Prävention

Beda Stadler kritisiert Aids-Kampagne: «Da will ich doch einfach Sex»

Immunologe Stadler: Sex-Kampagne ist kontraproduktiv.

Immunologe Stadler: Sex-Kampagne ist kontraproduktiv.

Der Immunologe Beda Stadler kritisiert die neue Aids-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit scharf. Von der Wirkung her sei das Pornografie. Die Kampagne schiesse am Ziel vorbei.

«Die Fotos hinterlassen mich komplett ratlos. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass die Message ‹Safer Sex› durch diese Kampagne besser rüberkommt», sagt Beda Stadler der „Schweiz am Sonntag".

Die Bilder sind für Stadler zwar auf den ersten Blick ansprechend. «Da schaue ich gerne hin. Doch von der Wirkung her ist das Pornografie: Wenn ich diese Fotos anschaue, will ich doch einfach Sex.»

(Quelle: youtub/LOVE LIFE)

Der neuste Aids-Werbespot

Er glaubt deshalb nicht, dass durch diese Kampagne auch nur eine Person mehr ein Kondom benutzen wird. Hier wolle lediglich ein Amt seinen verstaubten Ruf loswerden und eine möglichst provokante Kampagne lancieren.

«Gute Provokation aber regt zum Nachdenken über die Botschaft hinter den Bildern an. Das passiert hier nicht. Insofern hat die Kampagne ihr Ziel verfehlt», sagt Stadler.

Auch für Hermann Strittmatter, Chef der Werbeagentur GGK Zürich, ist die Wirkung der Kampagne nicht gegeben. «Die optisch sehr erotisierenden Bilder fordern die Bevölkerung zu mehr Geschlechtsverkehr auf, statt sie für den Gebrauch von Kondomen zu sensibilisieren.»

Ein Blick auf die Zahlen scheint diese Einschätzungen zu bestätigen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Ansteckungen in Europa pro 100 000 Einwohner für den Zeitraum 2006 bis 2012 ausgewertet.

Das Ergebnis: In all diesen Jahren lag die Rate der Schweiz dabei deutlich über dem Durchschnitt der EU-Länder. 2012 etwa wurden in der Schweiz 8,1 Fälle mit HIV-Ansteckungen aufgeführt, in der EU waren es hingegen nur 5,8 Fälle.

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