Gemeinderat
Bericht ist o.k. – aber keine neue Stelle

Der Gemeinderat hatte an seiner Sitzung nicht nur die ausländische Wohnbevölkerung (Integrationskonzept) im Visier. Gegenstand von Verhandlungen waren auch die Jungen und die Senioren.

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Schulmaterial aufgereiht

Schulmaterial aufgereiht

Grenchner Tagblatt

Urs Byland

Im Bericht zur Schulsozialarbeit wurden die ersten Erfahrungen dieses neuen Angebotes in Grenchen ausgewertet. Hier teilen sich zwei Personen 100 Stellenprozente. Sie sind für zirka 1700 Kinder und Jugendliche an den Schulen und Kinderkrippen zuständig. Sie betreiben eine niederschwellige Anlaufstelle für alle an der Schule Beteiligten. Diese dient der Früherkennung von Gefährdungssituationen der Schülerinnen und Schüler.

Ende 2006 wurde das Angebot definitiv eingeführt und von 60 auf 100 Stellenprozente aufgestockt. Verbunden war dies mit dem Auftrag, 2009 Bericht zu erstatten.

Zu wenig Personal

Wichtigste Aussage des Berichts ist der kontinuierliche Anstieg der Fallzahlen. Im Schuljahr 07/08 wurden 95 Fälle registriert. Aktuell sind es bis Mai 2009 bereits 131 Fälle. Die Vorlage beinhaltete denn auch einen Antrag, die Stelle nochmals aufzustocken, was einige Gemeinderäte irritierte. Denn sie hatten nur eine Berichterstattung erwartet. «Wir haben erst vor kurzem schon aufgestockt. Natürlich holt man sich schneller Hilfe, wenn der entsprechende Dienst besteht», ärgerte sich Markus Böhi, CVP. Heinz Müller, SVP, nannte das Angebot «einen Selbstläufer» und lehnte die Aufstockung klar ab. Und Christian Hetzel, FdP warnte davor, den Dienst aufzublasen, und sagte: «In einer Berichterstattung personelle Begehrlichkeiten zu bringen, ist fehl am Platz.»

Ratsstenogramm

Der Gemeinderat hat
- die Entscheidung für einen Namen einer neuen Erschliessungsstrasse im Gestaltungsplan Kastels vertagt;
- Rechnung und Bilanz der Stiftung Adrian Girard genehmigt;
- den Bericht der Rechnungsprüfungskommission/Ausschuss für Geschäftsprüfung zu Kenntnis genommen. Unter die Lupe genommen wurden die Einwohnerkontrolle sowie deren Vernetzung mit dem Sozialamt. (uby)

Einzig die SP unterstützte uneingeschränkt den Antrag. «Eine Million für gefährdete Unternehmen zu sprechen, ist eine Investition. Das Gleiche gilt für das Angebot der Schulsozialarbeit. Auch das ist eine Investition für Grenchen, das eine extrem gemischte Bevölkerungsstruktur aufweist», erklärte Urs Wirth (SP).

Am Ende lagen zwei Anträge auf dem Tisch. Die CVP wollte die Aufstockung auf zwei Jahre befristen, was abgelehnt wurde. Angenommen wurde dafür der FdP-Antrag auf ersatzlose Streichung der Aufstockung. Den Stichentscheid gab der Stadtpräsident. Auch ihn störte, dass in der Berichterstattung personelle Begehren gestellt wurden. «Diese werden in einer separaten Vorlage nochmals in den Gemeinderat kommen», so Boris Banga. Der Bericht wurde in der Folge positiv zu Kenntnis genommen.

Task Force für Alterspolitik

Die städtische Alterspolitik ist mit dem Eintritt des privaten Anbieters Berntor AG (wir berichteten) infrage gestellt worden. Die Berntor AG will auf dem Gelände des alten Spitals ein umfassendes Angebot im Alterspflegebereich einrichten. Dadurch entsteht eine Konkurrenzsituation auf dem Platz Grenchen, wo bisher die Stiftung Alterssiedlung Grenchen beinahe einziger Akteur war. Die Konkurrenzsituation soll aber nach dem Willen von Kurt Boner, Leiter ad interim der Stiftung Alterssiedlung, zu einem Vorteil für die ältere Bevölkerung von Grenchen werden. Auch suche die Berntor AG nicht die Konkurrenz, sondern eine Zusammenarbeit.

Nun soll eine Task Force die künftige Alterspolitik von Grenchen und die daraus entstehenden Konsequenzen erarbeiten. Im Detail geht es natürlich darum, Übereinstimmung zu finden: Wie viele Pflegebetten soll beispielsweise die Berntor AG anbieten, wer baut eine Demenzabteilung auf, wer stellt ein Angebot im ambulanten Bereich zusammen etc. Die Task Force soll aber auch Vorschläge zur künftigen Rolle der Stadt und der Stiftung Alterssiedlung in der stationären und ambulanten Alterspolitik machen.

In der Task Force werden alle Akteure vertreten sein, inklusive Vertreter der Parteien. Diese signalisierten Zustimmung zum Vorgehen und sprachen einen Kredit von 46 000 Franken für eine externe Moderation der Task Force. Stiftung und Berntor AG steuern 25 000 Franken bei. Die Stadt muss effektiv 21 000 Franken leisten.