Unter dem Titel «Quo Vadis» wurden ab 2005 in der für komplexe Wirtschaftsdelikte zuständigen Staatsanwaltschaft III betriebliche Verbesserungen konzipiert und umgesetzt. Die Wirkung blieb nicht aus, wie Peter Pellegrini gestern vor den Medien sagte. Pellegrini hat im letzten Herbst die Leitung der Staatsanwaltschaft III von Christian Weber übernommen.

Bereits seit Herbst 2007 leitete er das Projekt «Quo Vadis». Heute seien im Schnitt sechs Fälle pro Staatsanwalt hängig, so Pellegrini. 2005 waren es noch acht bis zehn Fälle - zu viel. Dabei stand zu jenem Zeitpunkt die heisse Ermittlungsphase in Sachen Swissair erst noch bevor. Die viele Arbeit machte sich auch in einer hohen Personalfluktuation bemerkbar.

Seit kurzem seien nun wieder alle Stellen besetzt, erklärte Pellegrini. Wobei einige der Neuen erst noch ihre hängigen Fälle aus ihrer vorherigen Tätigkeit bei einer der allgemeinen Staatsanwaltschaften abzuschliessen hätten. Bis im Sommer stünden dann aber alle zur Verfügung der Staatsanwaltschaft III.

Vor allem zwei Massnahmen hätten «Quo Vadis» zum Erfolg geführt, sagte Pellegrini. Zum einen werde nun jeder Fall nach einer Check-Liste abgearbeitet. Anders als früher, als die Fälle einfach an die einzelnen Staatsanwälte verteilt wurden, ist somit Transparenz gegeben - und die Fälle können untereinander besprochen werden. Pellegrini: «Wir sind keine Einzelkämpfer mehr, es ist Teamarbeit gefragt.»

Als zweiten Punkt nannte er eine bessere Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei. Dieser werden nicht mehr einfach die Ermittlungsaufträge übergeben, die dort in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet werden. Die Staatsanwaltschaft III kann im Umfang eines Stellenkontingentes selbst bestimmen, mit welchen Prioritäten die polizeilichen Ermittler tätig werden sollen. Bei der Staatsanwaltschaft III selbst wurde der Personalbestand im Rahmen der Reorganisation nicht erhöht.

Schwankende Fallzahlen

Die Zahl der von der Staatsanwaltschaft III einzuleitenden Strafuntersuchungen unterliegt grösseren Schwankungen. 2005 waren es 111 Untersuchungen, letztes Jahr 66. Bald könnten die Fallzahlen wieder steigen. Zwar mache sich bei ihnen die Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht bemerkbar, sagte Pellegrini.

Wie aber zum Beispiel das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gezeigt habe, trete da jeweils ein Verzögerungseffekt zutage. Pellegrini kann sich vorstellen, zu welchen betrügerischen Machenschaften die momentane Situation anstiften könnte. Er verwies auf das niedrige Zinsniveau und den damit einhergehenden «Anlage-Notstand».

Da lassen sich Anleger mit unseriösen Renditeversprechen leichter ködern. Pellegrini kann sich auch vorstellen, dass die Diskussion um eine Abschwächung des Bankgeheimnisses Auswirkungen hat. Der eine oder andere verunsicherte Bankkunde könnte dem betrügerischen Versprechen aufsitzen, dass sich sein Geld andernorts noch diskreter deponieren liesse.