AIK
Bald zwei Alimenten-Inkassostellen?

Die Frauenzentrale kriegt am Dienstag alle Dossiers wieder – in einem Geldtransporter. Auch wenn die Alimentendossiers wieder bei der Frauenzentrale sind: Die Alimenten-Inkassostelle (AIK) bleibt eine gespaltene Sache. Gut möglich, dass es schon bald zwei Aargauer AIK-Stellen gibt.

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Inkasso

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Aargauer Zeitung

Sabine Kuster, Michael Spillmann

Montagnachmittag, 16 Uhr, vor der Frauenzentrale Aargau (FZA) in Brugg: Eliane Frey, Leiterin des neu gegründeten Vereins «Alimenteninkasso Aargau», wartet vor der Tür. In den Händen hält sie den Computer-Server, der vor Wochenfrist aus der FZA «mitgenommen» wurde.

Es gibt nur Verlierer Kommentar von Sabine Kuster Es gehe nicht darum, wer juristisch gesehen Recht habe, sondern nur darum, ihre Arbeit fortsetzen zu können, betonten die Mitglieder des neu gegründeten Vereins «Alimenteninkasso Aargau» in den vergangenen Tagen immer wieder. Doch wenn Vereinsmitglied Markus Leimbacher den Stand der Dinge mit «1:0 für die Frauenzentrale» kommentiert, kommt der Verdacht auf, dass es ihm auch um Sieg und Niederlage geht - in einem Kampf, welcher den zu Recht frustrierten AIK-Mitarbeitern aus dem Ruder lief, als sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in ihr ehemaliges Büro einbrachen, um die Dossiers zu holen. Diese Aktion wäre nicht nötig gewesen: Die Mitarbeiter hätten auch so eine zweite, eigenständige Aargauer Alimenten-Inkassostelle gründen können, wie Markus Leimbacher dies jetzt plant - obwohl der neue Verein alle Dossiers zurückbringen musste. Kommt es tatsächlich so weit, werden die Gemeinden entscheiden müssen, wem sie ihre Alimenten-Dossiers anvertrauen. Mancher Gemeinderat wird sich dann wohl wünschen, die Alimenten-Inkassostelle würde im Auftrag des Kantons arbeiten, wie es im Kanton Zug der Fall ist. Die AIK gehört dort auch zur Frauenzentrale, doch fliesst das überschüssige Geld Ende Jahr an die Gemeinden zurück und das Büro befindet sich nicht im selben Gebäude. Gäbe es einen kantonalen Auftrag, hätte die Regierung früh eingreifen können und es wäre wahrscheinlich nicht zu Kündigungen und kaum zum Bruch zwischen den beiden Parteien gekommen. Nun entscheidet die Justiz einen Kampf, an dessen Ende auf beiden Seiten nur Verlierer stehen werden. sabine.kuster@azag.ch

Es gibt nur Verlierer Kommentar von Sabine Kuster Es gehe nicht darum, wer juristisch gesehen Recht habe, sondern nur darum, ihre Arbeit fortsetzen zu können, betonten die Mitglieder des neu gegründeten Vereins «Alimenteninkasso Aargau» in den vergangenen Tagen immer wieder. Doch wenn Vereinsmitglied Markus Leimbacher den Stand der Dinge mit «1:0 für die Frauenzentrale» kommentiert, kommt der Verdacht auf, dass es ihm auch um Sieg und Niederlage geht - in einem Kampf, welcher den zu Recht frustrierten AIK-Mitarbeitern aus dem Ruder lief, als sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in ihr ehemaliges Büro einbrachen, um die Dossiers zu holen. Diese Aktion wäre nicht nötig gewesen: Die Mitarbeiter hätten auch so eine zweite, eigenständige Aargauer Alimenten-Inkassostelle gründen können, wie Markus Leimbacher dies jetzt plant - obwohl der neue Verein alle Dossiers zurückbringen musste. Kommt es tatsächlich so weit, werden die Gemeinden entscheiden müssen, wem sie ihre Alimenten-Dossiers anvertrauen. Mancher Gemeinderat wird sich dann wohl wünschen, die Alimenten-Inkassostelle würde im Auftrag des Kantons arbeiten, wie es im Kanton Zug der Fall ist. Die AIK gehört dort auch zur Frauenzentrale, doch fliesst das überschüssige Geld Ende Jahr an die Gemeinden zurück und das Büro befindet sich nicht im selben Gebäude. Gäbe es einen kantonalen Auftrag, hätte die Regierung früh eingreifen können und es wäre wahrscheinlich nicht zu Kündigungen und kaum zum Bruch zwischen den beiden Parteien gekommen. Nun entscheidet die Justiz einen Kampf, an dessen Ende auf beiden Seiten nur Verlierer stehen werden. sabine.kuster@azag.ch

Der Server muss zurück, die superprovisorische Verfügung des Handelsgerichts zwang den Verein dazu. «Wir wollten einfach unsere Arbeit machen und die Dossiers betreuen», betont Frey. Dann geht alles schnell: Mit dem Auto fährt Doris Fischer-Taeschler, die Präsidentin der AIK-Betriebskommission, vor und packt den Server in ihr Auto. Die beiden tauschen einen Ordner und ein paar Worte aus. Zum Schluss ein kurzer Händedruck.

Am Dienstag werden der FZA auch die schriftlichen Dossiers der Alimentenbezüger mit einem Gesamtgewicht von einer Tonne zurückgebracht - und zwar in einem Geldtransporter. Lange geht die Fahrt nicht: Die Büros liegen nur 500 Meter auseinander.

Zwei Forderungen abgelehnt

Die Rückgabe der Dossiers ist ein Teil der richterlichen Verfügung. Was am Samstag an der Medienkonferenz der Frauenzentrale nicht kommuniziert wurde, ist, dass das Gesuch um eine superprovisorische Verfügung noch zwei weitere Punkte umfasste. Dies geht aus der Antwort des Handelsgerichtes hervor, die der MZ vorliegt. Die Frauenzentrale forderte nicht nur die Rückgabe aller Dokumente, sondern auch, dass die sieben Mitarbeiter, welche sich zuvor von der Frauenzentrale losgesagt hatten, bis zum Ablauf der dreimonatigen ordentlichen Kündigungsfrist nicht für den neuen Verein arbeiten dürfen und dass dem neuen Verein verboten wird, Alimenten-Inkasso zu betreiben. Diese beiden Forderungen lehnte das Handelsgericht ab.

Nun läuft das gerichtliche Verfahren weiter. Das Urteil wird klären, wie selbstständig die Alimenten-Inkassostelle der Frauenzentrale wirklich war und ob die ehemaligen Mitarbeiter tatsächlich Einbruch begingen, als sie die Tür des alten Büros aufbrachen und die Dossiers ins neue Büro zügelten. Wie lange das Verfahren dauern wird, ist unklar.

«1:0 für die Frauenzentrale»

So oder so: Das zerbrochene Gefäss Alimenten-Inkasso lässt sich nicht mehr zusammenleimen. «Mittelfristig wird es im Aargau wohl zwei AlK-Organisationen geben», sagt Markus Leimbacher, Mitbegründer des neuen Vereins. «So gesehen sind wir wegen der Verfügung zwar konsterniert - es steht 1:0 für die Frauenzentrale. Aber wir sind erst in der 15. Minute des Spiels.»

Gäbe es zwei AIK-Stellen im Kanton, dann hätte die Frauenzentrale die schlechteren Karten, findet Leimbacher. «Wir haben das Know-how.» Doris Fischer-Taeschler von der Frauenzentrale sagt wiederum: «Zwei Mitarbeiter haben ihre Kündigung zurückgenommen und auch sonst können wir uns das Know-how beschaffen.»

Update

Zum Zerwürfnis zwischen sieben Mitarbeitern der Alimenten-Inkassostelle und der Leitung der Frauenzentrale kam es wegen Umstrukturierungsplänen. Die AIK wollte ihre Buchhaltung weiter selber machen und nicht nach Aarau ziehen. Am 15. Juni kündeten die sieben Mitarbeiter fristlos, brachen am Wochenende in ihr Büro ein und nahmen alle Dossiers mit. (kus)

Der neue Verein hofft darauf, dass möglichst viele Gemeinden ihre Mandate bei der Frauenzentrale künden und die Dossiers dem neuen Verein übergeben werden. Von den insgesamt 120 Gemeinden haben dies bisher nur 10 getan. Andere hätten aber signalisiert, dass dies noch geschehen werde, sagt Leimbacher. Die entscheidenden Gemeinderatssitzungen finden diese Woche statt.

Zwei Alimenten-Inkassostellen, das fände Leimbacher «gut für den Markt und für die Qualität der Arbeit». Susi Rupp, Präsidentin der Frauenzentrale, kommentiert diese Perspektive wie folgt: «Es steht jedem frei, eine Alimenten-Inkassostelle zu eröffnen - aber die jetzigen Umstände sind nicht seriös.»

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