Bern
Bern wie Bologna, Berlin und Barcelona

Als fünfte Schweizer Stadt tritt Bern der Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus bei. Gemeinderätin Edith Olibet ist hoffnungsfroh: Rassismus könne überwunden werden, sagt sie.

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Rassismus

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Berner Rundschau

Johannes Reichen

Zwischen Berlin und Bologna hat sich Bern geschoben, und auch Barcelona ist nicht weit. Auf der Mitgliederliste der Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus ist nun auch die Bundesstadt aufgeführt - «eine grosse Freude» für Gemeinderätin Edith Olibet (SP). Die Direktorin für Bildung, Soziales und Sport verkündete gestern den Beitritt vor den Medien, denn, sagte sie: «In unserer Stadt hat Rassismus keinen Platz.»

So ist es noch nicht in Bern, aber das ist das Ziel der neuen Zugehörigkeit. Haltung demonstriere damit die Stadt, und es ergäben sich neue Chancen für Bern, so Olibet.

Wer der Koalition mit Sitz in Nürnberg beitritt, verpflichtet sich, einen Aktionsplan umzusetzen. Zehn Punkte sind darin aufgeführt, die es in verstärktem Mass zu befolgen gilt: Wachsamkeit gegenüber Rassismus, Unterstützung für die Opfer, Bekämpfung von Diskriminierung durch Bildung und Erziehung oder Förderung der kulturellen Vielfalt zum Beispiel. Auch muss die Stadt Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt fördern und als Arbeitgeberin alle gleich behandeln.

Weltweit und wirkungsvoll

Die Internationale Städte-Koalition gegen Rassismus wurde auf Initiative der Unesco 2004 in Nürnberg gegründet. Das Ziel der Koalition ist ein weltweites Netzwerk von Städten für den wirkungsvollen Kampf gegen Rassismus und Diskriminierungen. Um den Eigenheiten der Weltregionen gerecht zu werden, wurden in der Folge weitere Koalitionen gegründet: Afrika (seit 2006), Asien/Pazifik (2006), Lateinamerika/Karibik (2006), Nordamerika (2007) und seit neuestem im arabischen Raum (2008). In Europa gehören über 80 Städte aus 17 Ländern
der Koalition an. In der Schweiz sind nun, abgesehen von Basel, die sechs grössten Städte Mitglied. Vor Bern waren schon Genf, Lausanne, Winterthur und Zürich beigetreten. «Vor allem mit Zürich wollen wir einen engen Austausch pflegen», sagt Marianne Helfer, Fachspezialistin im Kompetenzzentrum Integration der Stadt Bern. «Sie haben schon etwas länger Erfahrung, und so können wir von ihnen profitieren.» Nichts bekannt ist Helfer aber über die Erfahrungen der gesamten Koalition. Sie sei erst vor fünf Jahren gegründet worden, und viele Städte seien nicht von Anfang an dabei. Zudem nehme Bern erstmals an der Jahreskonferenz der Koalition teil. «Nun aber», sagt Helfer, «werden wir den Kontakt suchen.» (joh)

Mit Vielfalt gegen Einfalt

Der Beitritt Berns geht auf ein Postulat im Stadtrat zurück. 2006 forderten Grünes Bündnis/Junge Alternative! die Zugehörigkeit zur Städte-Koalition. Da nun dabei, hat die Stadt insgesamt 37 Massnahmen in einem Aktionsplan aufgenommen. Die Federführung liegt beim städtischen Kompetenzzentrum für Integration. «Mit Vielfalt gegen Einfalt» wolle man vorgehen, sagte Ursula Heitz, Leiterin des städtischen Kompetenzzentrums Integration. Nun habe man dafür «ein griffiges Instrumentarium».

Damit will man einerseits eine Sensibilisierung in der Bevölkerung erreichen, denn «Rassismus findet oft unterschwellig statt», sagte Heitz. Den Anfang bildet eine Ausstellung einer Plakatserie, wo sich befreundete Junge unterschiedlicher Hautfarbe zeigen und eine Botschaft verkünden. Diese Bilder werden ab dem 23. Juni in der Predigergasse 5 gezeigt, dem meistbesuchten Verwaltungsgebäude Berns, wo Menschen aus 150 Nationen leben.

Gegen Rassismus - für Integration

Anderseits will man die Integration fördern. «Rassismus schafft Ausgrenzung und wirkt damit integrationshemmend», sagte Heitz. Beispielsweise wird nun das nächste Forum der «Migrantinnen und Migranten der Stadt Bern» vom 16. September dem Thema Diskriminierung gewidmet.

Und schliesslich soll mit dem Beitritt auch ein Zeichen gesetzt werden. Rassismus sei keine natürliche gesellschaftliche Erscheinung, so Heitz. Die politischen Autoritäten müssten entschieden dagegen Stellung nehmen.

Eine Vielzahl von Institutionen in der Stadt Bern nimmt sich bereits des Problems des Rassismus an. Der nun vorgestellte Aktionsplan sei nur eine Erweiterung dieser bestehenden Angebote, so Olibet. Pionierleistungen etwa durch die Beratungsstelle «gggfon» oder die Aktion «Gemeinsam gegen Rassismus» unterstütze die Stadt weiterhin und würden keineswegs hinfällig durch die neuen Pläne.

Noch stehen viele der vorgeschlagenen Massnahmen erst vor der Prüfung, etwa, ob städtische Angestellte ein Merkblatt zu Rassismus erhalten, oder ob eine Stelle für bei der Wohnungssuche Benachteiligte geschaffen wird. Die meisten verursachen keine Kosten oder werden durch das Globalbudget abgedeckt. Die allenfalls entstehenden Aufwände könnten derzeit noch nicht abgeschätzt werden, so Edith Olibet.

Die wenigsten Fälle gemeldet

Hat Bern ein grösseres Problem mit Rassismus? «Das ist schwierig zu sagen», meinte dazu Marianne Helfer, Fachspezialistin des Kompetenzzentrums. «Die wenigsten Fälle werden ja tatsächlich gemeldet.» Einerseits seien die Beratungsstellen vielen unbekannt, anderseits trauten sich viele nicht, sich zu melden. «Sicher aber haben wir ein Problem mit Einlassverweigerungen in Clubs.» Dies werde aber jetzt ja bekämpft - ein Merkblatt für Clubs, Bars und Restaurants wurde dazu erarbeitet.

In vier Jahren soll erstmals Bilanz gezogen werden. «Dann wird der Gemeinderat beschliessen, ob und welche neuen Massnahmen entwickelt werden», sagte Ursula Heitz. Schon in zwei Jahren aber muss nach Nürnberg Bericht erstattet werden über die Massnahmen.