Lehre

Bald gibt es Lehrstellen im Fitnesscenter

Er war Fitnesstrainer: Ex-Mister-Schweiz Robert Ismajlovic (rechts).

Er war Fitnesstrainer: Ex-Mister-Schweiz Robert Ismajlovic (rechts).

Bald soll in einem Fitnesscenter eine Lehre gemacht werden können. Bis es so weit ist, müssen die Initianten allerdings noch einige Hürden überspringen.

Wer bisher im Fitnesscenter arbeitete, konnte nur eine tertiäre Ausbildung absolvieren, zum Beispiel als Fitnessinstruktor. Dies soll sich ändern. Ab 2012 wird es eine Berufslehre geben. «Früher gab es in unserem Berufsfeld, wie auch in anderen Berufssparten, schwarze Schafe», begründet Claude Ammann, Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenterverbands (SFGV), das Anliegen. Mittlerweile besitzen zwar viele ein Zertifikat. Das reicht Ammann aber nicht: «Mit der Berufslehre wollen wir in der Ausbildung unten einen weiteren Stein setzen.»

Getragen wird die neu zu schaffende Ausbildung Bewegungs- und Gesundheitsfachfrau/-mann neben dem SFGV vom Dachverband der Bewegungsberufe Schweiz sowie vom Berufsverband für Gymnastik und Bewegung. Entsprechend vielseitig gestaltet sich das Einsatzgebiet der künftigen Lehrlinge. Neben Fitnesscentern, Spas und Hotels gehören zum Tätigkeitsgebiet auch der Bereich Behindertensport, Rehakliniken und die Geriatrie.

Physiotherapeuten wehren sich

Letzteres sorgt bei anderen Verbänden für Ärger. «Das Profil greift in den Bereich der Gesundheitsversorgung hinein», sagt Omega Huber, Präsidentin von Physioswiss. «Das ist überrissen, für das, was die Leute können.» Sie wolle sich nicht allgemein gegen einen neuen Beruf stellen. Solange dieser im Bereich Fitness, Wellness und Wohlbefinden positioniert sei, sei dies vollkommen in Ordnung. Doch sobald es sich um Geriatrie respektive Rehabilitation handle, brauche es Fachkräfte, etwa Physiotherapeuten.

Der Verband Physiotherapie wehrt sich zudem gegen die Berufsbezeichnung. «Diese ist irreführend», so Huber. Das Wort Gesundheit will sie für Berufe reservieren, die sich effektiv um die Genesung drehen. Auch der Titel Fachfrau/-mann sei zu hoch gegriffen. «Wir könnten uns ebenso gut so nennen.» Für Huber sollte die Berufsbezeichnung Fachangestellte/r lauten, analog zum Fachangestellten Gesundheit.

Mehr als Trainingspläne erstellen

Dass der Aspekt Gesundheit in der Berufsbezeichnung vertreten ist, ist den Initianten wichtig. «Wir sind in der Erhaltung der Gesundheit tätig», betont Georg Weibel. Er ist Präsident der Basler Bildungsgruppe, die unter anderem Ausbildungen im Bewegungsbereich anbietet.

Mit dem Titel soll gezeigt werden, dass die Instruktoren nicht nur Trainingspläne erstellen, sondern umfassende Beratung bei Alltagsproblemen bieten. Als Konkurrenz zu therapeutischen Tätigkeiten sieht Weibel den neuen Beruf nicht: «Wenige Leute arbeiten bereits im Bereich Rehabilitation. Etwa Bewegungspädagogen. Doch das ist nicht unser Schwerpunkt.»

Der Beruf befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Bis zum 15. Januar können Stellungnahmen eingereicht werden. Auch der Verband Physiotherapie hat eine solche verfasst. «Wir hoffen, dass man das gut überdenkt. Das Berufsbild weckt bei Jugendlichen falsche Vorstellungen», sagt Huber. Es werde eine Bereinigung geben müssen. «Wir rechnen mit Einsprachen», sagt denn auch Ammann. «Doch wir werden kämpfen.»

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