Die Bundesrätin konnte ihre Rede wegen der Aktion der Westschweizer Bauerngewerkschaft Uniterre nicht zu Ende bringen. Die Bauern protestierten wegen der ihrer Ansicht nach ungenügenden Unterstützung der Landwirtschaft durch den Bund.

Doris Leuthard behielt trotz der Buhrufe und Pfiffe ruhig Blut. "Hören Sie auf", bat sie die Protestierenden. "Dies ist eine Olympiade, und es ist schade für jene, die diese Spiele organisiert haben."

Sie bot an, eine Uniterre-Delegation zu treffen. Aber Uniterre lehnte dies ab und forderte, auf der Bühne das Wort zu ergreifen. Man gebe Demonstranten keine Plattform, erklärte die Bundesrätin, nachdem sie das Zelt verlassen hatte, wo der Anlass stattfand.

Mehrere Dutzend jurassische Polizisten bildeten einen Ring um die Bundesrätin, um sie vor den aufgebrachten Bauern zu schützen. Die Aktion von Uniterre kam bei einem Teil des Publikums nicht gut an.

Man könne Probleme nicht lösen, ohne zu diskutieren, erklärte Doris Leuthard. Im Westschweizer Radio RSR erinnerte sie daran, dass sie den Bundesrat vor einer Woche davon überzeugt habe, die Zahlungen an die Landwirtschaft zu erhöhen und 28 Millionen Franken locker zu machen.

Für Uniterre reicht dies aber nicht. Die Bauernfamilien hätten praktisch nichts davon, schrieb die Bauerngewerkschaft in einem Communiqué. Ihr Lösungsvorschlag: Ein Milchpreis von einem Franken pro Liter sowie eine sanfte Regulierung und Stabilisierung des Milchmarktes.

Für Bundesrätin Leuthard schadet die zornige Aktion von Uniterre dem Image der Landwirtschaft. Schliesslich konnte die Bundesrätin in Saignelégier die 6. Käseolympiade doch noch eröffnen. Anschliessend verliess sie den Ort des Geschehens, eskortiert von einer eindrücklichen Garde von Leibwächtern und Polizisten.

Die Organisatoren der Käseolympiade bedauerten, die Bauernaktion schade dem Ruf der Schweiz. Mehrere Dutzend ausländische Journalisten waren zu dem Anlass angereist, um darüber zu berichten.