Gemeindeschreiber Hans-Ruedi Meier wird verabschiedet
Berufsleben im Dienst der Öffentlichkeit

Wenn Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den Stab an jüngere Kräfte weitergeben, geschieht dies in der Regel nicht sang- und klanglos. Dies umso mehr, wenn der Gemeindeschreiber seiner Gemeinde 38 Jahre lang die Treue gehalten hat. Heute Freitagabend wird Hans-Ruedi Meier in festlichem Rahmen verabschiedet.

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Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Die Amtszeit von Hans-Ruedi Meier begann am 1. November 1971 und ist am 31. Dezember 2009 zu Ende gegangen. Nach 38 Dienstjahren tritt er vorzeitig in den verdienten Ruhestand. Bei der im heutigen Berufsleben verlangten Flexibilität ist eine jahrzehntlange Diensttreue nicht mehr alltäglich. Der von ihm gewünschte Altersrücktritt ist ein markanter Einschnitt und gibt Anlass, auf die von gegenseitigem Vertrauen geprägte Zusammenarbeit zurückzublicken.

Schwierige Startphase

Hans-Ruedi Meier musste sein Amt unter schwierigen Verhältnissen antreten. Ein Vorgänger, der ihm die Geschäfte hätte ordnungsgemäss übergeben und in das für ihn neue Amt einführen können, fehlte. Der damalige Gemeinderat befand sich in einer Notlage und musste die unerwartet frei gewordene Stelle so rasch als möglich besetzen. Dabei war er noch vom Pech verfolgt. Gleich zwei Mal hintereinander bekamen es die Stellenbewerber mit der Angst zu tun und verzichteten auf den Stellenantritt. Schliesslich wurde ein blutjunger Mann ohne grosse fachspezifische Kenntnisse und reiche Erfahrung, eben Hans-Ruedi Meier, zum Gemeindeschreiber erkoren. Unter Assistenz eines pensionierten Gemeindeschreibers, mit Hilfe der benachbarten Amtskollegen und zusammen mit einem Verwaltungslehrling, der soeben seine Ausbildung abgeschlossen hatte, kämpfte sich der ins kalte Wasser geworfene Neuling über die Runden.

Aufbruch und Wachstum

Die Dienstzeit von Hans-Ruedi Meier fällt mit einer ausgesprochenen Wachstumsperiode der Gemeinde zusammen. Die Entwicklung verlief nicht gerade stürmisch, jedoch kontinuierlich und ist noch nicht abgeschlossen. Bei seinem Amtsantritt zählte die Gemeinde 729 Einwohner. Bei der Pensionierung sind es knapp 1800 Personen. Der Personaletat der Gemeindeverwaltung bestand am Anfang aus ihm, einem Verwaltungslehrling und einer Teilzeitangestellten. Heute ist der
Wenn Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den Stab an jüngere Kräfte weitergeben, geschieht dies in der Regel nicht sang- und klanglos. Dies umso mehr, wenn der Gemeindeschreiber seiner Gemeinde 38 Jahre lang die Treue gehalten hat. Heute Freitagabend wird Hans-Ruedi Meier in festlichem Rahmen verabschiedet.

Gemeindeschreiber für acht Mitarbeitende verantwortlich, was 5,9 vollen Stellenwerten entspricht.
Das Aufgabengebiet hat sich nicht nur zahlenmässig ausgeweitet. In der aufstrebenden Wachstumsgemeinde wurden die Aufgaben zunehmend komplexer. Nicht nur die Behörden, auch der Gemeindeschreiber und sein Team sahen sich immer anspruchsvolleren Problemstellungen gegenüber, Hans-Ruedi Meier arbeitete unter insgesamt fünf verschiedenen Gemeindepräsidenten. Es gelang ihm, mit jeder dieser Persönlichkeiten eine gute Zusammenarbeit zu pflegen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Auch privat fühlte sich der junge Gemeindeschreiber, später nach der Familiengründung fühlten sich auch seine Angehörigen in der Gemeinde gut aufgehoben.

Impulsgeber und Teamplayer

Als vollamtlicher Gemeindeschreiber war Hans-Ruedi Meier Leiter der Gemeindeverwaltung und nahm an allen Behördensitzungen teil. Im Gemeinderat hatte er beratende Stimme, jedoch kein Recht, Anträge zu stellen. Dazu gehörte die Aufgabe, die Politiker in strategischen Fragen zu unterstützen. In der Beraterfunktion und bei der Bearbeitung der Sachgeschäfte war er das formalrechtliche Gewissen des Gemeinderates. Er hatte Einblick in alle Dossiers und wusste (fast) über alles Bescheid. Seine Vorgesetzten sind Milizpolitiker und jeweils für eine vierjährige Amtsdauer gewählt. Es liegt in der Natur des Systems, dass sie kommen und gehen. Der Gemeindeschreiber hingegen bleibt, im vorliegenden Fall über Jahrzehnte. Er war der ruhende Pol und ein wichtiger Faktor für die Kontinuität der kommunalen Geschäfte. Als einer der am besten informierten Leute wirkte er als Bindeglied zwischen den Behörden und der Bevölkerung.

Wie steht es mit der immer wieder kolportierten Mär von der «Grauen Eminenz» im Gemeindehaus oder mit dem Gerücht, der Gemeindeschreiber spiele die Rolle des achten Gemeinderates? Auf den Einfluss auf das politische Leben angesprochen, nimmt sich Hans-Ruedi Meier vornehm-diplomatisch zurück und relativiert. Solche Meinungen mögen früher zugetroffen haben, heutzutage aber sicher nicht mehr, bestätigt er.

Die Behördenmitglieder sind heute bestens informiert und in ihren Ressorts sattelfest. Sofern er überhaupt einen Informationsvorsprung habe, machte er davon sehr zurückhaltend Gebrauch und Missbrauch schon gar nicht. Selbstverständlich fühle er sich für die Gemeindepolitik mitverantwortlich. Etwas bewegen, mitgestalten, ein kompetentes Team führen und der Umgang mit Menschen hätten ihm immer Freude bereitet, fasst er zusammen. Wenn er dank seines Hintergrundwissens, der langjährigen Erfahrung und der Wahrnehmung der Signale aus der Bevölkerung, gewisse Entscheide habe positiv beeinflussen können, sei er zufrieden.