Satellitenabsturz
Behörden wollen keine Panik beim Absturz des Satelliten UARS

Neuesten Schätzungen zufolge sollte der Satellit UARS, der in der Nacht auf Samstag (Schweizer Zeit) auf die Erde fallen soll, Nordamerika nicht treffen. Wahrscheinlich wird er über dem Pazifik abstürzen.

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Etwas wirklich Neues konnte die nationale Alarmzentrale (NAZ), die zuständig ist für Satellitenabstürze, heute Mittag nicht berichten. Man nehme die Situation ernst, sagt Flurin Simeon, Pressesprecher der NAZ. Schätzungen des Aerospace Corporation in Kalifornien zufolge soll der 20 Jahre alte Satellit über dem Pazifik abstürzen. Der UARS ist der grösste Satellit seit über 30 Jahren, der auf die Erde fällt.

Die Schweiz hat kein Notfallszenario

Die NASA verkündete, sie könne erst 20 Minuten vor dem Aufpralle auf der Erde diesen vage eruieren. Das wirkt nicht sehr vertrauenserweckend. Zudem stellt sich die Frage, weshalb man schon zum Vorneherein Schäden an Menschen schon so gut wie ausschliessen kann, obschon man offensichtlich so wenig Präzise Informationen über UARS hat.

Klar ist: Diese Zeit dürfte wohl für kein Notfallszenario reichen - sofern man denn überhaupt eines hat, was bei der Schweiz nicht der Fall ist. Die Berechnungen von Weg und Zeit seien deshalb so schwierig, weil sich die Parameter immer wieder veränderten, erklärt Simeon. So verändert sich einerseits die Umlaufbahn ständig, die wiederum den Faktor Zeit beeinflusst, weshalb nur sehr ungenaue Aussagen gemacht werde können.

In weniger als einer Minute über die Schweiz

Weicht beim Eintritt in die Atmosphäre beispielsweise der Winkel des Satelliten nur eine Winzigkeit von den Berechnungen ab, ändert sich der Aufschlagpunkt aufgrund der grossen noch verbleibenden Fallhöhe enorm. Apropos Zeit: Simeon geht davon aus, dass UARS weniger als eine Minute haben wird, um über die Schweiz zu fliegen - was einer Geschwindigkeit von mindestens 700 Kilometern pro Stunde entspricht.

Gemäss NASA ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch durch den Absturz UARS' zu Schaden kommt, bei 0,03 Prozent. Diese Zahl bezieht sich auf die Weltbevölkerung von 7 Milliarden Menschen. Auf die 7 Millionen Menschen, die in der Schweiz leben heruntergerechnet, sind es nochmals bedeutend weniger. Diese niedrige Zahl rührt auch daher, dass lediglich 10 Prozent der Erde von Menschen besiedelt sind.

532 Kilogramm in 26 Teilen kommen auf die Erde

Berechnungen und Simulationen der NASA sagen voraus, dass von dem rund 5,6 Tonnen schweren und aus zahlreichen Einzelteilen zusammengebauten Satellit bloss 26 Einzelteile und 532 Kilogramm in einem Streuungsradius von 700 km die Erde erreichen werden. Die Fläche entspricht etwa dem Vierfachen der Schweiz (siehe Video). Die restlichen Teile werden beim Eintritt in die Atmosphäre verglühen.

Kein Notfallszenario für die Schweiz

Ein Szenario für den Fall eines Absturzes hat die NAZ nicht. «Das wäre unverhältnismässig», so Flurin Simeon, Pressesprecher der NAZ. So sei beispielsweise die Chance, von einem Blitz getroffen zu werden, ungleich grösser. Doch würden sich bei einem Gewitter die Leute ja auch nicht in ihre Bunker verkriechen und warten, bis das Gewitter vorübergezogen ist. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Weltraumschrott; jeder Ratschlag zu einer besonderen Verhaltensweise wäre «unverhältnismässig».

Das NAZ rät lediglich, allfällige Trümmerteile nicht zu berühren und sogleich die Polizei zu informieren. Dies, obschon laut NASA keinerlei Gefahr von den Trümmerteilen ausgehen soll: Weder Radioaktivität noch Ähnliches. Auch soll der Satellit kaum mehr Treibstoff bei sich haben - da der leere Tank die Ursache für den Absturz ist. Nachdem UARS im Jahre 2005 seine Mission erfüllt hatte, gondelte er noch im Orbit umher, bis ihm der Treibstoff ausging, woraufhin er nun abstürzt.

Jährlich stürzt ein Satellit auf die Erde

Laut NASA stürzt im Schnitt einmal pro Jahr ein Flugobjekt von der Grösse des «UARS» auf die Erde. Bekannt ist bis jetzt lediglich ein grösserer Zwischenfall: 1991 stürzten Reste der Raumstation Saljut 7 auf eine Stadt in Argentinien. Menschen kam damals keine zu schaden.

«Wir bemühen uns, offen zu kommunizieren und unsere Informationen weiterzugeben», so Simeon. Dazu gehöre eben auch, dazu zu stehen, was man nicht wisse. «Unsere vordringlichste Aufgabe ist es, das Volk zu schützen und zu informieren», so Simeon. Letzteres ist ihnen sicherlich gelungen, doch ersteres wird wohl eine Illusion bleiben.

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