Begrüssungsrituale
Der Händedruck kehrt zurück – das Küsschen hoffentlich nicht

Am Swiss Economic Forum war es unverkennbar: Der Händedruck feiert ein Comeback, die Elite aus Wirtschaft und Politik praktizierte ihn fast demonstrativ. Doch was ist mit den Begrüssungsküsschen?

Patrik Müller
Patrik Müller
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Ist wieder angesagt: Der gute alte Händedruck.

Ist wieder angesagt: Der gute alte Händedruck.

Symboldbild

Das Swiss Economic Forum, das jährliche Stelldichein der Wirtschafts- und Politelite, versteht es, Themen und Trends zu setzen. Meistens auf der Bühne. Viel Beachtung fand diese Woche ein Appell von Bundesrätin Karin Keller-Sutter an die Wirtschaftsführer. Sie müssten sich wieder aktiver in die Politik einbringen, sagte sie. Für Schlagzeilen sorgte auch der Auftritt der kosovarischen Präsidentin Vjosa Osmani-Sadriu, die ihre Landsleute aufrief, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Diesmal wurde aber auch abseits der Bühne ein Trend lanciert. Bei den Apéros und «Networking-Pausen», wie die Unterbrüche in Interlaken heissen, war es nicht zu übersehen: Der Händedruck ist zurück. Anfänglich noch scheu und zurückhaltend eingesetzt, trat er bei vielen der 1300 Gäste im Verlauf des Anlasses einen regelrechten Siegeszug an. Je später der Abend, umso reflexartiger wurde eingeschlagen. Branchen-, geschlechter- und generationenübergreifend. Es schien, als wollten die Entscheidungsträger dieses Ritual nach der Coronazwangspause rehabilitieren.

Nur, Corona ist ja noch gar nicht vorbei. Darum haftete dem tausendfachen Händedrücken auch etwas Demonstratives an. Als wollten die versammelten Führungskräfte dem Virus den Tarif durchgeben: Schluss jetzt, fertig! Wir sind geimpft, wir beschliessen hiermit die Rückkehr zur Normalität! Am zweiten Tag des Forums stellte sich heraus, dass immerhin 11 Prozent der Teilnehmenden nicht geimpft, sondern nur getestet waren, doch das tat der Entschlossenheit keinen Abbruch.

Anders verhält es sich mit den Begrüssungsküsschen. Man konnte in Interlaken welche beobachten, aber zum Glück nur vereinzelt. Von einem Comeback auf breiter Front kann keine Rede sein. Das lässt die Hoffnung keimen, dass den Küsschen die Rehabilitierung verwehrt bleibt, über die Pandemie hinaus.

Die inflationäre Küsserei war längst zum Ärgernis geworden und hatte, gerade an gesellschaftlichen Anlässen, oft etwas Übergriffiges. Verschwitzte Männer mit einem Glas Wein in der Hand, die Bussi-Bussi mit den meist wenigen Frauen an solchen Veranstaltungen machen: Auf dieses Ritual können wir in der Post-Corona-Ära getrost verzichten.

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