74 Personen. Das ist die Zahl der Mitarbeiter in der Bundesverwaltung, die das Pensionsalter zwar überschritten hat, aber beruflich immer noch aktiv ist. Das heisst, von den insgesamt 34'772 Bundesstellen sind 74 von Personen belegt, welche über das Rentenalter hinaus arbeiten. Zum Vergleich: Im Schweizer Durchschnitt arbeitet ein Drittel der Erwerbstätigen über das Rentenalter hinaus.

Ob es sich bei den 40 Männern und 35 Frauen des Bundes um Führungskräfte handelt, wollte das Eidgenössische Personalamt (EPA) nicht bekannt geben: Die Lohnklasse sei aus datenschutzrechtlichen Gründen geheim. Auch geht aus den Zahlen nicht hervor, wie lange nach Überschreiten des Pensionsalters die Personen weiterarbeiten. Ist es ein Jahr, zwei Jahre?

Reales Rentenalter bei 62

Diese Fragen sind deshalb interessant, weil der Bundesrat mittels Fachkräfteinitiative dem Mangel an Arbeitskräften entgegenwirken will und versprach, dass Bund und Kantone «mit gutem Beispiel vorangehen» werden. Konkret wollte er «altersgerechte Arbeitsbedingungen fördern und die grundsätzliche Weiterarbeit über das Pensionsalter hinaus ermöglichen». So steht es im Papier «Fachkräfteinitiative – Situationsanalyse und Massnahmenbericht», das 2013 erschienen ist.

Zwar hinkt der Bund der Privatwirtschaft hinterher. Das reale Rentenalter sei in den letzten Jahren aber stetig gestiegen, sagt EPA-Sprecher Anand Jagtap. «Das durchschnittliche Pensionsalter der Bundesmitarbeiter liegt momentan zwischen 62 und 63 Jahren.» In der Gesamtbevölkerung lag es gemäss Bundesamt für Sozialversicherungen zuletzt bei 64 Jahren.

Verträge enden bei 65 abrupt

Zu seiner Verteidigung führt das EPA an, dass die Anstellungsbedingungen beim Bund im Vergleich zur Privatwirtschaft ziemlich rigide seien. Der Arbeitsvertrag läuft bei jedem Angestellten des Bundes mit 65 aus. Auch wenn einer weiterarbeiten will, heisst das noch lange nicht, dass er das kann. Der Arbeitnehmende habe darauf keinen Anspruch, schreibt das EPA im Bericht. Er oder sie brauche dazu das Einvernehmen des Arbeitgebers – und müsse einen neuen Vertrag aushandeln.

In der Privatwirtschaft sei es weniger kompliziert, die Arbeit nach dem Pensionsalter weiterzuführen, sagt Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband. Der Grund: «Es gibt viele unbefristete Arbeitsverträge, welche auch nach Erreichen des ordentlichen Pensionsalters einfach weiterlaufen.»

Anreize zur Frühpension weg

Die Bundesverwaltung galt auch deshalb als attraktive Arbeitgeberin, weil sie Frühpensionierungen gefördert hatte. Zwar hat sich das Regime nun geändert. Doch von 34 772 Angestellten sind nur gerade 286 Personen im Pensionsalter. In der Privatwirtschaft ist der Trend zur Frühpension hingegen schon länger rückgängig. Die Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, ihre Mitarbeiter vorzeitig in Pension zu lassen, wie Lützelschwab sagt.

Auch der Bund hat in den letzten zwei Jahren die Schrauben angezogen. Während er früher die Überbrückungsrente, die von Arbeitgeber und Versicherten gemeinsam finanziert wird, grosszügig unterstützt hatte, zahlt er den 60- und 61-Jährigen noch maximal 5 Prozent an die Rente. «Um den Anteil weiter zu senken, muss das Bundespersonalgesetz geändert werden», sagt Jagtap. Und das brauche Zeit. Es entspreche der Personalstrategie, dass sich der längere Verbleib im Job auch auszahlen soll. Dem Fachkräftemangel sei dank.