Fluglärm
Bei den Fluglärmgegnern im Süden des Flughafens Kloten überwiegt die Skepsis

Der heutige Tag könnte ein guter Tag für Richard Hirt und Thomas Morf sein. Die beiden kämpfen seit Jahren gegen die Südanflüge auf den Flughafen Zürich.

Matthias Scharrer
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«Vom aufrechten Gang in die gebückte Haltung»: Richard Hirt,Präsident des Fluglärmforum Süds, über den Staatsvertrag. Chris Iseli

«Vom aufrechten Gang in die gebückte Haltung»: Richard Hirt,Präsident des Fluglärmforum Süds, über den Staatsvertrag. Chris Iseli

Der CVP-Politiker und Fällander Gemeindepräsident Richard Hirt als Präsident des Fluglärmforums Süd, dem über 30 Städte und Gemeinden mit insgesamt rund 300000 Einwohnern angehören; Thomas Morf als Präsident der Bürgerbewegung Verein Flugschneise Süd Nein (VFSN) mit rund 5000 Mitgliedern und Gönnern.

Hirt und Morf könnten sich als Sieger fühlen, wenn Bundesrätin Doris Leuthard heute den Staatsvertrag mit Deutschland über die künftige Verteilung des Fluglärms unterzeichnet. Denn das lang ersehnte Ziel der Südschneiser rückt damit in Reichweite: Frühmorgens nicht mehr von Fliegern geweckt zu werden – dank Einführung des gekröpften Nordanflugs. Nur: Von Siegerjubel keine Spur.

«Der Staatsvertrag ist eine Wundertüte», sagt Hirt. «Wie die zusätzlichen Anflüge künftig verteilt werden, ist noch unbekannt.» Daher sei es schwierig, von Gewinnern und Verlierern zu sprechen. «Wenn man die erste halbe Stunde am Morgen mit dem gekröpften Nordanflug machen könnte, hätten wir natürlich eine Entlastung», so Hirt weiter. Morgendliche Südanflüge gäbe es dann nur noch bei schlechtem Wetter und Bise. «Die Gemeinden im Süden würden das wahrscheinlich befürworten», sagt der Gemeinden-Vertreter. Doch ob der Vertrag so umgesetzt werden könne, wie die Flughafen Zürich AG und der Zürcher Regierungsrat das wollen, sei unklar. «Der Weg zu den dafür nötigen Pistenverlängerungen ist lang», weiss der ehemalige CVP-Kantonsrat. «Und wenn die Ostpiste nicht bis 2020 ausgebaut ist, wird dies zum Super-GAU für die Menschen im dicht besiedelten Süden des Flughafens.»

Alles in allem sei der Vertrag eher schlecht, vor allem wegen der vermehrten Ostanflüge. «Die Schweiz geht vom aufrechten Gang in die gebückte Haltung», sagt Hirt. Auch in Süddeutschland gebe es Widerstand gegen das Vertragswerk. «Letztlich finden es alle ungerecht. Aber das ist halt so in der Politik, wenn von allen Seiten gezerrt wird.»

Während Hirt, Parteikollege von Bundesrätin und Staatsvertrag-Macherin Doris Leuthard, seine Skepsis in gemässigte Worte verpackt, benützt Thomas Morf von der Bürgerbewegung VFSN den verbalen Vorschlaghammer: «Der Staatsvertrag bringt der Schweizer Bevölkerung drei Stunden mehr Lärm – für nichts.» Den Preis zahle die flughafennahe Zürcher Bevölkerung. Einzige Gewinner seien Süddeutschland, der Flughafen, der vom Pistenausbau profitiere, und die Politik, die ein Problem entsorge.

Beim Flughafen vermisst Morf das Engagement für den gekröpften Nordanflug: «Wenn man wollte, könnte man ihn in zwei Jahren einführen.» Stattdessen peilten die Verantwortlichen das Jahr 2020 an. Morfs Fazit: «Der Tag der Vertragsunterzeichnung ist kein guter Tag.»