Flugverkehr

Beruf des Kampfjetpiloten zu unattraktiv? Luftwaffe will mit zivilen Airlines kooperieren

Traumszenario für junge Piloten: Mit der F/A-18 fliegerisch an die Grenzen gehen und zudem im Passagierjet die Welt erkunden.

Traumszenario für junge Piloten: Mit der F/A-18 fliegerisch an die Grenzen gehen und zudem im Passagierjet die Welt erkunden.

Der Beruf der F/A-18-Piloten soll attraktiver werden: Künftig könnten sie teilzeit Passagierjets fliegen. Die Schweizer Luftwaffe kooperiert deshalb mit der Edelweiss.

Ein ruinierter Rücken und eine Militärkarriere hinter dem Schreibtisch. So kann die Perspektive eines Schweizer F/A-18-Piloten ab einem Alter von 40 Jahren aussehen. Denn die körperlichen Belastungen im Kampfjetbetrieb sind enorm. Manch einer wechselt nach der Ausbildung und einer obligatorischen Wartefrist von vier Jahren freiwillig zu einer zivilen Airline. Dort darf er oder sie bis ans Karriereende im Cockpit sitzen. Für die Armee sind solche Abgänge schmerzhaft, weil sie viel Geld in die Ausbildung der Piloten investiert hat.

Jetzt gibt die Luftwaffenführung Gegensteuer. Wie das Verteidigungsdepartement bestätigt, führt die Armee Gespräche mit der Airline Swiss und ihrer Schwestergesellschaft Edelweiss. Das Ziel: F/A-18-Piloten sollen in Zukunft teilzeit für eine private Airline fliegen können und der Luftwaffe damit länger erhalten bleiben. Edelweiss-Flugpassagiere könnten also schon bald mit einem Kampfjetpiloten am Steuer nach Havanna fliegen.

Eine Edelweiss-Maschine hebt in Zürich ab.

Eine Edelweiss-Maschine hebt in Zürich ab.

Kleine Revolution

Wann das Sharing-Modell «institutionalisiert» eingeführt werden soll und wie viele Piloten dafür potenziell infrage kommen, steht laut dem VBS noch nicht fest. Klar ist lediglich: Es wäre eine kleine Revolution.

Heute lässt die Luftwaffe ehemalige Kampfjetpiloten nicht mehr in das Cockpit ihrer F/A-18, wenn diese ihren jährlichen Dienst als Milizangehörige absolvieren. Die Zivilpiloten kommen nur noch für den Einsatz auf Fliegern wie der PC-7 infrage.

Die gleiche Einschränkung wird für die neue Generation Kampflugzeuge gelten, welche die Luftwaffe im kommenden Jahrzehnt beschaffen will. Die zwischenzeitlich auf den Markt gelangten Jets und ihre Einsatzmöglichkeiten seien nicht weniger komplex geworden, erklärt das VBS. Die maximal 33 Diensttage pro Jahr reichten «nicht aus für den sicheren Einsatz».

Eine Win-win-Situation

Im neuen Modell würde sich das ändern. Die Zahl der jährlichen F/A-18-Flugstunden der Teilzeitpiloten würde gegenüber dem Milizmodell so weit erhöht, dass sie die Anforderungen erfüllen. Airlines und Luftwaffe brauchen die Piloten laut VBS oft nicht gleichzeitig. «Es kann für beide Partner zu gewissen Zeiten vorteilhaft sein, wenn sie über Teilzeit-Piloten verfügen.» Und damit einen grösseren Nutzen aus den Ausbildungskosten ziehen.

Auch die Verantwortlichen bei der Airline Edelweiss zeigen sich überzeugt vom geplanten Konzept. «Das Modell ermöglicht einem Militärpiloten einen schrittweisen Umstieg in die Zivilfliegerei und eröffnet uns als Airline Möglichkeiten, sehr gut qualifizierte Piloten zu rekrutieren», teilt ein Sprecher mit. Die F/A-18-Kapitäne verfügten über eine ausserordentlich gute fliegerische Ausbildung und seien in aller Regel sehr einsatzfreudig und diszipliniert. «Das sind alles Eigenschaften, die wir bei unseren Piloten gerne sehen.»

Verzettelt sich die Luftwaffe?

Das Teilzeitmodell dürfte, sofern es eines Tages eingeführt wird, dazu beitragen, dass der Beruf des Kampfjet-Piloten wieder attraktiver wird. Der bei einer Volksabstimmung im Mai 2014 gescheiterte Kauf von 22 schwedischen Gripen-Kampfflugzeugen und die zahlreichen Abstürze der vergangenen Jahre haben dem Image der Luftwaffe zugesetzt. Auch die mehrjährige Ausbildung wirke abschreckend, sagt Aviatikexperte Max Ungricht. «Das Berufsbild hat heute Kratzer», sagt er. Für die Luftwaffe sei es schwieriger als früher, talentierte Pilotenanwärter zu finden.

Dennoch ist der Experte nicht überzeugt vom angedachten Sharing-Modell zwischen Luftwaffe und Airlines, obschon er die Beweggründe dahinter nachvollziehen kann. Natürlich komme ein Pilot, der zusätzlich für eine zivile Airline tätig sei, auf deutlich mehr Flugstunden, als wenn er nur für die Luftwaffe im Einsatz stehe. Dies stelle aber nur auf dem Papier einen Vorteil dar. «Das ist eine andere Art von Fliegen. Die Aufgabe eines Kampfjetpiloten ist sehr komplex. Ich finde, dass er sich voll darauf konzentrieren sollte.» Die Luftwaffe dürfe sich nicht verzetteln.

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