Bauprojekt

Basel gleist Bauprojekt falsch auf

Basel gleist Bauprojekt falsch auf

Basel gleist Bauprojekt falsch auf

Ein vom Kanton unterstütztes Bauprojekt an der Hochstrasse kann wegen den SBB vielleicht doch nicht realisiert werden – der Investor könnte von Basel-Stadt Entschädigung verlangen

Yen Duong

Es ist eine unangenehme Situation für das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD). Dort hat man den langjährigen Plänen der SBB, auf der Südseite des Bahnhofs SBB dereinst zwei zusätzliche Geleise zu bauen, schlicht zu wenig Beachtung geschenkt. Die Folgen sind nun nicht nur für das BVD belastend, sondern auch für einen Investor.

Denn eigentlich war an der Stelle der jetzigen Jugendherberge an der Hochstrasse und Pfeffingerstrasse im Gundeli ein sechsgeschossiger Neubau mit 43 Wohnungen geplant. Das Baugesuch wurde letzten September im Kantonsblatt publiziert. Hinter dem Neubau steckt die Immobilien-Anlagestiftung Turidomus in Zürich, die von der Pensimo AG verwaltet wird – im Raum Zürich bekannt für hochwertige Wohnprojekte.

Im BVD sorgt das Bauvorhaben an der Hochstrasse aber jetzt für rauchende Köpfe und beschäftigt gleich vier Abteilungen. Der Grund: Der geplante Neubau der Zürcher Architektin Zita Cotti kommt mit einer alten Interessenslinie der SBB, zwei zusätzliche Geleise zu bauen, in Konflikt – nur merkte das BVD dies zu spät. Denn würden die zwei zusätzlichen Geleise realisiert, müsste die gut befahrene Peter-Merian-Brücke abgerissen werden und die Solothurner- und Hochstrasse bekämen eine andere Strassenführung (siehe Box und Karte). Dies würde dazu führen, dass es für das Bauvorhaben äusserst eng wird.

Da das BVD der SBB-Interessenslinie keine Bedeutung zumass, unterstützte es wohlwollend das Bauprojekt – so sass Kantonsbaumeister Fritz Schumacher in der Jury des Architekturwettbewerbs. Und die Pensimo ihrerseits investierte eine nicht unbedeutende Summe in das Vorhaben. Schliesslich wusste die Stiftung auch nicht, dass die SBB ihr in die Quere kommen wird. Die Interessenslinie der SBB wurde bereits im Jahr 1986 im Rahmenplan verankert. Dieser ist rechtlich nicht verbindlich, soll aber dennoch verhindern, dass Flächen verbaut werden, die allenfalls später zur Erweiterung des Bahnhof SBB benötigt werden.

Schwierige Aufgabe für BVD

23 Jahre vergingen, und von der Interessenslinie hörte man nichts. Ende 2009 erwähnte der Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels an einer Veranstaltung der Gruppe Bahnhof, dass die SBB zwei zusätzliche Geleise bauen möchten (die bz berichtete). Sichtlich unwohl war es ihm bei dieser Aussage, so dass er schnell wieder das Thema wechselte. Zu Recht, wie sich nun herausstellt.

Jürg Degen, Abteilungsleiter im Hochbau- und Planungsamt des BVD bestätigt die Recherchen der bz. Von einer Fehlplanung seitens BVD möchte er aber nicht sprechen. «Wir hätten es sehen können, wenn wir uns immer auf alte Pläne abstützen würden, die nicht weiter konkretisiert wurden», sagt Degen. Im Rahmenplan von 1986 sei zudem nicht klar aufgezeigt worden, wie ein Gleisausbau mit dem Strassennetz einhergehen kann. Degen beizeichnet die ganze Angelegenheit als Interessenskonflikt. «Wir möchten den Wohnungsbau in Basel fördern, gleichzeitig ist auch ein Gleisausbau der SBB für die ganze Region notwendig.»

In den nächsten Monaten wird sich herausstellen, ob der Neubau realisiert werden kann. Das BVD sucht momentan intensiv nach Lösungen, wie die Solothurnerstrasse ideal an die neue Brücke angebunden werden kann, so dass auch genügend Platz für das Bauvorhaben übrig bleibt. Laut Degen ist dies eine schwierige Aufgabe.

SBB erhoben Einsprache

Ob die SBB definitiv zwei neue Geleise bauen werden, ist laut deren Mediensprecher Roman Marti indes noch unklar. Derzeit arbeiten die SBB an einem neuen Rahmenplan, der den aktuell gültigen ersetzen soll. Eines ist hingegen sicher: «Die SBB wollen sich auch im neuen Rahmenplan die Option für zusätzliche Geleise auf der Südseite des Bahnhofs offen halten», sagt Marti. Sie haben deshalb auch Einsprache gegen das Bauprojekt erhoben.

Marti betont, dass noch keine Entscheide gefallen seien oder konkrete Projekte vorliegen würden. Gemäss Informationen der bz jedoch setzen die SBB nun den Kanton diesbezüglich leicht unter Druck. Und auch Degen meint: «Nach dem jetzigen Wissensstand gehen wir davon aus, dass die zwei Geleise notwendig sind, auch wenn noch nichts entschieden ist.»

Die Pensimo reagiert verhalten auf die veränderte Ausgangslage: «Es hat niemand erwartet, dass die Situation so komplex wird. Wir schauen nun mit den Behörden, wie es weitergeht», sagt Portfoliomanager Michel Schneider. Wie viel die Stiftung bereits in das Basler Projekt investiert hat, will Schneider nicht verraten – nur: «Es ist eine sechsstellige Summe.» Vorerst hat die Angelegenheit keine juristischen Folgen für das BVD. «Wir werden den Entscheid abwarten. Falls das Projekt nicht realisiert werden kann, stellt sich früher oder später die Frage nach einer Ersatzlösung beziehungsweise einer Entschädigung.»

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