Der Name «Zentrum Didi Nwe Auslandabteilung» ist nicht sehr aufsehenerregend. Vielleicht war das die Idee dahinter, nicht viel Aufsehen zu erregen. Die Bundesanwaltschaft wurde dennoch aufmerksam und ist überzeugt, dass es sich bei der «Auslandabteilung» um einen «Bestandteil des al-Qaida-Netzwerkes» handelt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Es wäre der erste Ableger der Gruppierung in der Schweiz.

Am 11. November 2008 verhaftete ein Einsatzkommando den irakischen Kurde K.T. Eine Woche nach Ostern stehen der heute 35-jährige Sozialhilfeempfänger und sein zehn Jahre jüngerer aber berufstätiger Bruder vor dem Bundesstrafgericht.

Die Hauptanschuldigung: Beteiligung an einer kriminellen Organisation oder Unterstützung einer kriminellen Organisation. Weiter sind sie angeklagt der Rassendiskriminierung, der fahrlässigen Geschäftsführung ohne Bewilligung, der Förderung der rechtswidrigen Ein- und Ausreise mit Bereicherungsabsicht, der Gewaltdarstellung, der öffentlichen Aufforderung zu Verbrechen oder zu Gewalttätigkeit sowie der Urkundenfälschung. Die Unschuldsvermutung gilt in allen Punkten.

Hauptdiskussionspunkt bei den Verhandlungen in Bellinzona wird wohl sein, ob es sich bei der «Auslandabteilung» um eine kriminelle Organisation handelt. Nach 9/11 wurde die al-Qaida in der Schweiz verboten und die Bundesverwaltung führt eine Liste mit «Personen und Organisationen mit Verbindung zu Osama Bin Laden, der Gruppierung al-Qaida oder den Taliban».

Obwohl diese Liste laufend ergänzt wird, ist die «Auslandabteilung» nie darauf aufgetaucht. Laut der Bundesanwaltschaft ist der Grund dafür die «nach aussen geheim gehaltene Führungsstruktur» der Gruppierung, die «ihre Zugehörigkeit zum Al-Qadia-Netzwerk bewusst verschleiert». Laut Anklageschrift, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, betrieb die «Auslandabteilung» neun öffentliche Websites für Kurden aus dem Irak und dem Iran sowie offene und geschlossene Chaträume, darunter eine «Online-Scharia-Akademie».

Kopf der Organisation war Mullah Krekar, ein in Oslo lebender salafistischer Prediger, der in den 90er-Jahren in Afghanistan Kontakte zur Al-Qaida-Führung geknüpft hatte. Ein an der «Auslandabteilung» beteiligter Exilkurde, mit dem der Tages-Anzeiger sprach, hält die Vorwürfe jedoch für «lächerlich». Er sagt: «Wir betreiben eine Art Kulturzentrum im Internet, das Landsleute aus Europa und der Heimat rege besuchten.» (nok)