Wahlkampf
BDP-Präsident Landolt: «Wir waren zu satt – nun braucht es Knochenarbeit»

Die BDP hat den Start ins Wahljahr 2015 gründlich vermasselt: Bei den Wahlen im Baselbiet war sie die grosse Verliererin. Präsident Martin Landolt kritisiert die Kantonalsektionen seiner Partei scharf: Man habe sich zu lange auf dem Erfolg ausgeruht.

Dennis Bühler
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Skeptischer Blick: Für BDP-Präsident Martin Landolt steht im Wahljahr 2015 die Zukunft seiner Partei auf dem Spiel.

Skeptischer Blick: Für BDP-Präsident Martin Landolt steht im Wahljahr 2015 die Zukunft seiner Partei auf dem Spiel.

Keystone

Bei den Wahlen im Kanton Baselland – dem ersten Gradmesser im Jahr der nationalen Parlamentswahlen – war die BDP am Sonntag die grosse Verliererin. Wie überrascht sind Sie?

Martin Landolt: Offen gestanden, sehr überrascht. Ich hatte den Eindruck, dass sich die BDP im Baselbiet als moderne Mittepartei positioniert und bemerkbar gemacht hatte. Doch offenbar gelang es uns weit schlechter als anderen Parteien, zu mobilisieren. Die FDP und die SVP, die beide zulegen konnten, profitierten von den gleichzeitig stattfindenden Regierungsratswahlen. Ihre Exekutivkandidaten dienten als Wahllokomotiven. Wir müssen aufpassen, dass uns bei den Wahlen im Kanton Zürich im April nicht dasselbe widerfährt.

Baselbiet: Rechtsrutsch im «Trendkanton»

Die Baselbieter Wahlen seien mehr als bloss die ersten Wahlen im Wahljahr 2015, sagte Politberater Mark Balsiger vorige Woche der «Basellandschaftlichen Zeitung». Der Kanton sei ein Abbild der politischen Schweiz, der «Trendkanton schlechthin». Hat er recht, hat die BDP ein Problem: Im Landrat hat die 2008 gegründete Partei drei ihrer vier Sitze eingebüsst. Auch der Versuch, mit einem eigenen, aber chancenlosen Regierungsratskandidaten für Auftrieb im Wahlkampf für das Kantonsparlament zu erlangen, brachte nichts. Ein Fiasko erlebte am Sonntag auch die SP: Nach 90 Jahren ununterbrochener Regierungszugehörigkeit schied sie aus der fünfköpfigen Exekutive aus. Auch im Landrat, in dem die SP ihre Sitze verteidigen konnte, wurde das linksgrüne Lager geschwächt. Die SVP legte dafür um vier, die FDP um drei Sitze zu. CVP, GLP und EVP verteidigten ihre Sitze. (DBÜ)

Die BDP befindet sich seit längerem im Tiefflug. «Vielleicht haben wir bisher ein bisschen über unseren Verhältnissen gelebt», sagte der Berner Nationalrat und BDP-Vizepräsident Lorenz Hess am Montag folgerichtig. Teilen Sie diese Meinung?

Nicht unbedingt. Aber bei einigen unserer Kantonalparteien herrschte in den letzten Jahren die Meinung vor, man könne sich auf den 2011 errungenen Mandaten ausruhen. Einige kantonale BDP-Vertreter glaubten, wir seien bereits eine etablierte Kraft. Doch das ist falsch und gefährlich.

Die Parteibasis hat einem möglichen Erfolgsrezept aus Ihrer Küche – die Bildung einer Union mit der CVP – im Herbst eine Absage erteilt.

Dies war ein sehr selbstbewusster Entscheid. Die Kantonalparteien haben sich mit ihm auch selbst in die Pflicht genommen: Nun braucht es Knochenarbeit, Knochenarbeit, Knochenarbeit.

Die Schlappe im Kanton Baselland könnte als willkommener Weckruf dienen.

Ich hoffe es. Allerdings hätte man auch schon nach der Niederlage im Kanton Bern im vergangenen Frühling aufwachen können. Fakt ist: Wir waren teilweise zu satt, wir waren zu zufrieden. Wir können uns nicht ewig auf den Schwung, den wir 2011 als neue Kraft automatisch hatten, sowie die Zugkraft unserer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf verlassen.

Die SVP, der Sie damals noch selbst angehörten, war bei den Wahlen im Herbst 2007 mit dem Slogan «SVP wählen! – Blocher stärken!» erfolgreich. Übernehmen Sie dieses Motto nun, um den Verbleib Widmer-Schlumpfs in der Landesregierung zu retten?

Sicher nicht. Wir werden zwar nicht verschweigen, dass mit der BDP auch unsere Bundesrätin gestärkt wird. Aber wir wollen im anstehenden Wahlkampf auch den Beweis erbringen, dass unsere Partei mehr zu bieten hat als eine Bundesrätin.

Als wie gross erachten Sie denn die Gefahr, dass Eveline Widmer-Schlumpf von sich aus auf eine erneute Bundesratskandidatur verzichtet, falls die BDP am 18. Oktober Wähleranteile und Sitze verlieren sollte?

Es ist legitim und verständlich, dass Eveline Widmer-Schlumpf die Wahlen abwartet, bevor sie definitiv über ihre Kandidatur entscheidet. Ich würde an ihrer Stelle gleich verfahren. Es gibt indes keinerlei Anzeichen, dass Widmer-Schlumpf genug von ihrer Arbeit haben könnte. Sie weiss um die Bedeutung, die sie für die Schweiz bei zentralen Themen wie etwa dem Verhältnis zu Europa oder der Energiewende spielt.

Zum 5-Jahr-Jubiläum der BDP sagten Sie im November 2013, der grösste Erfolg Ihrer Partei sei, dass es sie überhaupt gebe. Werden Sie diesen Satz zum 10-Jahr-Jubiläum wiederholen können?

Ach wissen Sie: Wir BDPler sind seit je die Einzigen, die an uns glauben. Wir sind schon so oft totgeschrieben worden ... Ich bin trotz der jüngsten Rückschläge noch immer sehr zuversichtlich, dass die BDP eine Erfolgsgeschichte und nicht bloss ein Kapitel ist.