FDP-Ticket

Bei der FDP kommt es zum Duell zwischen Karin Keller-Sutter und Hans Wicki

Die FDP setzt bei den Bundesratswahlen auf die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter und den Nidwaldner Ständerat Hans Wicki. Nicht auf den Wahlvorschlag geschafft hat es dagegen der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler.

Die FDP zieht mit einem Zweierticket in die Bundesratswahlen. Das hat sie am Freitagabend entschieden. Dass die St.Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter als haushohe Favoritin auf dem Ticket stehen würde, war so gut wie sicher. Nun hat die FDP-Fraktion entschieden, neben ihr den Nidwaldner Ständerat Hans Wicki aufzustellen.

Nicht auf den Wahlvorschlag der Fraktion geschafft hat es der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler. Er war als Aussenseiter in das Rennen gestartet, hatte aber bei den drei öffentlichen Veranstaltungen der FDP mit seiner Leidenschaft positiv überrascht.

Dass es für ihn doch nicht ganz gereicht hat, dürfte auf seine mangelnde Bekanntheit in Bern zurückzuführen sein. Amsler hatte als Präsident der Deutschschweizer Erziehungskonferenz zwar eine gewisse nationale Ausstrahlung. Da er aber nie im Bundesparlament sass, kennt ihn nur ein Bruchteil der Parlamentarier.

Bundesratswahl: FDP und CVP präsentieren je ein Zweierticket

Bundesratswahl: FDP und CVP präsentieren je ein Zweierticket

Alle Bundesratskandidatinnen und -kandidaten hatten ein gutes Gefühl nach den Gesprächen mit den jeweiligen Fraktionen, doch nur zwei FDP- und zwei CVP-Kandidaten kommen am 5. Dezember vor die Bundesversammlung: Die FDP schickt Karin Keller-Sutter und Hans Wicki ins Rennen und die CVP Viola Amherd und Heidi Z'graggen.

Ein Entscheid im Sinne Keller-Sutters

Das Zweierticket dürfte auch nach dem Geschmack von Keller-Sutter sein. Je weniger Kandidierende, desto berechenbarer die Wahl, so das Kalkül ihrer Unterstützer. Der gestrige Entscheid zementiert damit die klare Favoritenrolle der St. Galler Ständerätin.

Und doch gibt es ein mögliches Szenario, bei dem Keller-Sutter doch noch verlieren könnte. Zahlreiche Politiker anerkennen zwar die Eignung der St. Galler Überfliegerin, eine Wahl bereits im ersten Wahlgang gönnen sie ihr allerdings nicht. Ein Indiz dafür könnte ihr bescheidenes Resultat bei der Wahl ins Ständeratsbüro sein.

Doch wenn zu viele Parlamentarier in einem ersten Wahlgang Wicki auf den Wahlzettel schreiben, um Keller-Sutter den grossen Triumph vorzuenthalten, könnte es zu einem Betriebsunfall kommen - und Wicki plötzlich gewählt sein. Gewiss kein realistisches Szenario aus heutiger Sicht. Aber bei Bundesratswahlen sind Überraschungen gang und gäbe.

Steckbriefe:

Karin Keller-Sutter (FDP/SG): Die Top-Favoritin für den FDP-Sitz. Die 55-Jährige sitzt seit 2011 im Ständerat, zuvor hat sie sich von der Gemeinderätin in Wil bis zur Regierungsrätin hochgedient. Die ausgebildete Dolmetscherin unterlag 2010 Schneider-Ammann bei der Bundesratswahl, weil sie der SP zu rechts war. Im bisherigen Wahlkampf um den Bundesratssitz stellte die Vertreterin des Wirtschaftsflügels ihre Herausforderer Christian Amsler und Hans Wicki nicht nur durch ihre Sprachkenntnisse, sondern auch bei der Professionalität ihrer Auftritte in den Schatten.

Karin Keller-Sutter, FDP, 1963

Karin Keller-Sutter, FDP, 1963

Hans Wicki (FDP/NW): Der 54-jährige Nidwaldner hat sich von der Kommunalpolitik in seiner Wohngemeinde Hergiswil nach oben gearbeitet. Bis 2016 war er Regierungsrat des Halbkantons, seit 2015 sitzt er im Ständerat. Der ausgebildete Ökonom war vor seiner politischen Karriere CEO des Schweizer Ablegers eines deutschen Elektrotechnik-Konzerns. Wicki hat ein klassisches Innerschweizer FDP-Profil: Er ist wirtschaftsliberal, will einen schlanken Staat, ist eher für eine restriktive Migrationspolitik. Er hat höchstens Aussenseiterchancen, zumal er den Start seiner Kampagne vermasselte: Statt über seine Erfolge lachte die Schweiz vor allem über seine Stolperer in der Landessprache Französisch.

Hans Wicki, FDP, 1964

Hans Wicki, FDP, 1964

Christian Amsler (FDP/SH): Der Schaffhauser Regierungsrat hat sich als Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz national einen Namen gemacht. Trotzdem bleibt der Hüne vor allem ein Kantonalpolitiker, der sich in Schaffhausen als Gemeindepräsident, Kantonsparlamentarier und nun Regierungsrat Meriten verdient hat. Sein Netzwerk in der Bundesversammlung dürfte für eine Wahl aber kaum reichen. Amsler probiert es trotzdem: Er hat schon als Primarlehrer den Berufswunsch Bundesrat angegeben. Der 54-Jährige steht als klassischer Mittepolitiker links der Fraktion. Im Abstimmungskampf punktete er mit Charme.

Christian Amsler, FDP, 1963

Christian Amsler, FDP, 1963

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