Trotz Kritik an seiner Rolle im Fall Hildebrand: SNB-Bankratspräsident Hansueli Raggenbass will von einem Rücktritt nichts wissen – im Gegenteil. Raggenbass kündigt im Interview mit der Zeitung „Der Sonntag“ an, im Frühling nochmals für das Aufsichtspräsidium der Nationalbank zu kandidieren: «Wenn es im Interesse der Nationalbank ist, dann stehe ich zur Verfügung», sagt er. Wegen der Amtszeitbeschränkung von 12 Jahren bleibt seine Wiederwahl auf ein Jahr beschränkt.
 
Parlamentarier haben für Raggenbass Wiederwahl-Pläne allerdings wenig Verständnis. «Raggenbass kann sich nicht halten. Er hat dermassen versagt in der Aufsicht», sagt SVP-Chefstratege Christoph Blocher in der neuesten Ausgabe von Teleblocher. «Wenn ihn der Bundesrat im Amt belässt, weiss ich nicht mehr, was ein Bankrats-Präsident machen muss.»

Vieles spricht für eine Wiederwahl

Auch SP-Präsident Christian Levrat und SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer haben in den letzten Tagen den Rücktritt des Aufsichtsratspräsidenten gefordert. Gegenüber dem „Sonntag“ äussert sich jetzt erstmals auch CVP-Ständerat Pirmin Bischof, ein Parteikollege von Raggenbass, kritisch zu seiner Wiederwahl: «Es gibt gute Gründe, die Gesamterneuerungswahl des Gremiums im Frühling für eine Neubesetzung des Präsidiums zu nutzen», so Bischof. «Eine Wiederwahl für nur ein Jahr ist wenig sinnvoll».
 
Sechs Bankräte werden vom Bundesrat ernannt, fünf von der Generalversammlung der SNB, wo die Kantone als Mehrheitsaktionäre das Sagen haben. Pascal Broulis, der Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK), will die Neubesetzungen des Bankrats nutzen, um den Einfluss der Kantone zu vergrössern: «Im Bankrat sollten ein oder zwei Kantonsvertreter mehr Einsitz nehmen», sagt Broulis gegenüber dem «Sonntag». Heute stellen die Kantone drei von elf Bankräte.