PISA-Studie

Beat Zemp: «Es ist nicht einfach, Ressourcen für die Bildung freizumachen»

Beat Zemp ist Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer.

Beat Zemp ist Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer.

Trotz dem guten Abschneiden bei der PISA-Studie 2012 sieht Beat Zemp, Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, Verbesserungspotenzial. Mädchen hätten oft Angst vor Matheunterricht.

Herr Zemp, in der Pisa-Studie hat sich die Schweiz auf hohem Niveau noch steigern können. Hat man alles richtig gemacht?

Beat Zemp: Die Ergebnisse sind das Resultat einer konsequenten Förderung von leistungsschwachen, aber auch leistungsstarken Schülern. Zudem machen sich Migrationsveränderungen bemerkbar: Ein Kind aus einer deutschen Akademikerfamilie bringt gerade in Sprachfächern natürlich bessere Voraussetzungen mit. Aber es gibt durchaus noch Verbesserungspotenzial.

Wo zum Beispiel?

Die Resultate zeigen, dass gerade Mädchen häufiger Angst vor dem Matheunterricht haben als Knaben. Und in Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung vergeben wir Pisa-Punkte, weil diese Gebiete im Lehrplan nicht stark gewichtet sind.

Soll man also den Lehrplan anpassen, um noch besser abzuschneiden?

Auf keinen Fall. Die Studien sind zu begrüssen, aber sie decken nur einen Teil ab. Musische Fächer werden bei Pisa zum Beispiel nicht geprüft, sie sind aber ebenso wichtig für die Bildung unserer Kinder.

Weshalb hinkt die Schweiz gerade asiatischen Schulen hinterher?

Wenn man nur Topschulen in ausgewählten Gebieten nimmt, wird das Ergebnis natürlich verfälscht. Die unglaubliche Disziplin der Schüler und der Respekt vor den Lehrern tragen sicher auch einen Teil bei.

Was sollen Mütter und Väter unternehmen, damit ihre Kinder gute Schulleistungen erbringen?

Manchmal sind es scheinbar banale Dinge. Eltern, die regelmässig aus Büchern vorlesen, fördern etwa ganz klar die Sprachkompetenzen ihrer Kinder.

Derzeit laufen in verschiedenen Kantonen Spardebatten. Haben Sie Angst um die Volksschule?

In einer älter werdenden Gesellschaft gewinnen Themen wie Sicherheit und Gesundheit an Gewicht, schliesslich hat ja nur noch eine Minderheit Kinder im Schulalter. Da ist es nicht einfach, Ressourcen für die Bildung freizumachen. Aber wir kämpfen dafür.

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