Bellach

Der starke Auftragseinbruch hält beim Bellacher Werkzeughersteller Fraisa an. Die Folge: Weitere 75 Arbeitsplätze werden gestrichen, davon 50 in der Schweiz.

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75 Stellen weg bei Fraisa – Standort Bellach am stärksten betroffen

75 Stellen weg bei Fraisa – Standort Bellach am stärksten betroffen

Mehrheitlich über Entlassungen

Nachdem bereits im vergangenen Oktober 30 Stellen mehrheitlich durch Beendigung temporärer Arbeitsverhältnisse und durch Pensionierungen respektive Frühpensionierungen abgebaut worden seien, «werden nun Entlassungen in der grossen Mehrzahl der Fälle unvermeidlich sein», erklärte Josef Maushart, CEO und Mehrheitsaktionär der Fraisa. Auf Anfang März führte die Fraisa zudem Kurzarbeit im Umfang von etwa 35 Prozent ein.

Trotz «grösster Anstrengungen zur Ankurbelung der Umsätze» gelinge es derzeit nicht, sich gegen den fortschreitenden Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zu stemmen, erläutert Maushart. Im März seien die Aufträge gegenüber Januar und Februar nochmals um über zehn Prozent rückläufig. Er nennt Zahlen: In diesem März sind im Tagesdurchschnitt Aufträge für 265 000 Franken eingegangen.

Im März 2008 lag das durchschnittliche Bestellvolumen bei 390 000 Franken pro Tag. Nach der ersten Welle mit der Autoindustrie folge nun eine zweite Welle mit der Maschinenindustrie, die ihre Kapazitäten nach unten anpasse und deutlich weniger Werkzeuge benötige. Mit einem Exportanteil von 75 Prozent sei Fraisa als Werkzeughersteller stark betroffen.

Warum nicht mehr Kurzarbeit?

Die Ausdehnung der Kurzarbeit sei in diesem Fall kein probates Mittel, erklärt Maushart weiter. «Wenn wir die Kurzarbeit erweitern, ist die Lieferbereitschaft für die übrig gebliebenen Aufträge nicht mehr gegeben. Das wäre in der jetzigen Situation verheerend und könnte den ganzen Betrieb gefährden.»

Da stellt sich die Frage, ob die Lieferbereitschaft nicht auch mit dem Stellenabbau gefährdet sei. Da sei das Risiko viel kleiner, so Maushart. Denn in diesem Fall könnten die Kapazitäten gezielt heruntergefahren werden, ohne dass die verbleibende Produktion zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werde. Für Markus Baumann von der Gewerkschaft Unia ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen: «Wir wollen im Rahmen der Konsultationsgespräche darauf drängen, die Kurzarbeit auszudehnen, um möglichst wenig Arbeitsplätze abbauen zu müssen.» Diese Arbeitsmarktmassnahme helfe mit bei der Überbrückung der Krise.

In den kommenden vier Wochen will Fraisa denn auch «ein umfassendes Konsultationsverfahren» durchführen. Er bleibe zwar für Lösungsvorschläge offen, aber gleichzeitig befürchtet er, dass die Bemühungen angesichts der wirtschaftlichen Lage weltweit in der Metallbearbeitungsbranche kaum erfolgreich sein werden, sagt Maushart. Ein Sozialplan respektive Massnahmenpaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen für die Betroffenen sei in Vorbereitung.

Ungewisse Aussichten

Die Frage, ob damit das Ende des Stellenabbaus erreicht sei, kann Maushart nicht beantworten: «Wenn in den kommenden Monaten die Aufträge in diesem Tempo weiter zurückgehen, müssten auch die Kapazitäten erneut angepasst werden.» Der April dürfte aufgrund der Feiertagskonstellation einen neuen Einbruch mit sich bringen. «Wir hoffen, dass sich ab Mai die Auftragslage wieder auf dem Niveau von März stabilisieren wird.» (mz/fs/kwi)