Basel
Banker muss ins Loch

Das Baselbieter Strafgericht schickt einen falschen Börsenhändler, der rund acht Millionen Franken ertrogen hat, für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

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gefängnis

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Aargauer Zeitung

Rolf Schenk

Für Strafgerichtspräsident Adrian Jent ist klar: Der ausgebildete Personalberater, der sich ohne entsprechende Ausbildung als Börsenhändler betätigt hat (bz vom 10. Juni), ist ein Betrüger. Er habe sich spätestens seit September 1998 schamlos und ohne Hemmungen an fremdem Geld vergangen, um sich nach aussen als erfolgreicher Börsenhändler zu profilieren. Damit habe er sich des gewerbsmässigen Betrugs schuldig gemacht.

Aufwändiger Lebensstil

Er habe nicht nur seine Kunden, sondern auch seine Familie getäuscht, sagte Adrian Jent. Seit diesem Zeitpunkt sei «der Schneeball in Fahrt gekommen», hielt er fest. Der Angeklagte habe nicht nur die durch seine Spekulationsgeschäfte mit Optionen entstandenen Löcher in seiner Buchhaltung mit neu akquirierten Geldern gestopft, sondern aus diesem Topf auch seinen aufwendigen Lebensstil finanziert.

Der Vorsitzende der Fünferkammer des Baselbieter Strafgerichts hatte in seiner mündlichen Urteilsbegründung keine Zweifel gelassen, dass er den einst angesehenen Bürger einer Baselbieter Vorortsgemeinde für urteilsfähig erachtet. Auch das Unmittelbarkeitsprinzip sei nicht verletzt worden, obwohl die Richterinnen und Richter schon vor der Verhandlung Einsicht in die gegen 100 Bundesordner umfassenden Ermittlungsakten des Besonderen Untersuchungsrichteramtes (BUR) hatten, dem Jent explizit Lob für die «hohe Qualität» zollte.

Dem Pflichtverteidiger entgegnete der Präsident weiter, dass die vom BUR in der Anklageschrift nicht detailliert beschriebenen Fälle offensichtlich dem gleichen Betrugsmuster gefolgt sind. Ein Freispruch mangels hinreichender Verteidigungsmöglichkeiten könne daraus nicht abgeleitet werden. Zudem habe der Angeklagte seine Verfehlungen grossmehrheitlich eingestanden, sagte Jent.

Erbengemeinschaft betrogen

Vorher hatte er allerdings während fünfeinhalb Jahren seine Kunden um fast acht Millionen Franken betrogen. Als Vermögensverwalter einer Erbengemeinschaft habe er zwar auf entsprechende Honorarforderungen verzichtet, dafür habe er sich anderweitig aus dem Vermögen «bedient». Dass er zum Schluss gegenüber dem Sozialamt die Liegenschaft im Ausland verschwiegen habe, sei ebenfalls als Betrug zu werten, erklärte Adrian Jent dem zuweilen kopfschüttelnd zuhörenden Angeklagten.

Dass die Kammer mit dem Strafmass von dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug unter dem Antrag des BUR geblieben ist, das ihn für vier Jahre hinter Gitter stecken wollte, begründete der Vorsitzende sowohl mit der Kooperationsbereitschaft des heute am Rande des Existenzminimums lebenden Angeklagten als auch mit seinem sonst tadellosen Leumund und seiner hohen Strafempfindlichkeit.

Ob seine vor Gericht gezeigte Einsicht tatsächlich echt sei, könne er nicht mit Bestimmtheit feststellen, hielt Adrian Jent fest. Im subjektiven Bereich sei nämlich davon nur wenig zu spüren, so dass er «taktische Einsicht» nicht ganz ausschliesse. Sogar in der Untersuchungshaft habe er aus Egoismus und Selbstüberschätzung weiter delinquiert.