Sonnenschutz
Bei dieser Hitze reagiert die Haut mit Pickeln

Wer bei diesen heissen Temperaturen zu lange draussen weilt, riskiert nicht nur Hautkrebs, sondern setzt sich auch anderen Gefahren aus.

Anja Mosbeck
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Viele sind sich der Gefahren der Sonne nicht bewusst und geniessen das Sonnenbaden unbeschwert.

Viele sind sich der Gefahren der Sonne nicht bewusst und geniessen das Sonnenbaden unbeschwert.

Keystone

Brütende Hitze, Sonnenbrände und weisse Blasen auf Armen und Beinen – die heissen Temperaturen machen vielen zu schaffen, wobei vor allem die Haut unter der Sonne leidet. Darum sollte sie bei Temperaturen über 35 Grad nicht unterschätzt werden, bestätigt Dermatologin Rahmann Krasovec aus Schlieren. Wegen der stärkeren UV-Strahlung ist die Hautkrebsgefahr um ein Vielfaches erhöht. Erstaunlicherweise habe Krasovec heuer aber noch mehr Patienten als letztes Jahr, die krebsrot zu ihr in die Praxis kommen.

Kein Schutz hinter Autofenster

So äussert sich die Lichtunverträglichkeit

Häufig juckende Sonnenallergien auf der Haut

Polymorphe Lichtdermatose (PMD): Sie wird durch die UVA-Strahlen ausgelöst und führt im Körper zu einer Immunreaktion. Symptome davon sind Jucken und Bläschenbildung an Hautstellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt waren (Nacken, Schultern, Dekoltee, Arme und Gesicht). Die Reaktion tritt während oder nach dem Sonnenbad auf.
Mallorca-Akne: Sonnenlicht zusammen mit fettigen Inhaltsstoffen von Sonnencreme führen zu Akne ähnlichen Pickeln, die meistens an behaarten Hautstellen entstehen.
Photoallergische Reaktion: Sonnenlicht zusammen mit Substanzen wie Pflanzen, Medikamenten oder Kosmetika, können kleine juckenden Rötungen und Bläschen hervorrufen. (AMO)

Obwohl einige Kampagnen gegen Hautkrebs werben, handle die Bevölkerung teilweise noch immer sorglos dem Thema Sonne gegenüber. «Viele unterschätzen die Temperaturen bis zu 40 Grad und denken, dass sie im Schatten geschützt sind», sagt sie. Dies sei ein Irrglaube. Denn auch im Schatten liege die UV-Strahlung bei 80 Prozent. Trotzdem würden die Leute stundenlang draussen bleiben. Paradox daran findet die Hautärztin: «Viele kommen jährlich zur Hautkrebskontrolle, achten im Sommer aber nicht auf ihre Haut, denn der Nebenbefund heisst oft: Sonnenbrand.»

Warum manche sich trotz Hautkrebsgefahr immer wieder der prallen Sonne aussetzen, schreibt Krasovec dem hiesigen Freizeitverhalten zu. «Sport ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebensstils, der im Sommer draussen praktiziert wird», sagt sie. Darum rät die Dermatologin zum allgemeinen Schutz bereits am Morgen diejenigen Stellen, wie Gesicht, Ohren, Décolleté und vor allem Nacken, die gerne vergessen werden und der Sonne am meisten ausgesetzt sind, einzucremen. Zudem würde während den kalten Wintermonaten das Sonnentanken im Ausland oft völlig übertrieben: «Der eine oder andere nimmt darum einen Sonnenbrand aus den Ferien mit.»

So wird die Allergie behandelt

Kühlen lindert kurzzeitig

Den Auslöser der Allergie, die Sonne, gilt es zu meiden. Hilft dies nicht, ist eine ärztliche Behandlung ratsam. Dabei können entzündungshemmende Medikamente, wie kortisonhaltige Salben helfen. Selber kann man die Reaktion mit kühlenden Gels aus der Apotheke lindern. Auch die Einnahme von Kalzium und Vitaminen kann Besserung bringen . (AMO)

Krasovec hat auch einige Patienten, die bei dieser Hitze wegen der Wiesengräserdermatitis, eine häufige Sonnenallergie, zu ihr kommen. «Die toxische Substanz von gewissen Pflanzen kombiniert mit langwelligen UVA-Strahlen der Sonne, bilden Blasen auf der Haut, die stark jucken», sagt sie. Vor den gleichen UVA-Strahlen ist man auch hinter einem Autofenster nicht geschützt. Eine allergische Reaktion in Form von juckenden Pickeln auf der Haut könne ausgelöst werden.

Peter Schmid, Haut- und Allergiespezialist vom Universitätsspital Zürich, sagt, dass Sonnenallergien auch durch den falschen Sonnenschutz, zusammen mit Sonnenlicht, ausgelöst werden können. Darum rät er: «Bei ungewohnten Flecken nach dem Sonnenbad oder eitrigen Bläschen sollte ein Arzt aufgesucht werden.» Anders als die rote Haut beim Sonnenbrand, seien dies Anzeichen auf eine Sonnenallergie, die im Erwachsenenalter plötzlich auftreten könne. «Bei heissen Temperaturen tauchen ausserdem vermehrt Pilze in den feuchten Faltenzonen des Körpers auf», sagt er.

Was ist mein Lichtschutzfaktor?

Damit die Haut nicht zu viel Sonne abbekommt, rät Krasovec, lange Kleider mit dichtem Gewebe, wie Baumwolle oder Leinen, anzuziehen. Ansonsten gewöhne man seine Haut auf gesunde Art und Weise an die Sonne, indem die Intensität des Sonnenbads täglich ein wenig erhöht wird. «Am ersten Tag beginnt man mit 30 Minuten, am zweiten Tag verträgt die Haut bereits 45 Minuten Sonne», sagt sie. Zudem empfiehlt die Dermatologin, zwischen elf und fünfzehn Uhr drin zu bleiben. Hellhäutige Typen mit blonden oder rötlichen Haaren und hellen Augen seien besonders sonnenempfindlich. «Der passende Lichtschutzfaktor für sie ist 50», sagt sie. Mediterrane Menschen hätten den Typen drei bis vier. Die Zahl sechs sei die Höchste und stehe für dunkle Haut. In der Schweiz bleibe die Zahl, die den Hauttypen definiert aber eher tief – zwischen zwei und drei, erklärt Krasovec.

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