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Berater von Deutschen in der Schweiz: «Das Verhältnis ist besser geworden»

Es kommen weniger Deutsche in die Schweiz als auch schon. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern hat sich verbessert. Die Gründe.

Pascal Ritter und Samuel Schumacher
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Autobahn-Zoll in Weil am Rhein (D): Die Einwanderung von Deutschen in die Schweiz ist seit 2008 rückläufig.

Autobahn-Zoll in Weil am Rhein (D): Die Einwanderung von Deutschen in die Schweiz ist seit 2008 rückläufig.

Keystone

Die Schweiz gehört zu den beliebtesten Zielen für deutsche Auswanderer. Allerdings hat sich die Zahl der Einwanderer seit 2008 stark reduziert. Im Rekordjahr kamen knapp 35'000 Deutsche mehr in die Schweiz, als im gleichen Jahr wieder zurückgingen. 2015 waren es gerade mal noch 6700. Den Rückgang spürt auch Matthias Estermann vom Verein für Deutsche in der Schweiz. Er berät Neuankömmlinge oder Deutsche mit Problemen in der Schweiz. «Es ist schwieriger geworden für Deutsche, in der Schweiz einen Job zu finden», sagt er. Mancher Deutsche gehe zudem wieder zurück in seine Heimat, weil er den Job verliere. «Wenn es wirtschaftlich schlecht läuft, muss dann halt ‹der Dütsche› wieder gehen», witzelt Estermann.

Das Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen habe sich indes in der letzten Zeit eher verbessert. Vorbei seien die Zeiten, als die Tageszeitung «Blick» noch fragte «Wie viel Deutsche verträgt die Schweiz?». Auch wegen der intensiven medialen Berichterstattung habe sich die Lage entspannt. «Die Sache ist ausdiskutiert», sagt Estermann. Der Faktor Zeit spiele zudem eine Rolle. Die Einwanderer aus dem Rekordjahr 2008 hätten ihre Zeit gebraucht, um sich zu integrieren.

«Wen Deutsche neu in die Schweiz kommen, realisieren sie oft im ersten Moment nicht, dass sie nicht in einem anderen Bundesland, sondern in einem anderen Land sind», sagt Estermann. Gleichzeitig hatten auch die Schweizer Zeit, sich mit den neuen Kollegen aus dem grossen Kanton anzufreunden.

Diplomatie

Ganz ohne Streitereien geht es nicht. Das sind die diplomatischen Baustellen zwischen der Schweiz und Deutschland:

- Daniel M.: Der angebliche Spion soll im Auftrag der Schweiz deutsche Steuerfahnder entlarvt haben, die Ausschau hielten nach Bankdaten-CDs. Er wurde Ende April in Frankfurt verhaftet. Sein Haftentlassungsgesuch wurde diese Woche von der deutschen Justiz abgelehnt. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, könnte das zu einer diplomatischen Mini-Krise führen.

- Fluglärmstreit: Im Jahr 2000 begann der Disput. Bewohner süddeutscher Gemeinden klagten über den Krach, den die Flugzeuge beim Anflug auf den Flughafen Zürich verursachen. Der Staatsvertrag aus dem Jahr 2012, der die Flugordnung über dem süddeutschen Himmel ab 2020 regeln soll, wurde vom Schweizer Parlament 2013 ratifiziert. Der Deutsche Bundestag muss sich aber erst noch dazu äussern. Immerhin: Die Causa hat sich merklich abgekühlt.

- EU-Rahmenabkommen: Das Abkommen, das die vertragliche Zukunft zwischen der Schweiz und der EU regeln soll, ist hierzulande umstritten. In Deutschland, dem wirtschaftlichen Machtzentrum der EU, gibt es Unmut über die zögerliche Schweiz. Und doch: CDU-Kanzlerin Angela Merkel, so heisst es, gehört in Brüssel zu den verständnisvolleren EU-Regierungschefs.