Deutschland

Berlin bestellt Schweizer Botschafterin wegen Spionageaffäre ein

Christine Schraner-Burgener, Schweizer Botschafterin in Berlin, musste vor dem deutschen Aussenministerium antraben. (Archiv)

Christine Schraner-Burgener, Schweizer Botschafterin in Berlin, musste vor dem deutschen Aussenministerium antraben. (Archiv)

Die Affäre um einen verhafteten mutmasslichen Schweizer Spion in Deutschland spitzt sich zu. Die deutsche Bundesregierung fordert eine Erklärung von der Schweiz und hat die Schweizer Botschafterin in Berlin einbestellt.

Die Verhaftung eines Schweizers, der in Deutschland angeblich Spionage für die Schweiz betrieben hat, beschäftigt mittlerweile die höchsten Kreise beider Länder. Das deutsche Aussenministerium hat die Schweizer Botschafterin einbestellt und verlangt eine Erklärung vom Bundesrat, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. 

Im deutschen Aussenministerium hiess es, Staatssekretär Walter Lindner habe die Schweizer Botschafterin "kurzfristig zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt gebeten". Der Staatssekretär habe dabei "im Interesse der deutsch-schweizerischen Freundschaft" Aufklärung über den Fall des unter Spionageverdachts festgenommenen Schweizer Staatsbürgers erbeten.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte das Treffen. Es sei Zeit für einen Informationsaustausch zwischen der Schweiz und Deutschland gewesen, da vieles im Unklaren sei, sagte EDA-Sprecher Jean-Marc Crevoisier auf Anfrage.

Verteidigungsminister Guy Parmelin hat sich am Dienstag zur Spionageaffäre geäussert, ohne allerdings etwas zu sagen. Er könne und wolle nicht zum konkreten Fall Stellung nehmen, sagte Parmelin vor den Medien mit Verweis auf die laufenden Verfahren. Er habe die Ausführungen der deutschen Generalbundesanwaltschaft zur Kenntnis genommen, sagte der Verteidigungsminister lediglich.

Nachrichtendienst-Chef Markus Seiler liess hingegen durchblicken, dass sein Dienst aus seiner Sicht sehr wohl in Deutschland zu spionieren habe. Wenn andere Staaten Schweizer Unternehmen, dazu gehörten auch die des Finanzplatzes, ins Visier nähmen, sei das Spionage. „Und dann haben wir den Auftrag, das zu bekämpfen“, so Seiler.

Der 54-jährige Schweizer war am Freitag in Frankfurt am Main verhaftet worden. Laut dem deutschen Generalbundesanwalt wird ihm vorgeworfen, während über fünf Jahren für einen ausländischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein. (sda/nch)

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