Bern
Bald kein Bierverkauf mehr an Minderjährige?

Für den Verkauf von alkoholischen Getränken soll einheitlich die Alterslimite 18 gelten. Bier trinken dürfen 16-Jährige weiterhin.

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Alkoholkonsum unter Jugendlichen

Alkoholkonsum unter Jugendlichen

Keystone

«Wir müssen Grenzen setzen», priesen gestern Grossrat Andreas Blaser (SP/Steffisburg) und die Mitmotionäre Marc Jost (EVP/Thun) sowie Alfred Schneiter (EDU/Thierachern) ihren Vorstoss an. Darin fordern sie eine einheitliche Limite für die Abgabe und den Verkauf von alkoholischen Getränken an Jugendliche von 18 Jahren. Das heisst, 16-Jährige sollen kein Bier mehr kaufen dürfen. Wie für Wein, Schnaps und Alkopos soll künftig die Volljährigkeit als Limite gelten. Blaser: «Wir wollen die Jugendlichen vor häufig mit Gewalt und Vandalismus verbundenen Trinkexzessen schützen.»

Die einheitliche Altersgrenze schaffe Rechtssicherheit. «Coop und der Kanton Tessin machen es uns vor.» Aber auch Frankreich habe die Altersgrenze generell auf 18 Jahre erhöht, so Blaser. Schneiter sagte, es sei Aufgabe des Grossen Rates, auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. «Trinkexzesse von Jugendlichen sind leider eine Tatsache.» EDU-Sprecher Markus Kronauer (Burgdorf) und Hans Kipfer (EVP/Thun) betonten, es werde nur der Verkauf von Bier an 16-Jährige verboten, nicht der Konsum. Die Verantwortung dafür trügen die Eltern.

Widerspruch zum Stimmalter 16

Es sei schon erstaunlich, dass der Ruf nach einer höheren Alterslimite für den Alkoholverkauf aus der Ecke komme, die sich erst noch für das tiefere Stimmrechtsalter 16 eingesetzt habe, monierten Ruedi Sutter (FDP/Grosshöchstetten) und Bernhard Zumbrunn (SVP/Unterbach). Sie verwiesen zudem auf das übergeordnete Bundesrecht. Ein bernischer Alleingang sei sinnlos. «Dann kaufen die 16-Jährigen das Bier im Kanton Solothurn ein», wurde argumentiert. Nach Meinung von Klaus Künzlli (FDP/Ittigen) gibt es «nichts zu prüfen». «Die Saufgelage finden nicht in den Gastrobetrieben statt», sagte der Zentralpräsident von GastroSuisse. Zudem müssten die Jungen den Umgang mit Alkohol lernen. Der altersmässige Stufeneinstieg sei dafür geeignet. «Die Exzesse stören uns auch, aber wenn sich bereits 12-Jährige betrinken, so hat dies nicht mit der Alterslimite zu tun», fügte BDP-Sprecher Ueli Spring (Lyss) an. Die Motion lehne die BDP ab, falls sich der Regierungsrat jedoch für eine nationale Lösung einsetze, sei die Fraktion bereit, ein Postulat zu unterstützen.

Die nationale Akzeptanz, sei eine der offenen Fragen, die der Regierungsrat klären wolle. «Der Kanton Tessin hat die Limite erhöht, ein Gerichtsurteil zur Rechtmässigkeit gibt es aber nicht», sagte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. Eine gesamtschweizerische Lösung unterstütze er, nicht aber einen bernischen Alleingang.

Nachdem die Motionäre ihren Vorstoss in ein Postulat gewandelt hatten, überwies der Rat den Vorstoss mit 69 zu 66 Stimmen bei 5 Enthaltungen. (uz)