WEF

Bei Conrad Meier tanzen und schlafen die Mächtigen

Conrad Meier (links) empfängt Ferdinand Piëch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Volkswagen AG

Conrad Meier (links) empfängt Ferdinand Piëch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Volkswagen AG

Bei ihm residieren die Staatsmänner und Konzernchefs: Conrad Meier, der neue Direktor des Luxushotels Belvédère, erlebt sein erstes WEF.

Während des WEF ist das Steigenberger Grandhotel Belvédère ein Bienenhaus. Hier steigen die Konzernlenker, Staats- und Regierungschefs ab. Und hier laden Weltfirmen wie Google, Microsoft oder Coca-Cola praktisch nonstop zu Partys, Empfängen, geheimen Sitzungen und Galadinners. Insgesamt 240 Anlässe sind es in vier Tagen.

Zweitwichtigster Mann in Davos

Mittendrin steht Conrad Meier, seit August Direktor des Nobelhotels. Nach WEF-Gründer Klaus Schwab ist der 45-Jährige diese Woche der zweitwichtigste Mann in Davos. Persönlich begrüsst er die Staatschefs, Minister und Vorsitzenden grosser Firmen. Darunter Mexikos Präsident Felipe Calderón, IWF-Chefin Christine Lagarde, der deutsche Vizekanzler Philipp Rösler und Israels Verteidigungsminister Ehud Barak. Oder Wirtschaftsgrössen wie Nestlé-Präsident Peter Brabeck und Verleger Hubert Burda, der am Mittwoch eine rauschende Party gab.

Für Meier ist es das erste WEF. Er ist beeindruckt, wie sich sein Haus von einem normalen Ferienhotel in ein Tummelfeld der Prominenten verwandelt hat. «Wir sind im Ausnahmezustand», sagt er mit einem Lachen. «Es ist gewaltig, was auf diesem eigentlich kleinen Raum stattfindet.» Aus der Ruhe bringen lässt sich der Hotelmanager, der in einer Hoteliersfamilie mit Davoser Wurzeln aufgewachsen ist, aber nicht so leicht. Im Gegenteil: Wie ein Fels in der Brandung steht er im Menschengewirr und verströmt Gelassenheit. «Ich bin zwar das Aushängeschild des Hotels und habe die Verantwortung für alles, aber was nützt es, wenn ich in Hektik ausbreche? Ich habe blindes Vertrauen in mein Team. Zum Glück lief bis jetzt alles reibungslos.»

Meier hat sich sogar vorgenommen, jede Nacht für ein paar Stunden Schlaf nach Hause zu gehen, zu seiner Frau und den drei Kindern. Bis jetzt hat er das geschafft, wenn auch nur für einige Stunden. Gestern etwa war er um 4 Uhr morgens zu Hause und um halb 7 Uhr wieder auf den Beinen. «Dann kam ein Telefon, es komme um halb 8 ein Staatspräsident. Ich konnte gerade noch die Kinder umarmen und dann schleunigst zurück ins Hotel.»

Etliche Staatsempfänge organisiert

In seiner langen Karriere in Luxushotels in aller Welt hat Meier zwar schon etliche Staatsempfänge organisiert. Auch Nato-, EU- und Südamerika-Gipfel waren darunter. Das WEF ist für ihn trotzdem etwas ganz Besonderes: «Speziell am WEF ist die Konzentration prominenter Gäste. Jeder, der hier ist, würde andernorts als VIP-Gast hervorstechen. Hier ist er einer unter vielen.» Und auch die Atmosphäre sei eine andere: offener, lockerer als gewohnt. «Normalerweise, wenn Prominenz ins Hotel kommt, gibt es keinen Smalltalk, aber am WEF schon.»

Meier ist in grosse Fussstapfen getreten. Sein Vorgänger Ernst Wyrsch hatte das Belvédère zum Herz des WEF gemacht. «Aschi», wie ihn alle nennen, zelebrierte die Nähe zu Weltstars wie Bill Clinton, Angelina Jolie oder Claudia Schiffer geradezu, gab den Medienleuten auch gerne einen Tipp, wenn ein Promi die Hotelhallen betrat. Meier ist zurückhaltender. «Bei mir gibt es Diskretion. Das habe ich so gelernt, und das ist mir wichtig.» Meier weigert sich überdies, sich zum Zentrum des Geschehens zu machen: «Der Star ist das Hotel, nicht ich. Und ein Dankeschön ist mir mehr wert als eine Foto mit einem Prominenten.» Als Distanzierung von Wyrsch möchte er das aber nicht verstanden haben. «Er hat Grossartiges geleistet, und ich möchte das Hotel so weiterführen, wie es in seinem Sinn war. Ich sehe da keinen grossen Unterschied.» Ganz auf Wyrschs Flughöhe ist Meier allerdings noch nicht. Viele hochrangige Politiker und Manager sind ihm kein Begriff, nicht einmal Lufthansa-Chef Christoph Franz oder Swiss-Chef Harry Hohmeister. «Ich kenne die Leute nicht, auch vom Gesicht her nicht», sagt Meier. «Ich war zu lange weg von der Schweiz und von Europa.»

Riesiges Hotel stand leer wegen George W. Bush

Tatsächlich: Zwischen 1994 und 2011 war Meier rund um den Globus tätig, in Spitzenhotels in Saudi-Arabien, Ecuador, Thailand, Russland, Litauen, Lettland, Belgien, Ägypten und der Ukraine. Seit 1997 führte er Fünfsternhäuser der Hotelkette Radisson, in denen er unzähligen Staatspräsidenten und Regierungschefs begegnete. Einer der prominentesten, George W. Bush, sagte jedoch seinen Besuch 24 Stunden vor seiner Ankunft ab. Darüber wundert sich Meier, der damals Direktor in Kiew war, noch heute. «Das riesige Hotel stand dann einfach leer.»

Wenn das WEF vorbei ist, wird sich das Belvédère wieder in ein normales Hotel verwandeln. Dann hat Meier Zeit für anderes, etwa das traditionelle «az»-Leserwandern, das immer in der Nebensaison stattfindet. Und bereits schaut er vorwärts, aufs nächste Jahr: «Nach dem WEF ist vor dem WEF», sagt er. Für 2013 hat er vor allem eine Hoffnung: weniger Schnee. «Es war dieses Jahr schwierig, all den Schnee rechtzeitig wegzuräumen.»

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