Stimmrecht
Begeisterung hier, wenig Verständnis dort

Sollen im Kanton Bern Jugendliche bereits ab 16 Jahren abstimmen und wählen dürfen? Die Vorlage vom 29. November ist umstritten: Junge sind eher skeptisch, wie eine Kurzumfrage in Zollikofen zeigt.

Merken
Drucken
Teilen

Bruno Utz

Diese Woche tagt in Zollikofen das seit 2003 existierende Virtuelle Jugendparlament (VIJUPA). Gestern lud die Gemeinde der landesweit immer noch einzigen virtuellen Jugendbeteiligungsinstitution Promis und Medien zu einem Informationsanlass ein. Diese Zeitung nutzte die Präsenz von Promis zu einer Umfrage, was sie vom Stimmrechtsalter 16 halten. Gemeindepräsident Stefan Funk (FDP) «steht dem Anliegen absolut positiv gegenüber». Er hoffe, dass die Jungen mit dem Erhalt des aktiven Stimm- und Wahlrechts früher und stärker für politische Anliegen motiviert werden. «Wir sollten die Jungen so früh als möglich abholen. Zudem ist es für politische Entscheide irrelevant, ob jemand 16 oder 18 ist.»

Stimmbeteiligung bleibt gleich

Auch Leo Salis, Präsident der Arbeitsgruppe VIJUPA, steht dem tieferen Stimmrechtsalter positiv gegenüber: «Ich fände das eine tolle Sache.» Die Stimmbeteiligung würde bei den Jungen nicht anders ausfallen, als bei anderen Bevölkerungsgruppen, zweifelt Salis am von Gegnern häufig vorgetragenen Argument, das tiefere Stimmrechtsalter würde der ohnehin schon schlechten Stimmbeteiligung Vorschub leisten. «Ich bin voll und ganz dafür», sagt André Daguet. Der SP-Nationalrat nahm an einer Diskussionsrunde zur Lehrstellensuche und Jugendarbeitslosigkeit teil (vergleiche Hauptartikel). Könnten sich die Jungen bereits mit 16 Jahren am politischen Geschehen beteiligen, so würde das deren Interesse an der Politik und den gesellschaftlichen Abläufen steigern. Eigeninteresse, weil es zu einer Kräfteverschiebung nach Links käme, verneint Daguet: «Die Jungen haben unterschiedliche Sympathien.»

Junge haben andere Interessen

«Und 16- und 17-Jährige haben ganz andere Interessen als die Politik», ergänzt Hans Grunder seinen Nationalratskollegen Daguet. Anlässe wie die heutige Diskussionsrunde seien sinnvoller als gleich das Stimmrechtsalter zu senken, sagt der BDPler. Skeptisch äussert sich Franz Kaufmann (74): Der ehrenamtliche Geschäftsführer der Aktion Lehrstellen und Praktikumsplätze Grauholz (ALP) sagt, «die Jungen interessieren sich in diesem Alter vor allem dafür, dass ihr Berufseinstieg funktioniert». Ob er ein Nein in die Urne legen wird, wisse er jedoch noch nicht.

Wenn sie könnte, so würde sie das Stimmrechtsalter 16 ablehnen, sagt Corinne Muff (15). Zwischen der Pubertät und der Volljährigkeit entwickle man sich stark, so die Schülerin. Muff: «Mit 18 Jahren denkt man anders als mit 16.» Wenig Begeisterung zeigt Mirco Hagmann. Der 17-Jährige Schüler würde zwar selber an den Abstimmungen teilnehmen, zweifelt aber an der politischen Reife zahlreicher 16- und 17-Jährigen. «Und viele davon würden sich an Abstimmungen beteiligen, obwohl sie kaum Interesse an der Politik haben.»