Bahnverkehr

Bei Bahnprojekt, das Tessiner näher an Mailänder Flughafen bringt, geht nichts

Die Bauarbeiten auf italienischer Seite ruhen.

Die Bauarbeiten auf italienischer Seite ruhen.

Im Dezember 2014 soll die neue Bahnlinie Mendrisio-Stabio-Varese (FMV) in Betrieb gehen, der das Tessin schneller zum Mailänder Flughafen bringt. Soll – auf italienischer Seite sind die Bauarbeiten eingestellt.

Man habe mit den Italienern sogar eine Wette abgeschlossen, wermit dne Bauarbeiten eher fertig sei, scherzte der damalige Tessiner Bau- und Umweltdirektor Marco Borradori. Inzwischen ist fertig lustig: Während nämlich die Arbeiten auf Schweizer Seite an der neuen bahnlinie Mendrisio-Stabio-Varese auf Schweizer Seite planmässig verlaufen, herrscht auf italienischer Seite Stillstand. Das federführende Bauunternehmen Ing. Claudio Salini Grandi Lavori Spa (ICS) hat die Arbeiten eingestellt. Auf Ende Monat wird sich die ICS von der Baustelle ganz zurückziehen, wie ihr Personalchef Sebastiano Rao am Radio RSI erklärte. Das Unternehmen habe dem zuständigen Ministerium in Rom bereits mitgeteilt, aus dem Auftrag aussteigen zu wollen.

Strengere Vorschriften verursachen Kosten

Weil im Aushub natürliches Arsen gefunden wurde, muss dies nach strengeren Vorschriften deponiert werden. Die wiederum verursacht Mehrkosten, die das Unternehmen nicht allein tragen kann oder will. Ausserdem fehlen Deponien. «Wir haben keine Möglichkeit, das Aushubmaterial zu deponieren», sagt Rao. Bern müsse jetzt ein kräftiges Zeichen setzen, fordert CVP-Nationalrat Marco Romano. Bis Ende Woche will er mit Bundesrätin Doris Leuthard das Problem erörtern. Besonders stossend findet Romano, dass die Schweizer Seite über den Baustopp in Italien nicht offiziell informiert worden ist. Offiziell wisse man von nichts, hält SBB-Sprecherin Roberta Trevisan gegenüber dem «Tages-Anzeiger» fest.

Tagung angesetzt

Morgen tagt in Como das Koordinationskomitee FMV, in dem neben der RFI auch die SBB, die Region Lombardei, der Kanton Tessin, das Bundesamt für Verkehr (BAV) und das italienische Verkehrsministerium vertreten sind. Von der 17,7 km langen Gesamtstrecke der Bahnverbindung Mendrisio-Varese verlaufen 6,6 km in der Schweiz.

Schlüsselprojekt für die SBB

Die grenzüberschreitende Linie ist für die SBB und den Kanton Tessin ein Schlüsselprojekt. Zum einen wird die FMV eine direkte Verbindung von Mendrisio und Lugano an den Interkontinental-Flughafen Mailand-Malpensa herstellen. Zudem ermöglicht die neue Querspange in Gallarate (I) einen Anschluss von Lugano an die Linie Mailand-Genf via Simplon.

Die Fahrzeit zwischen Lugano und Lausanne wird sich um über eine Stunde verringern. Schliesslich soll die neue Bahnlinie Grenzgänger aus dem Raum Varese, die ins Tessin pendeln, dank eines 30-Minuten-Takts zum Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr bewegen. Die Italiener legten ihrerseits Wert darauf, dass dieses Projekt rechtzeitig vor der Weltausstellung Expo 2015 in Mailand fertiggestellt ist. (msk)

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