Wahlen
Baukartell-Skandall: Bardill mischt die Karten vor den Wahlen nochmals neu

Nach dem Skandal um das Bündner Baukartell kandidiert Liedermacher Linard Bardill für einen Sitz in der Regierung – und mischt so die Wahlen auf.

Olivier Berger
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Liedermacher Linard Bardill kandidiert für den Regierungsrat.

Liedermacher Linard Bardill kandidiert für den Regierungsrat.

KEYSTONE

Der Bündner Liedermacher Linard Bardill hat am Montag entschieden, nur einen Monat vor den Wahlen ins Rennen um einen Regierungssitz einzusteigen. Die Chancen für einen Kandidaten von ausserhalb des Parteienspektrums stehen derzeit so gut wie nie zuvor. Das sieht auch der Bündner Politologe Clau Dermont so.

«Im Umfeld des Baukartell-Skandals besteht die Möglichkeit, Stimmen bei jenen abzuholen, die der etablierten Politik misstrauen», sagt er. Zwei Bedingungen gebe es aber: «Die Kandidatin oder der Kandidat muss bekannt sein und als integre politische Person gelten.»

Den nötigen Bekanntheitsgrad spricht Dermont dem Kandidaten Bardill nicht ab. «Sein Problem ist, dass er nicht als Politiker wahrgenommen wird, sondern als Künstler.» Dermont beurteilt Bardills Chancen kritisch: «Ich denke nicht, dass er genug Stimmen für eine Wahl holen wird.»

Stimmen von Unentschlossenen

Ob es für Bardill am Ende zur Wahl reichen wird oder nicht, wird sich im Juni zeigen. Rechnen kann er wohl mit vielen Stimmen aus dem Lager jener, die von der traditionellen Partei- politik enttäuscht sind und ursprünglich erst gar nicht wählen gehen wollten.

Dies, zumal der Neo-Kandidat auf seiner Internetseite bereits ein überraschend vielseitiges und konkretes Wahlprogramm vorlegt.

Wo kommen Bardill Stimmen her?

Wo aber könnte Bardill den etablierten Parteien Stimmen abspenstig machen? Bei der Stammwählerschaft der Parteien dürfte es ihm wohl kaum gelingen. Vor allem bei der Linken ist die Parteidisziplin gross. Dennoch kann er mit Stimmen auf beiden Seiten rechnen; zum Beispiel bei jenen Bürgerlichen, die den linken Anspruch auf einen Regierungssitz anerkennen und Bardill statt den SP-Mann Peter Peyer auf ihren Wahlzettel setzen.

Bewegung bringt die Aufdeckung des Baukartell-Skandals auch in eine andere Frage: jene nach der Verteilung der Departemente. Grundsätzlich soll sich die Regierung darüber einigen, wer welchem Departement vorsteht; nur, wenn ihr dies nicht gelingt, wird nach dem Dienstalter verteilt.

Die – je nach Kandidat unterschiedliche – Belastung durch den Baukartell-Skandal könnte dazu führen, dass die Position des jeweiligen Regierungsrats in den Verhandlungen geschwächt ist. Davon könnte unter anderem die SP profitieren, die – die Wahl Peyers vorausgesetzt – das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement gerne loswerden und stattdessen die Finanzen oder die Volkswirtschaft übernehmen würde.