Die Woche vor und jene nach Ostern sei der SP-Bundesrat schlicht terminlich zu stark gebunden, erklärte Bersets Sprecherin Ariane Geiser auf Anfrage. Und am Ostermontag, dem 9. April, wenn die 100 Tage tatsächlich um wären, feiert Berset seinen 40. Geburtstag.

Nach knapp drei Monaten hat Berset im Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) zwar noch keine Revolution ausgerufen. Den einen oder anderen sozialpolitischen Akzent hat der Freiburger aber trotzdem schon setzen können – was seinem freisinnigen Vorgänger Didier Burkhalter auch nach mehr als 100 Tagen nicht gelungen war.

Bersets Einsatz zu spüren bekamen bisher vor allem die Krankenkassen und die Pharmaindustrie. Erst letzte Woche kündigte er an, die Medikamentenpreise um insgesamt knapp eine Viertelmilliarde Franken zu senken, um damit die Auswirkungen der Frankenstärke an die Patienten weiterzugeben. Berset verschärfte auch die Transparenzregeln für die Krankenversicherer. Neu müssen die Löhne der Verwaltungsratsmitglieder offengelegt werden. Ausserdem entschied er, dass die Aufsicht über die Kassen weiterhin Aufgabe des Bundesamts für Gesundheit sein soll und nicht an externe Behörden delegiert wird, wie von Burkhalter angedacht.

Klug eingefädelter Kompromiss

Eine weitere Idee von Bersets Vorgänger war, dass der Bundesrat per Notrecht Kürzungen bei der Grundversicherung anordnen könnte, falls eine systemrelevante Kasse Konkurs anmelden muss. Auch diesen Vorschlag wischte Berset vom Tisch. Und mit einem klug eingefädelten Kompromiss hat er erreicht, dass die Ärzte nun nicht mehr das Referendum gegen die Vorlage einer umfangreicheren Patientendatenlieferung ergreifen wollen.

Überhaupt ist es Bersets Kompromissbereitschaft, die auch in weiten Teilen seiner politischen Gegnerschaft geschätzt wird. So etwa bei der Initiative «Jugend und Musik», wo er den Bundesrat zu einem Gegenvorschlag überreden konnte – womit das Volksbegehren zurückgezogen werden dürfte.

Konflikte sind programmiert

Obwohl er von links bis rechts gute Noten bekommt – mit der eigenen Partei dürfte Berset in nächster Zeit noch harte Kämpfe ausfechten müssen. Bei der Managed-Care-Vorlage etwa, die er als Ständerat noch abgelehnt hat, jetzt aber «mit Überzeugung» unterstützt, formiert sich bereits breiter Widerstand in der SP. Gleiches gilt, wenn Berset die Reformen bei AHV, zweiter Säule und Invalidenversicherung in Angriff nimmt – mit dem Unterschied, dass er dann nicht nur die eigene Partei, sondern auch die Gewerkschaften gegen sich haben wird.