünen und Umweltwissenschafter: «Wenn schon mal eine gute Idee von der SVP kommt, unterstütze ich sie natürlich.» Er sieht ebenfalls Handlungsbedarf, da die Salzschäden die Umwelt stark belasten würden.

Abfallprodukt aus Zuckerrüben

Tatsächlich: Nachteile hat das Salz einige. Durch den Einsatz auf den Strassen entstehen Rostschäden an Autos, der Strassenbelag wird belastet und bei Brücken können die Armierungen schneller rosten. Dazu kommt die Umweltbelastung. «All diese Nachteile hat Zucker nicht», bestätigt Martin Rösti, Leiter des Nationalstrassenbetriebs im Kanton Bern.

Rösti spricht aus Erfahrung: Die Berner haben im letzten Winter erste Versuche mit Zucker gemacht. Sie haben bei sehr tiefen Temperaturen den aus Zucker bestehenden Stoff «Safecoat» als Ersatz für die ätzenden Stoffe Kalziumchlorid oder Magnesiumchlorid verwendet. «Safecoat» ist ein Abfallprodukt aus Zuckerrüben, das günstiger ist als die bisher verwendeten Stoffe und für die Mitarbeiter weniger belastend. Der Nachteil: Zucker kann vor allem präventiv eingesetzt werden. «Wenn schon viel Schnee auf den Strassen ist, nützt
Zucker höchstens etwas in Kombination mit Salz», erklärt Martin Rösti.

Positiv äussert sich auch der Bauernverband. «Wir sind interessiert daran, dass wir möglichst viel Zuckerrüben produzieren können», sagt Nadine Degen, Leiterin Pflanzenbau beim Bauernverband. Und wenn Zucker auf den Strassen als zusätzlicher Absatzkanal infrage komme, solle dies auch entsprechend geprüft werden. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will in den nächsten Wochen über die Ergebnisse der Versuche vom letzten Winter informieren.