Begegnung der eher unheimlichen Art?

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An der Islamtagung der Aargauer SVP wurde deutlich: Es geht bei der Minarett-Initiative um mehr als ein Verbot von Türmen als angebliche Machtsymbole. Die Muslime werden mit oder ohne Minarett auf ihren Moscheen als Bedrohung wahrgenommen.

Von Urs Moser

«Aus allen möglichen Quellen klaubt sich Ulfkotte ein völlig einseitiges, verzerrtes Verschwörungsgebäude zusammen, in dem wenig Wahrheit mit viel Islamophobie verrührt wird.» Das waren selbstredend nicht die Eröffnungsworte zur Islamtagung der Aargauer SVP von Fraktionspräsident Andreas Glarner. Es ist die Klage des Thübinger Universitätsdozenten Michael Blume, auf den sich der nach Aarau geladene Referent Udo Ulfkotte in seinem Buch «Heiliger Krieg in Europa - wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern» bezogen hatte.

Im Aarauer Grossratssaal hatte der als Nahost- und Geheimdienstexperte bekannte Udo Ulfkotte gestern solche Kritik nicht zu befürchten. Die rund 100 Zuhörer applaudierten ihm selbst für den wenig schmeichelhaften Aus-ruf für seinen Ausruf «Habt ihr keinen Arsch in der Hose?».

Es war dies die Antwort auf die Frage von Nationalrätin Sylvia Flückiger, ob die Schweiz bei einer Annahme der Initiative für das Minarett-Verbot mit wirtschaftlichen Benachteiligungen aus islamischen Ländern zu rechnen habe.

Löchrig wie Käse sei das Wertesystem in der Schweiz und anderswo in Europa geworden, konstatierte Ulfkotte. Er meint damit, dass man sich in Europa einreden lasse, man sei diskriminierend oder sogar rassistisch, wenn man sich einer fortschreitenden Islamisierung des Abendlandes entgegenstellt.

Die Schweizer Minarett-Initiative ist ihm da ein löbliches Gegenbeispiel. Nichts anderes als ein Siegespfeiler des Islam in einem eroberten Gebiet sei nämlich ein Minarett. In der Diskussion um Religionsfreiheit und das Nebeneinander von Christentum und Islam macht der Autor von Büchern mit Titeln wie «Propheten des Terrors - das geheime Netzwerk der Islamisten» ein grosses Missverständnis aus: Der Islam sei nicht einfach eine gleichberechtigte Weltreligion neben andern, sondern vor allem ein Weltbild, eine Ideologie. Und demzufolge letztlich jeder Muslim nicht einfach ein frommer Mensch, sondern darauf bedacht, seine Ideologie durchzusetzen und zu verbreiten. Ulfkotte nennt als Beleg für die weit fortgeschrittene Islamisierung ein Beispiel aus Dänemark. Dort sei es in Arhus, der zweitgrössten Stadt des Landes, schon so weit, dass die Bürger Schutzgeld bezahlen würden, damit sie auf dem Weg zur Kirche nicht von Muslimen überfallen und ihre Autos während des Gottesdienstes nicht demoliert würden.

Der Verband Aargauer Muslime lud gestern zum Tag der offenen Moschee. Bei Kaffee, Tee und Kuchen wollte man in neun Moscheen des Kantons mit den christlichen Mitbürgern über das Leben und den Glauben der Muslime diskutieren. Von den Besuchern der SVP-Islamtagung am Vormittag - das Zusammentreffen der Termine war rein zufällig - dürften die wenigsten noch Interesse gehabt haben, am Nachmittag eine Moschee von innen zu sehen. «Christentum und Islam sind schlicht nicht kompatibel», hatte ihnen schliesslich der reformierte Pfarrer Hansjürg Stückelberger erklärt.

Als die Aargauer SVP-Frauen einen Informationsabend zum Thema Islam und Minarett-Initiative veranstaltet hatten, war die deutsche Islamwissenschafterin Gabriele Berrer-Wallbrecht als Expertin geladen. Sie hatte einem - bis klar war, dass auch sie die Schweizer zur Minarett-Initiative beglückwünscht - zunächst leicht irritierten Publikum den Islam als solchen als «Religion des Friedens» geschildert und scharf zwischen gläubigen Muslimen und den politisch irregeleiteten Islamisten getrennt.

Von einer solchen Unterscheidung war gestern an der Islamtagung der Kantonalpartei keine Rede. Die Bibel stelle eine Quelle der Freiheit, der Islam eine Kultur der Unterwerfung dar, dozierte Pfarrer Stückelberger, der sich selbst einen «Exoten» in der Kirche nennt.

Seine Botschaft: «Alle Muslime haben den Auftrag, die ganze Welt Allah zu unterwerfen. Wir in Europa sind das Haus des Krieges, das erobert werden muss.» Und demzufolge von den Europäern vor den Muslimen zu verteidigen ist, auch wenn das der Referent nicht exakt mit diesen Worten sagt. Er sagt: Auch die Migration sei eine Form des islamischen Eroberungsfeldzugs, und «wir müssen die Einwanderung von Personen mit einem antidemokratischen Selbstverständnis verhindern».

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