Kanton Bern
Berner Beizer nehmens gelassen

Willkommen im Klub! Ab dem 1. Juli gilt auch in den Berner Gaststätten das Rauchverbot. Das verunsichert nicht nur die Wirte. Die Behörden versuchten im Vorfeld, sich an den Erfahrungen im Kanton Solothurn zu orientieren.

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Schweiz am Sonntag

Marie-Christine Andres

Das Tessin, St. Gallen, Neuenburg und Graubünden sind schon länger dabei, Anfang Jahr gesellte sich Solothurn als fünftes Mitglied dazu. Nun erweitert sich der Kreis der Kantone mit rauchfreien Gastrobetrieben auf sieben: In Bern und im Wallis wird das Rauchen in öffentlich zugänglichen Innenräumen ab dem 1. Juli verboten sein.

Das Berner Rauchverbot entspricht in den wesentlichen Punkten demjenigen im Kanton Solothurn, enthält aber einige strengere Auflagen für Fumoirs. Nach den Ausführungsbestimmungen des Regierungsrates sind Ausschankeinrichtungen in Fumoirs ebenso verboten wie der Zutritt für Jugendliche unter 18 Jahren. Ausserdem ist die Maximalfläche für ein Fumoir auf einen Drittel der Gesamtfläche beschränkt und darf 60 Quadratmeter nicht überschreiten.

Die Berner starten nicht ganz unvorbereitet in die rauchfreie Zukunft: «Selbstverständlich haben wir in anderen Kantonen geschaut, welche Erfahrungen diese mit dem Rauchverbot gemacht haben», sagt Stefan Reichen vom Wirtschaftsamt des Kantons Bern. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, haben die Berner Behörden auch beim Nachbarkanton Solothurn abgeschaut.

Denn da kostete die Einführung und Umsetzung des Rauchverbots die Behörden einiges an Zeit und Nerven. Weil sich nicht alle Solothurner Gastrobetriebe an die Bestimmungen hielten, musste das Gesundheitsamt (Gesa) nach einem Monat Kontrollen einführen. Schliesslich musste der Regierungsrat, obwohl man auf gesunden Menschenverstand setzen wollte, doch noch eine Vollzugsverordnung erlassen.

Diese tritt im Kanton Solothurn ebenfalls am 1. Juli in Kraft. Nach der Verordnung ist im Kanton Solothurn ab dem 1. September der Betrieb eines Fumoirs nur noch mit Bewilligung möglich. Im Kanton Bern sind Fumoirs von Anfang an bewilligungspflichtig. «Wir wollen den Wirten von Anfang an eine gesetzeskonforme Lösung ermöglichen», erklärt Stefan Reichen.

Im April erhielt von der Dorfbeiz bis zum Gourmettempel jeder Betrieb ein Formular, mit dem er um eine Fumoir-Bewilligung ersuchen konnte. Die Regierungsstatthalterämter als bewilligende Behörde sind jedoch bis jetzt nicht gerade mit Gesuchen überhäuft worden. Nur 4 von 120 Betrieben stellten im Amtsbezirk Wangen einen Antrag, 5 Gesuche von 250 Betrieben gingen in Burgdorf ein, gleich viele auf dem Regierungsstatthalteramt Aarwangen.

«Viel Geld für ein Fumoir zu investieren, liegt im Moment nicht drin», sagt Marah Aeschlimann vom «Rebstock» in Attiswil. Über das Rauchverbot ist die Wirtin zwar gar nicht begeistert; Angst, dass die Stammgäste ausbleiben, hat sie aber keine. «Sie sind bereit, draussen unter dem Vordach zu rauchen», sagt sie und lacht. Dass nur wenige Restaurants eine Bewilligung für ein Fumoir beantragen, hat nicht nur finanzielle Gründe: «Abwarten und Tee trinken», lautet die Devise von Ursula Lüthi. Zuerst will sie schauen, wie sich die Gästezahl in ihrem Restaurant, dem «Gambrinus» in Wangen a/A, entwickelt.

Rauchverbot: Das gilt ab 1. Juli im Kanton Bern

Das Rauchen ist in für die Allgemeinheit zugänglichen Innenräumen verboten. Dazu zählen auch öffentliche Korridore oder Treppen, Aufzüge sowie Toiletten, Festzelte und Wintergärten, auch wenn Seitenwände geöffnet werden können.
Fumoirs sind abgeschlossene Nebenräume des Betriebs ohne eigene Ausschankeinrichtung wie Buffet oder Bar. Sie sind so anzulegen, dass kein Rauch in die übrigen Räume gelangen kann (selbstschliessende Tür) und dass das Fumoir nicht als Durchgang zu anderen Betriebsräumen dient.
Die Fumoirs dürfen eine Bodenfläche von höchstens 60 Quadratmeter aufweisen und die Fumoirfläche darf höchstens einen Drittel der Bodenfläche aller Ausschankräume betragen.
Der Zutritt zu Fumoirs ist Personen unter 18 Jahren verboten. Diese Regelung steht im Einklang mit dem Mindestalter für den Erwerb von Tabakwaren, das ebenfalls bei 18 Jahren liegt. Das Zutrittsalter muss ersichtlich sein. Im Fumoir dürfen keine Leistungen angeboten werden, die im übrigen Betrieb nicht erhältlich sind, mit Ausnahme von Waren für das Rauchen. (mca)

Über die «Bevormundung durch den Staat» regt sie sich auf, auch deswegen investiert sie vorläufig nicht in ein Fumoir. Auch Ueli Marti vom Restaurant Bären in Niederbipp will nichts überstürzen. «Es herrscht eine gewisse Verunsicherung, weil man nicht weiss, wie sich das Rauchverbot auf den Umsatz auswirkt», sagt er. Auch ihn nervt, dass er nicht selber entscheiden kann, ob in seinem Betrieb geraucht werden kann oder nicht. Immerhin sei der Termin der Einführung einigermassen günstig: Im Sommer kann er die Gäste auf der Terrasse bewirten.

Über den Bau eines Fumoirs will Marti dann erst im Herbst entscheiden. Froh ist der Wirt auch, dass im Kanton Solothurn das Rauchverbot bereits besteht. Dadurch ist keine Abwanderung von Gästen in den Nachbarkanton zu befürchten. In die umgekehrte Richtung gab es in den vergangenen Monaten nämlich durchaus «Rauchertourismus»: In den Grenzgebieten besuchten Solothurner vermehrt Restaurants im Bernischen, um dort gemütlich eins zu rauchen.

Der 1. Juli ist mit Bedacht gewählt: «Weil die Gäste draussen konsumieren können, wird der Übergang etwas entschärft», meint Stefan Reichen. Dass die Zahl der Gesuche für Fumoirs auf den Herbst hin nochmals ansteigt, ist wahrscheinlich. Reichen geht jedoch nicht davon aus, dass flächendeckend Fumoirs gebaut werden, das war auch in anderen Kantonen nicht der Fall. Im Kanton Solothurn haben sich nach dem Erlass der Vollzugsordnung nach Angaben des Gesundheitsamts bis jetzt erst 100 von 1500 Betrieben um eine Bewilligung beworben.

Illusionen, dass die Einführung des Rauchverbots ohne jede Schwierigkeit verläuft, macht sich Stefan Reichen keine. Er bleibt pragmatisch: «Es ist möglich, dass bei einzelnen Betrieben nachgehakt werden muss, wenn Klagen eingehen, wird der betreffende Betrieb überprüft.» Die Aufsicht über die Gastrobetriebe liegt bei den einzelnen Gemeinden, aber grundsätzlich ist jeder Wirt verantwortlich, dass bei ihm die Regeln eingehalten werden.

«Die Wirte wie auch die Gäste verfügen über genügend Informationen, um sich richtig zu verhalten», sagt Reichen überzeugt. Ausstehend sind einzelne Vorschriften des Bundes, die in der Verordnung zum nationalen Rauchverbot erlassen werden. Deswegen rauchen die Berner Köpfe nicht: «Im Kanton Bern wird das Rauchverbot strenger umgesetzt als beim Bund. Wie in Solothurn sind reine Raucherbeizen auch in Bern nicht möglich.»

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