Maja Sommerhalder

Fussgängerstreifen, Führerausweis, oder Mitarbeitergespräch: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Bern dürfen diese Wörter nicht mehr verwenden. Stattdessen werden sie im neusten «Sprachleitfaden für die Stadtverwaltung» dazu angehalten, Fahrausweis, Zebrastreifen oder Beurteilungsgespräch zu schreiben. Und wer hat den Bernern den Zebrastreifen verordnet? Gemäss der Boulevardzeitung «Blick» die Aargauer SP-Frau Doris Stump (60), die seit 15 Jahren im Nationalrat sitzt.

Setzt sich für Gleichberechtigung ein

Die Frauenrechtlerin setzt sich nämlich seit vielen Jahren für geschlechtergerechte Formulierung ein und unterstützte zuletzt in der Sommersession 2007 den Artikel 7 des Sprachgesetzes. Dort ist nun seit drei Jahren festgehalten, dass die Bundesbehörden auf «geschlechtergerechte Formulierungen» achten müssen. Inzwischen existieren in vielen Verwaltungen solche Sprachleitfäden, so auch im Kanton Aargau (siehe Kasten) oder beim Bund. Laut dem «Blick» war der 192-seitige Leitfaden das grosse Vorbild für die Stadt Bern. Allerdings geht der Bund noch weiter: Beispielsweise wird dort statt Mutter oder Vater «das Elter» als geschlechtsneutrales Wort aufgeführt.

«Habe Zebrastreifen nicht verordnet»

«Elter ist keine brauchbare Alternative – so einen Begriff würde ich nie empfehlen oder gar verordnen. Auch mit dem Zebrastreifen habe ich nichts zu tun», sagt SP-Nationalrätin Stump und hält fest: «Überhaupt habe ich
an keinem dieser Sprachleitfäden für Behörden mitgearbeitet.» Richtig sei aber, dass sie sich seit den 80ern für geschlechtergerechte Formulierungen einsetzt: «Es ging mir darum, dass Frauen auch sprachlich in den Medien und amtlichen Dokumenten präsent sind.»

Das sei damals nicht der Fall gewesen: «Es gab beispielsweise nur Studenten. Heute ist es jedoch selbstverständlich, dass man Studierende oder Studentinnen und Studenten sagt.» Auch viele andere Begriffe seien angepasst worden, wie Lehrperson statt Lehrer und Lehrerinnen. Doch muss man deswegen wirklich Ersatzwörter wie Zebrastreifen verwenden? «Nicht unbedingt. Aber wir können wählen.»

Vor allem Vorschläge für weniger Vorschriften

Stump weist darauf hin, dass in den Leitfäden vor allem Vorschläge und weniger Vorschriften zu finden sind: «Allerdings spricht nichts dagegen, den alternativen Begriff zu verwenden, wenn er in der deutschen Sprache bereits existiert. Fahrausweis klingt doch besser als Führerausweis.» Doch lösen solche Formulierungen wirklich die Probleme der Frauen? «Nein, aber sie stärken die Sprachsensibilität und leisten einen Beitrag gegen die sprachliche Diskriminierung.»