Bern
Bald Steuergelder für Hausärzte?

Es fehlt an Hausärzten, vorab in ländlichen Regionen. Ist die finanzielle Unterstützung von Gemeinschaftspraxen in kantonalen Liegenschaften ein Ausweg aus dem Dilemma? Der Grosse Rat will diesen Weg geprüft haben.

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Praxis

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Berner Rundschau

Bruno Utz

In der Region Langenthal fänden bereits einige Leute keinen Hausarzt mehr, klagte Dorette Balli (SP/Langenthal). Die vorhanden Hausärzte seien überlastet und winkten bei Neuanfragen ab. Nach Meinung von Ballis Parteikollege Christoph Ammann (Meiringen) ist die medizinische Grundversorgung im ganzen Kanton Bern gefährdet, «vorab jedoch im ländlichen Raum».

Balli verlangte deshalb gestern im Grossen Rat, der Regierungsrat habe in Zusammenarbeit mit Fachorganisationen eine Strategie zur Förderung der Hausarztmedizin auszuarbeiten. Ammann konkretisierte einen Lösungsweg mit der Förderung von Gemeinschaftspraxen durch den Kanton. Einerseits seien die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, dass solche in kantonseigenen Liegenschaften, etwa stillgelegten Spitälern, möglich werden. Andererseits sei eine finanzielle Unterstützung der Praxen vorzusehen.

Haldimann sorgt sich um die Pflege

Auch der Personalmangel im Pflegebereich gab im Grossen Rat zu reden. Franz Haldimann (BDP/Burgdorf) verlangte vom Regierungsrat per Motion, dem «gravierenden» Problem mit Massnahmen auf allen Ebenen zu begegnen. Im Parlament drang er jedoch mit seiner Forderung nicht durch, mit kürzeren Sonderausbildungen für Neu- und Wiedereinsteiger Linderung zu verschaffen (Nein mit 42 zu 90 Stimmen). Auch die von Haldimann zur Überbrückung von Personalnotständen verlangte Notfallplanung für Spitäler und Heime blieb mit 67 zu 71 Stimmen auf der Strecke. Einverstanden zeigte sich das Parlament hingegen mit der Forderung, in einem regierungsrätlichen Bericht «die Vorgehensweise und die Massnahmen zum Personalmangel» aufzuzeigen. Weil ein solcher bereits im Rahmen der Spitalversorgungsplanung 2011/2014 im Tun ist, schrieb der Grosse Rat diesen Punkt sogleich als erfüllt ab. (uz)

«Nicht «einmischen»

«Die Forderungen sind gut gemeint, aber nicht praxistauglich», wehrte SVP-Sprecher Werner Hostettler (Zollbrück) ab. Es sei nicht Aufgabe des Staates, in private Entscheide einzugreifen, kritisierte Hostettler namentlich die vom Kanton verlangte finanzielle Hilfe. Auch der FDP stach dieser Punkt ins Auge: «Gruppenpraxen ja, aber der Kanton soll sich nicht einmischen», brachte es FDP-Sprecherin Franziska Fritschy (Rüfenacht) auf den Punkt.

Nicht mehr in jedem Dorf

Daniel Pauli (BDP/Schliern) wehrte sich ebenfalls gegen Geld aus der Staatsschatulle. «Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich Gemeinden zur Steigerung ihrer Attraktivität finanziell engagieren.» Grundsätzlich stellte Pauli in Frage, dass Hausärzte weiterhin am Wohnort oder im Umkreis von wenigen Kilometern immer erreichbar sein sollen. «Davon müssen wir langsam Abstand nehmen.»

SVP, FDP und EVP waren jedoch bereit, beide Vorstösse als Postulat (Prüfungsauftrag) zu überweisen. Für die zwingende Motionsform sprachen sich hingegen Thomas Heuberger (Grüne/Oberhofen) und Danielle Lemann (SP/Langnau) aus: «Die finanzielle Unterstützung von Gemeinschaftspraxen wäre gut ausgegebenes Geld», sagte Lemann. Festhalten wolle die SP auch an der Balli-Motion. Die Partei sei nicht bereit, auf den vom Regierungsrat angekündigten Bericht zu warten. «Wir wollen die Strategie.» Angesichts der Mehrheitsverhältnisse wandelten jedoch Balli und Ammann ihre Forderungen in ein Postulat. Den Prüfungsauftrag für eine Strategie überwies der Grosse Rat mit 130 zu 0 Stimmen, das Postulat Ammann mit 120 zu 0 Stimmen.

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