Medizin
Berner Inselspital wendet neues Verfahren gegen Blutgerinnsel an

Das Berner Inselspital hat zum ersten Mal mit einem neuen Ultraschallverfahren einem Patienten ein lebensgefährliches Blutgerinnsel entfernt. Der 67-jährige Mann konnte das Spital 48 Stunden nach dem Eingriff nahezu beschwerdefrei verlassen.

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Keystone

Bisher mussten Ärzte ausgedehnte Blutgerinnsel in einer aufwendigen und riskanten Bauch- oder Beinoperation beseitigen, wie das Inselspital am Samstag mitteilte. Mit dem minimalinvasiven Ultraschallverfahren verfüge man nun über eine Alternative.

Die «Insel» in Bern sei das erste Spital in Europa, das diese Methode anwende, heisst es in der Mitteilung. Möglich sei dies, weil der durchführende Arzt Nils Kucher von der Universitätsklinik für Angiologie eine internationale Studie über das neue Verfahren leite.

Bei der neuen Methode wird dem Patienten zuerst die Kniekehle lokal betäubt. Die Spezialisten sehen im Röntgenbild, auf welchem Weg sie dem Gerinnsel zu Leibe rücken können. Danach wird in die verstopfte Vene ein neuartiger Katheter eingeführt, der aus einem dünnen Schlauch mit zahlreichen, winzig kleinen Ultraschallkristallen besteht.

Die Ultraschallenergie wird aktiviert, sobald über zahlreiche Seitenlöcher im Katheterschlauch ein Auflösungsmedikament direkt in das Gerinnsel gespritzt wird. Die mechanische Energie des Ultraschalls bewirkt zusammen mit dem Auflösungsmedikament einen schnellen und gründlichen Abbau des Gerinnsels.

Winzige Operationswunde

Die Operationswunde sei lediglich ein drei Millimeter grosses Loch in der Kniekehle, schreibt das Inselspital. Zudem sei das Risiko von neuen Gerinnseln und Langzeitfolgen deutlich kleiner als ohne diese Behandlung.

Ein Blutgerinnsel im Bein kann nach verschiedenen Erkrankungen und Operationen, aber auch nach Langstreckenflügen und stundenlangen Autofahrten auftreten. Irgendwann löst es sich, wird in die Lunge geschwemmt und schwächt das Herz. Die Folge ist der Tod durch Herzversagen. Falls das Gerinnsel in den Beinen oder im Bauch verbleibt, treten Schmerzen und Schwellungen als Langzeitfolgen auf.

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