Landwirt

Bauer Hagenbuch hat Nase voll vom Formularkrieg

«Die Nase voll vom Formularkrieg»

«Die Nase voll vom Formularkrieg»

Statt die Felder zu bestellen, sitzen die Landwirte immer länger im Büro. «Heute zählt das schönste Kreuzchen mehr als das beste Produkt», sagt Bauer Franz Hagenbuch zum neuen Label Swissgap.

Hans Lüthi

«Jetzt geht es um unsere Ehre und den Berufsstolz», betont der verärgerte Profi-Bauer mit einem grossen Hof im Weiler Werd nahe der Reuss bei Rottenschwil gelegen. Effiziente Produktion ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, auf dem Hof herrscht Sauberkeit und Ordnung, der Ökologische Leistungs-Nachweis (ÖLN) sorgt längst dafür, dass alle Belange des Umweltschutzes nicht zu kurz kommen.

Franz Hagenbuch führt dank ausgezeichneter Organisation mit anderthalb Stellen einen vielfältigen Musterbetrieb. «Dazu gehören 160 Kälber und Munimast, Ackerbau – Mais, Weizen, Gerste, Kartoffeln –, ökologische Ausgleichsflächen und Pensionspferde», umschreibt er kurz den Betrieb.

Folgen des Labels Swissgap

Der engagierte Bauer zeigt am Beispiel seiner Kartoffeln, dass mit dem Label Swissgap ein zusätzlicher Papierkrieg mit teilweise unsinnigen Vorschriften einhergeht, den sich kaum ein anderer Berufszweig gefallen liesse. Die Landwirte werden dabei wie Anfänger behandelt, denen man alles vorschreiben muss und die danach erst noch minuziös kontrolliert werden müssen.

Im orangen Swissgap-Ordner ist die eng bedruckte Checkliste mit den technischen Anforderungen 35 Seiten dick. Dutzende bis Hunderte von Kontrollkreuzchen sind regelmässig nötig, um die Vorschriften einzuhalten. «Die schönsten Kreuzchen zählen mehr als die Qualität der Produkte», erklärt der darob leicht frustrierte Bauer.

Voraussetzung für den Verkauf

Durch seine Vielfalt ist der Hagenbuch-Hof nur am Rande vom neuen Label betroffen, muss aber die ganze Formularflut mitmachen, Tafeln anbringen und Gefahrenzonen bestimmen. «Auf 4 Hektaren produzieren wir 200 Tonnen Kartoffeln und verkaufen einen Teil an Augustin Frei in Eggenwil», erklärt Hagenbuch. Der Abnehmer sei zwingend auf den Swissgap-Nachweis angewiesen. Die Hälfte der Ernte gehe an den Grossbetrieb von Walter Käppeli in Rickenbach-Merenschwand, der wegen seines umfangreichen Gastro-Services sogar Eurepgap erfüllen müsse.

Die für die Vermarktung von den Grossverteilern verlangte Labelmanie ist für die Produzenten «mit Aufwand, Ärger und Kosten verbunden». Dennoch bleibe ein Härdöpfel ein Härdöpfel, eine zusätzliche Wertschöpfung gebe es nicht. Kartoffeln ohne eine gute Qualität könnte man ohnehin nicht verkaufen.

Zusätzlich aber müssen die Bauern nach einer Übergangsfrist seit 2010 zwingend auch Warntafeln anbringen, kleine Apotheken auf dem Hof und auf jedem Traktor mitführen, ein Hygienekonzept mit Zonen definieren. Für Notsituationen muss ein Sammelplatz ausgeschieden werden. Was bei Grossbetrieben mit 5, 10 oder mehr Angestellten Sinn machen kann, wird auf dem Einmann-Hof zum Witz. Der Betriebsinhaber kann sich hier nur selber treffen – und sammeln.

Kreuzchen für Auslauf der Pferde

Weil ein grosser Teil der Bauern kleinere Familienbetriebe sind, wirken viele Swissgap-Vorschriften wirklich absurd. Beim Gabelstapler braucht es nebst Fahrer-Ausbildung eine Warntafel mit Verbot, auf die Zinken zu stehen. «Da könnte man auch an jedem Auto einen Kleber anbringen, das Betreten des Daches sei verboten», kommentiert Hagenbuch.

Zum Wiehern ist auch der Pferdeartikel: Pro Pferd und Tag Auslauf gibt es einen Staats-Franken, aber nur, wenn man jeden Tag ein Kreuzchen macht – und nicht mehr als drei Tage im Rückstand ist. «Vom Formularkrieg habe ich langsam die Nase voll», sagt Hagenbuch zu diesem Blödsinn. Die Pferdekreuzchen macht er nicht mehr, obwohl er damit auf 300 bis 400 Franken pro Jahr verzichten muss.

Der Rottenschwiler Bauer, bekannt von der MZ-Serie Alltag, kritisiert das Swissgap-System, betont aber gleichzeitig, die Kontrolleure machten das sehr vernünftig. Aber der ökologische Leistungsausweis decke schon alles umfassend ab. Den Humor hat Franz Hagenbuch nicht verloren, beim Sicherheitsbeauftragten stehen die Namen: Papa Moll, Polizist Wäckerli und Bundesrat Ueli Maurer.

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