«Duell aktuell»
Banga & Müller: Wenn zwei Politiker nicht nachgeben

Sie sind Erzfeinde: Heinz Müller und Boris Banga. Ob hinter oder vor der Kamera, beide Alphatiere kreuzen die Klingen. Zum Leidwesen der Sachpolitik.

Claudia Landolt
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In der Maske: Boris Banga und Werner de Schepper Alle Bilder: Emanuel Freudiger.
11 Bilder
Welten liegen dazwischen: Boris Banga, Heinz Müller
Händeschütteln ohne Engagement: Heinz Müller (l.) und Boris Banga
Boris Banga im Gespräch mit Werner de Schepper
Ernsthafte Miene vor dem Duell mit dem Erzfeind.
Boris Banga in der Maske.
Möglichst kein Wort miteinander sprechen - dieser Devise huldigten die beiden Politiker.
Auch Moderator Werner de Schepper kann das zerstrittene Duo nicht aufheitern.
Heinz Müller und Boris Banga im «Duell aktuell»
Heinz Müller in der Maske.
Die Körpersprache täuscht: Nicht immer hat Banga in der Diskussion die Nase vorn.

In der Maske: Boris Banga und Werner de Schepper Alle Bilder: Emanuel Freudiger.

Dass die zwei Politiker seit Jahren Intimfeinde sind, ist bekannt. Vorige Woche überschütteten sie sich einmal mehr mit Vorwürfen fern jeder Sachpolitik. «Erstunken und erlogen» seien die Porno-Vorwürfe Bangas, sagt Jäggi gegenüber Tele M1. Boris Banga konterte: «Herr Jäggi ist ist und bleibt eine Person, die nicht die Wahrheit sagt» - und haut noch einen drauf: «Ich habe ihm schon vor einem Jahr gesagt, er sei ein billiger Pornohändler.» Das Ganze gipfelte im Vorwurf von Roman S. Jäggi, dem einstigen Sprachrohr der Schweizer SVP, Boris Banga sei der «Gaddafi von Grenchen».

Duell aktuell Die Talksendung «Duell aktuell» wird täglich ab 18 Uhr auf Tele M1 ausgestrahlt und stündlich wiederholt. Heute kreuzen der Grenchner Stapi Brosi Banga (SP) und der SVP-Kantonsrat Heinz Müller (SVP) die Klingen. Das Gespräch leitet Werner de Schepper, stellvertretender Chefredaktor der Aargaer Zeitung.

Duell aktuell Die Talksendung «Duell aktuell» wird täglich ab 18 Uhr auf Tele M1 ausgestrahlt und stündlich wiederholt. Heute kreuzen der Grenchner Stapi Brosi Banga (SP) und der SVP-Kantonsrat Heinz Müller (SVP) die Klingen. Das Gespräch leitet Werner de Schepper, stellvertretender Chefredaktor der Aargaer Zeitung.

AZ

Das war die Ausgangslage der wöchentlichen Talk-Sendung «Duell aktuell» auf Tele M1. Gespannt durfte man sein, wie die beiden Kontrahenten aufeinander reagieren würden - Roman S. Jäggi verzichtete darauf, vor der Kamera Stellung dazu zu nehmen. An seiner Statt kam Heinz Müller, SVP-Präsident des Kantons Solothurn und Mitglied des Zentralvorstands der SVP Schweiz. Dass Müller und Banga, der Stapi von Grenchen, kaum zusammen in trauter Zweisamkeit von Grenchen in das Aufnahmestudio von Tele M1 in Aarau reisen würden, war klar. Fraglich war auch, ob es zu einer Begrüssung per Handschlag kam (es kam dazu, die gefühlte Temperatur lag weit unter Null). Doch nicht ganz klar war, ob und wie sie trotz heftiger Blessuren aufeinander zugehen würden.

Zwei Alphatiere, die nicht nachgeben

Pures Wunschdenken! Gleich zu Beginn warf Heinz Müller, der in seinem braven Anzug und etwas bunter Krawatte optisch im breiten Schatten des charismatischeren Bangas stand, seinem Kontrahenten den Fehdehandschuh hin: «Ich entschuldige mich nicht für Jäggi. Ich stehe zu den Aussagen, die er gemacht hat. Banga benimmt sich in der Tat in Grenchen wie Gaddafi. So wirkt er nämlich.»

Den Schlichtungsversuch von Moderator Werner de Schepper, Gaddafi würde gegenwärtig in Libyen Leute massenweise erschiessen, habe ein Terrorregime aufgebaut und drohe sogar mit biologischen Waffen und sei daher ein wohl etwas unangebrachter Vergleich, liess Heinz Müller kalt. Das biedere Auftreten täuschte: Dieser Mann kann austeilen, sein Machtbewusstsein ist intakt.

Droht gar ein Solothurner Rubigate?

Vielleicht war es dessen ostentativ ruhige Miene, die Boris Banga dann zu einem verbalen Aussetzer hinreissen liess: «Von ihren Frauengeschichten habe ich noch gar nicht geschrieben». Eine klare Anspielung an Berlusconis sattsam bekannte Eskapden. Dass er Müller selbst als Berlusconi titulierte, weil er im Zusammenhang mit der Steuerbetrugsaffäre gleich das Gesetz ändern wollte, nahm er ebenfalls nicht zurück. In diesem Stil ging es weiter: Der eine schiesst - Peng! -, der andere schoss zurück. Banga sagt: «Auf einen groben Klotz gehört ein grober Kerl.» Und: «Die SVP denkt nur in Gut oder Böse, sie haben absolute Paranoia vor allem, was ihre Parteienfreundschaft in Gefahr bringen könnte.» Müller gibt zurück: «Sie machen öffentlich Mobbing, Sie sind ein gefährlicher Mann!» «Und Sie ein Lügner!», kontert Banga.

Die neuralgischen Themen, die angeschnitten wurden -Müllers erstinstanzliche Verurteilung wegen Steuerbetrugs, Bangas Kolumnen von vor 14 Monaten, in der er Roman S. Jäggi «schmuddelige» Geschäfte unterstellt - , erhielten keine wesentliche Klärung. Im Gegenteil: Schuldzuweisung und Schuldabweisung hielten sich die Waage.

Kurzum: Wer auf eine Versöhnung hoffte, der hoffte vergeblich. Zwei Erzfeinde haben sich nur für die Kamera die Hände gereicht. Zwar ohne Gezeter, aber mit viel Gezänk. Was am Ende dem Zuschauer also bleibt, ist eine gewisse Resignation. Man sieht hier zwei Politiker und einen Bruch, der sich nicht mehr kitten lässt. Ist Solothurn ein politisch ruinierter Kanton?