Zunächst aber warnte SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti vor den Gefahren des Wahlerfolgs: Dieser sei mit enormen Erwartungen und auch Lasten verbunden. Denn die Leute erwarteten, dass sich jetzt etwas ändere, sagte der Berner Nationalrat am Samstag an der Delegiertenversammlung in Villeneuve VD.

Nun sei Bescheidenheit und Demut vor der Aufgabe und der Verantwortung angesagt. Die Mehrheit im Parlament sei fragil, warnte Rösti, es brauche nun Geschlossenheit mit der FDP. SVP-Präsident Toni Brunner und Bundesrat Ueli Maurer warnten indessen zum wiederholten Mal vor einer Flüchtlingskrise und einem Anstieg der Asylgesuche.

So vorsichtig die SVP ihren Wahlsieg analysierte, so kämpferisch zeigte sich die BDP an der Delegiertenversammlung. «Die BDP ist kein Widmer-Schlumpf-Wahlverein», sagte die abtretende Bundesrätin ebenfalls am Samstag vor den Delegierten in Bern. Sie bezeichnete ihren Rücktritt als Chance für die Partei. «Wir sind gekommen, um zu bleiben», sagte Parteipräsident Martin Landolt. Die BDP wolle in den kommenden vier Jahren dafür sorgen, dass «die bürgerliche Vernunft» zurückkehre. Die Partei werde dabei als Partner auftreten – ihre Eigenständigkeit werde sie nicht aufgeben, sagte der Glarner Nationalrat.

Mögliche Allianzen der Mitte

Trotz dem klaren Votum von Landolt wurden in der Sonntagspresse mögliche Allianzen von Mitteparteien diskutiert. Der Solothurner CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt schlägt in einem Gastbeitrag für die «Schweiz am Sonntag» die Fusion von CVP, BDP und GLP zur neuen Mittepartei «Die Moderaten» vor.

Die Mitte liege nämlich inhaltlich viel näher beieinander als auch schon, schreibt Müller-Altermatt. Die Zukunft der Mitte könne nicht aus Nischenparteien ohne Strahlkraft bestehen.

Die «NZZ am Sonntag» sieht derweil die Möglichkeit einer Allianz zwischen FDP und BDP. Politologe Claude Longchamp beschreibt im Artikel ein Zusammengehen rein inhaltlich für plausibel. Auch verschiedene zitierte Nationalräte zeigen sich offen. FDP-Präsident Philipp Müller winkt aber ebenso wie Landolt ab.

Eine Allianz der Mitteparteien im Hinblick auf die Bundesratswahlen sei gescheitert, bilanziert SP-Präsident Christian Levrat in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Die Mitte habe es vorerst nicht geschafft, eine eigene Front zu bilden und einen eigenen Kandidaten für die Nachfolge von Widmer-Schlumpf aufzustellen.

SVP will sich nicht dreinreden lassen

SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz untermauerte an der Delegiertenversammlung den Anspruch seiner Partei auf einen zweiten Bundesrat. Von Störmanövern der anderen Parteipräsidenten solle sich die SVP nicht aus dem Tritt bringen lassen, sagte Amstutz. Die Findungskommission für mögliche Kandidaten arbeite planmässig und seriös im Hintergrund.

Die «Schweiz am Sonntag» glaubt zu wissen, dass die SVP mit dem frei werdenden Finanzdepartement (EFD) liebäugelt. CVP-Fraktionspräsident Filippo Lombardi erwartet, dass ein bürgerlicher Politiker das Departement übernimmt, wie er in einem Interview mit der gleichen Zeitung sagte.

«Die Vorstellung, dass Ueli Maurer das Finanzdepartement übernimmt, macht mir Angst», sagte SP-Präsident Christian Levrat hingegen. Ob einer der beiden SP-Bundesräte den Wechsel ins EFD anstrebe, sagte er aber nicht. Alain Berset und Simonetta Sommaruga seien derzeit in ihren Departementen mit wichtigen Themen beschäftigt – Berset mit der Reform der Altersvorsorge und Sommaruga mit dem Asylbereich. (sda)