Sagt das Stimmvolk am 4. März Ja zu «No Billag», werden die TV- und Radiogebühren abgeschafft. Ohne Gebührengelder könne sie nicht überleben, sagt die SRG. Deshalb will das Unternehmen bei einem Ja zur No-Billag-Initiative sich liquidieren. Vor Kurzem hat der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) einen Plan B präsentiert. Die Befürworter der Initiative wollen die SRG weiterhin erhalten. Ihr Plan: keine Zwangsgebühren mehr, dafür höhere Werbeinnahmen, Abos für Sendungen und staatliche Gelder.

Ist dieser «Plan B» wirklich eine Alternative? Darüber diskutiert Moderator Markus Gilli in der Sendung «TalkTäglich» des Fernsehsenders TeleZüri mit Hans-Ulrich Bigler, Zürcher FDP-Nationalrat und Direktor des SGVs, und Jacqueline Badran, Zürcher SP-Nationalrätin und Unternehmerin.

SRG soll online Werbung schalten dürfen

Für Bigler ist klar, dass eine befreite SRG auch Werbung im Radio und online machen könne, was bisher nicht möglich war. «Mehr Werbung – ist das nicht der Pferdefuss ihres Plans?», fragte Gilli. «Wir haben heute schon Werbung im Fernsehen», sagt Bigler. «Jetzt geht es darum, dies attraktiv zu verkaufen.» Es gebe auch die Möglichkeit von Sponsoring und Kooperationen, die man ausbauen könne.

Mit seinem Vorschlag – Pay-TV, mehr Werbung und staatliche Gelder – wolle der Gewerbeverband die Subventionen reduzieren, aber gleichzeitig eine Grundversorgung sicherstellen, sagt Bigler. Denn gemäss Initiativ-Text dürften zwar keine Radio- und Fernsehstationen mehr unterstützt werden, dafür aber einzelne Sendungen. So würden, wie in der Bundesverfassung gefordert, Sprachen und Kultur weiterhin gefördert.

Unter dem Strich sollen die Gebühren für die Konsumenten sinken. Bigler rechnet vor: «Heute zahle ich 365 Franken Zwangssteuern.» Mit dem vorgeschlagenen «Plan B» zahle der Konsument nur das, was er auch beanspruche. «Wir schlagen eine Grundgebühr von 100 Franken für Informationen und 100 Franken für Zusatzleistungen vor.»

Die ganze Sendung zum Nachschauen:

No Billag – Echter Plan B oder ein Spiel mit dem Feuer?

No Billag – Echter Plan B oder ein Spiel mit dem Feuer?

Initiative lässt keinen Spielraum

«Ist es nicht eine Unverschämtheit, dass sich die SRG bis jetzt geweigert hat, einen Plan B vorzulegen?», will Gilli von Badran wissen. «Die Initiative lässt keinen Spielraum zu», antwortet die Nationalrätin. Auf den 1. Januar 2018 müsse die neue Ordnung in Kraft treten. Man könne bei einem Ja zu «No Billag» keine neue Firma in acht Monaten erfinden, insbesondere, wenn 75 Prozent des Budgets wegfallen würden. Deshalb bestünden auch keine Zweifel, dass die Initiative bei einem Ja auch so umgesetzt würde. 

Der Plan B des Gewerbeverbandes sei «völlig abenteuerlich und grotesk», sagt Badran. Immer mehr Werbegelder würden abwandern. Würde die SRG im Radio und online Werbung machen, würde dies Privatmedien fehlen, die sich teilweise über Werbung finanzieren. Und sie ergänzt: «Die Leute hassen Werbung.»

Ihrer Ansicht nach ist Pay-TV keine Lösung: «Weltweit funktioniert dies nur mit Sport und Serien – und das auch nur in einem grossen Markt.» In Deutschland sehe man, dass Werbung nur Seichtigkeit wie «Dschungelcamp» finanzieren würde. Zu staatlichen Subventionen für einzelne Sendungen sagt sie: «Der Gewerbeverband will ein riesen Bürokratiemonster aufbauen. Das ist absurd.» Mit dem «Plan B» werde es für die Konsumenten nicht nur teurer, sondern auch das Angebot würde abnehmen. (sga)