Tessin
Beim Lotto gibts eine Prostituierte als Gewinn – jetzt mischt sich Politik ein

Bei Lotterien winkt normalerweise eine Flasche Wein, ein Spezialitätenkorb oder vielleicht auch eine Reise. Nicht so in einigen Tessiner Bordellen: Dort werden sexuelle Dienstleistungen der anwesenden Damen als Gewinne angeboten.

Gerhard Lob, Lugano
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Als Lottogewinn gibts ein Schäferstünchen mit einer Prostituierten.

Als Lottogewinn gibts ein Schäferstünchen mit einer Prostituierten.

Zur Verfügung gestellt

Mit einem Eintrittsbillett, das in der Regel 10 Franken inklusive eines Getränks kostet, können Besucher an der «Sexi Lotteria» teilnehmen.

An Spezialabenden, wenn beispielsweise Pornostars zu Gast sind, werden diese Lotterien durchgeführt. «Premio Hot» heisst es etwas verschlüsselt auf der Internetseite eines bekannten Luganeser Clubs, aber Insider wissen genau, was gemeint ist: 30 Minuten Intimität zum Wert von 150 Franken.

Italienische Medien berichten

Bereits 2011 waren erste Fälle bekannt geworden, doch die Diskussion war schnell verebbt. Seit kurzem ist das Thema erneut aufgeflammt, nachdem italienische Medien vermehrt über diese Praxis berichteten, die sich gerade unter italienischen Kunden herumgesprochen hat. «La Repubblica», eine der grössten italienischen Tageszeitungen, schickte einen Reporter nach Lugano. «Ab 22 Uhr wird alle Stunde ein Püppchen verlost», heisst es über das Angebot.

Wenig Gefallen an dieser Praxis hat die Tessiner SP, die umgehend eine Anfrage an die Regierung einreichte. Ihrer Meinung nach verstossen solche Lotterien gegen die Menschenwürde und seien in jeglicher Hinsicht zweifelhaft. Eventuell könne damit auch der Artikel 195 des Strafgesetzbuches (Ausnützung sexueller Handlungen) verletzt werden. Diese Ansicht teilt der Tessiner Justizminister Norman Gobbi (Lega). Die Anbieter dieser Lotterien seien in diesem Sinne informiert worden.

Nur Gutscheine

Die Bordellbesitzer jedoch verteidigen ihr Angebot. «Es werden keine menschlichen Körper verlost, sondern Gutscheine für sexuelle Dienstleistungen», liess sich Ulisse Albertalli, einer der bekanntesten Bordellbetreiber im Tessin, mehrfach zitieren. Und jeder Prostituierten stehe es frei, einen Freier abzulehnen, der den Bon einlösen wolle.

Es werde keinerlei Zwang ausgeübt. Auch zwei Prostituierte aus Moldawien, Alexia und Mirella, verteidigten in der Sonntagszeitung «Il Caffè delle Domenica» die Sex-Lotterien. Ihnen sei dies als Mittel Recht, um mehr Kundschaft anzuziehen. Und darum gehe es ja letztlich in diesem Gewerbe. Zudem werde der graue Alltag mit den Partys etwas aufgelockert.

Die Kunden, insbesondere aus Italien, wo Bordelle verboten sind, scheinen das Angebot jedenfalls zu schätzen. Die Besucherzahlen in den Südschweizer Clubs explodierten gemäss mehreren Quellen an den Spezialabenden.

Einmal mehr macht sich das Tessin auf diese Weise als Rotlichtzone für das südliche Nachbarland einen Namen. 2012 hatte die Tessiner Staatsanwaltschaft im Rahmen der Operation Domino etliche Etablissements wegen Verdachts auf illegale Aktivitäten im Umfeld der Prostitution geschlossen. Inzwischen ist eine Reihe dieser Bordelle aber wieder geöffnet.