Rüti
Begräbniskosten sind begraben

Der Gemeinderat von Rüti erlitt eine deutliche Abfuhr. Die grosse Mehrheit der versammelten Stimmberechtigten wollte nach emotional geführter Diskussion nicht, dass die Gemeinde künftig für Verstorbene aus dem Dorf Gebühren für deren Bestattung erhebt.

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Friedhof

Friedhof

Grenchner Tagblatt

Jürg Amsler

«Wenn die Gemeinde nicht mehr für die Begräbniskosten von verstorbenen Einheimischen aufkommen kann, dann müssen wir aufhören.» Mit seinem Votum machte der Teilnehmer an der Gemeindeversammlung deutlich, dass er gegen den vom Gemeinderat vorgelegten Gebührentarif für Bestattungskosten ist. Er war nicht der Einzige. In der emotional geführten Diskussion hatte die zuständige Gemeinderätin Annabella Iannone Mühe, die Gegnerschaft der Vorlage mit plausiblen Argumenten zu überzeugen: «Wir haben die Finanzlage der Gemeinde genau analysiert. Die Gebühren, die wir erheben wollen, sollen lediglich die Kosten für die Dienstleistung der Gemeinde decken.»

Zu starke Opposition

Verstorbene aus Rüti würden seit über 100 Jahren auf dem Friedhof beigesetzt, ohne dass dafür etwas bezahlt werden müsse. «An diesem Brauch soll nicht gerüttelt werden.» Dieser Votant appellierte ebenfalls für Ablehnung des Geschäftes. Ein anderer Versammlungsteilnehmer sprach von versteckten Steuern. «Dabei hat Rüti sowieso schon die höchste Steueranlage im Amt Büren.» Es nützte nichts, dass die Vorsteherin Bauwesen und Gemeindebetriebe die Versammlung wissen liess, dass solche Gebühren in anderen Gemeinden gang und gäbe seien. «Ich habe mich in Arch erkundigt. Dort werden keine Begräbniskosten für Verstorbene aus dem Dorf erhoben», konterte ihr ein Mitbürger.

Nachdem Gemeindepräsident Andreas Philipp Ordnung in das Wirrwarr der Anträge gebracht hatte, kams zur Abstimmung. Und die fiel klar aus. Mit 29 gegen 7 Stimmen wurden Gebührentarif und -verordnung zum Friedhofreglement wuchtig abgelehnt. Zugestimmt hat die Versammlung hingegen dem neuen Friedhofreglement. Dieses sieht unter anderem eine Liberalisierung der Masse und der Materialien für Grabmäler vor.

Ja zu Sanierung, Vertrag, Rechnung

Nur wenig oder überhaupt keinen Diskussionsstoff lieferten die übrigen Traktanden der Gemeindeversammlung. Mit grossem Mehr wurde dem Kredit von 65 000 Franken für die dringend notwendige Sanierung der Aufbahrungs- und Abdankungshalle (wir berichteten) zugestimmt. Unbestritten war der Vertrag mit der Sitzgemeinde Büren zur Umsetzung der Integration und besonderen Massnahmen im Schulkreis Büren.

Erfreuliches konnte der Gemeindepräsident über den Rechnungsabschluss 2008 berichten: «Nach Jahren mit roten Zahlen resultierte im letzten Jahr ein Ertragsüberschuss von knapp 300 000 Franken. Dieser wird dem Eigenkapital zugeführt, das dadurch auf 506 854 Franken angewachsen ist.» Finanzverwalter gab die Erklärung für den unerwarteten Geldsegen: «Neben höheren Steuererträgen bei den natürlichen und juristischen Personen flossen 80 000 Franken aus einer hängigen Steuerteilung in die Kasse. Dies ist ein einmaliger Betrag und war bei der Budgetierung nicht bekannt.»

Das Traktandum für die Sanierung der Duschanlage in der Schulliegenschaft wurde vom Gemeinderat zurückgezogen. Andreas Philipp begründete: «Es zeichnet sich eine optimalere Lösung ab, die noch überarbeitet werden muss. Wir werden das Geschäft an der nächsten Gemeindeversammlung, voraussichtlich im September, vorlegen.»