Bär und Brunnen werden Freunde

Sämi Schmids  Bär  in Rüti.

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Sämi Schmids Bär in Rüti.

Was haben ein neu geschnitzter Holzbär und ein alter Brunnentrog gemeinsam? In Rüti schmücken sie ab Juni einen Platz vor der Bäckerei. Dieser soll die Dorfbevölkerung zum Verweilen einladen.

Daniela Deck

Alles begann mit der Schnapszahl 06.06.06. Genau drei Jahre später will die Brunnengesellschaft Rüti den Beweis liefern, dass sie keine Schnapsidee ausgebrütet hat. Am 6. Juni wird ihr Projekt, vom Leuziger Steinbildhauer Heinz Lehmann frisch restauriert, daheim eingeweiht. Der historische Brunnen aus dem Jahr 1764 soll aber nicht für sich allein im Dorf stehen.

Der Bär, den alt Bundesrat Samuel Schmid bei seiner «Heimkehr» nach acht Jahren Bundesbern im Januar geschenkt bekommen hat, wird ihm Gesellschaft leisten. Nicht, dass der Bär nach so kurzer Zeit schon ein Bad nötig hätte. Die beiden Wahrzeichen sollen in Rüti einen neuen Begegnungsort begründen. «Die Leute sollen nach dem Einkauf dort einen Schwatz halten können», sagt Gemeindepräsident Andreas Philipp. Er begrüsst die Idee der Brunnengesellschaft, weil sie dazu beiträgt, «wieder Kultur ins Dorf zu bringen».

Aushub und Pflästerung

Heute vor einer Woche erhielt die Brunnengesellschaft die Baubewilligung. Erste Vorarbeiten wie das Fällen eines Baums sind nach Auskunft von Gründungsmitglied Martin Luder bereits gemacht. «Morgen Samstag beginnen wir mit dem Aushub.» Einerseits muss der 3,5 Tonnen schwere Brunnen ein Fundament bekommen, auf dem er sicher steht sowie einen Wasseranschluss ans Netz der privaten IG Sahli-Wasser.

Andererseits soll der Begegnungsplatz (rund 50 Quadratmeter) passend zum umliegenden Gelände gepflästert werden. Voraussichtlich wird der Brunnen seinen Platz schon am 23. Mai einnehmen. Der Transport ist anspruchsvoll. «Wir können damit nicht bis zur letzten Minute warten», so Martin Luder. Gegenwärtig laufe dafür die Planung, zusammen mit dem Leuziger Restaurator.

Ein Platz mit Licht von alten Laternen

Martin Luder dokumentiert den Baufortschritt mit der Fotokamera. Die Bilder werden auf der neu geschaffenen Homepage der Brunnengesellschaft aufgeschaltet: www.ruetiger-brunnengesellschaft-1764.ch

Schmids Holzbär, zwei Sitzbänke und zwei altmodische Strassenlampen vervollständigen die Einrichtung. Letztere stammen aus Privatbesitz. Gründungsmitglied Heinz Siegenthaler hat zum einen der beiden Prachtstücke eine kleine Geschichte auf Lager: Sein Vater sei vor 40 Jahren in der örtlichen Kommission für Licht und Wasser tätig gewesen. Als es darum ging, die Strassenbeleuchtung zu modernisieren, habe er eine alte Laterne gerettet.

Noch werden Sponsoren gesucht

Das Einweihungsfest am 6. Juni soll kein Riesenevent werden. «Wir sind ein einfacher Verein, und das soll sich am Fest zeigen», verspricht Martin Luder. Kulinarisch werde sich die Party im Rahmen von Wurst, Brot und Salat bewegen.

Der «einfache Verein» hat mittlerweile 72 Mitglieder. Drei Jahre nach dem Fund des Brunnens begeistert die Idee Leute aus der ganzen Schweiz. Ein Mitglied wohne gar in Salzburg, verrät Luder.

Im Budget von 70 000 Franken sind nach Auskunft der Verantwortlichen mindestens 50 000 Franken gesichert. Der kantonale Denkmalschutz beteiligt sich ebenso wie die Gemeinde und Ehrenbürger Samuel Schmid. Gönner können je nach Beitrag Mitglied auf Zeit werden (100 Franken) oder ihren Namen in einen Pflasterstein gravieren lassen (500 Franken). Bei 1000 Franken bietet die Brunnengesellschaft einen Link auf ihrer Internetseite an und für 5000 kann der «Partner» sein (Firmen)logo auf allen Drucksachen des Vereins platzieren.

Weitere Infos: www.ruetiger-brunnengesellschaft-1764.ch

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