Italien

Berlusconi schwelgt im Selbstmitleid - Pikanter Versprecher

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi (Archiv)

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi (Archiv)

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich nach der Aberkennung seiner Immunität durch das Verfassungsgericht erneut als Justizopfer dargestellt: «Ich bin der am meisten von der Justiz verfolgte Mensch aller Zeiten und in der ganzen Welt.»

Er habe mehr als 2500 Anhörungen und 106 Verfahren erdulden müssen, sagte Berlusconi in Rom nach einer Kabinettssitzung. Mehr als 200 Millionen Euro habe er für Berater und Anwälte ausgegeben, sagte er und leistete sich einen Fauxpas, da er statt "Anwälte" zunächst "Richter" sagte.

Die gegen ihn anstehenden Strafverfahren, mit deren rascher Wiederaufnahme er nun rechnen muss, bezeichnete er als "Farce" und kritisierte erneut die Entscheidung vom Mittwoch, das 2008 erlassene Immunitätsgesetz zu kippen.

Berlusconi teilte den Forderungen einiger seiner Anhänger nach einer Solidaritätsdemonstration auf den Strassen Italiens eine Absage. Seine Regierung habe auch so die breite Unterstützung des Volkes, sagte er dem Fernsehsender TG5.

Die Staatsanwaltschaft in Mailand entschied zudem, Berlusconi nicht als Zeugen im Prozess gegen seinen früheren Anwalt David Mills aussagen zu lassen. Berlusconi habe der Presse gesagt, er kenne Mills nicht und wisse auch nichts über die Sache, begründete das Gericht den Entscheid nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa und wies damit eine Forderung der Verteidigung zurück.

Berlusconi soll Mills für Falschaussagen in Prozessen der 90er Jahre 600.000 Dollar bezahlt haben. Im Berufungsprozess gegen Mills forderte das Gericht die Bestätigung der bereits verhängten vier Jahre Haft.

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