Neu verpackt
Badener Skandal: Fleisch-Fachverband fordert erstmals Grüsel-Pranger

Behörden geben fehlbare Metzger nicht bekannt. Das ärgert den Branchenverband, besonders wenn es um Betrug geht. Nun fordert er als Reaktion auf den Skandal bei Manor in Baden einen Pranger.

Drucken
Drei bis vier Kilogramm Fleisch pro Woche wurden bei Manor in Baden jahrelang falsch etikettiert und mit neuen Ablaufdaten versehen. (Symbolbild)

Drei bis vier Kilogramm Fleisch pro Woche wurden bei Manor in Baden jahrelang falsch etikettiert und mit neuen Ablaufdaten versehen. (Symbolbild)

Thinkstock

Abgelaufenes Fleisch neu datiert und normale Produkte als «Bio» verkauft. Und das in fast 4000 Fällen. Dies wirft die Aargauer Staatsanwaltschaft fünf ehemaligen Manor-Mitarbeitern vor. Der Skandal in Baden ist kein Einzelfall, wie Recherchen des SonntagsBlicks zeigen. In etlichen Jahresberichten der kantonalen Lebensmittelbehörden finden sich Beispiele für Falschdeklarationen.

«Von einem Fleischskandal blieb auch der Kanton St. Gallen nicht verschont», heisst es etwa. «Gegen einen Metzger mussten wir Strafanzeige erstatten, weil er Fleisch systematisch falsch deklariert hatte.» Wer die fehlbaren Betriebe sind, bleibt geheim. Denn die Behörden unterstehen der Schweigepflicht. Das ärgert den Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF), besonders bei Betrugsfällen.

«Solche verunsichern die Kunden enorm», sagt Direktor Ruedi Hadorn (52) zu SonntagsBlick. «Wenn diese nicht erfahren, wer der Sünder ist, misstrauen sie allen Metzgern.» Bisher wehrte sich der Verband ausdrücklich gegen einen öffentlichen Pranger für fehlbare Metzger. Doch nun fordert Hadorn im SonntagsBlick: «Wer vorsätzlich betrügt, gehört öffentlich genannt – auch zur Abschreckung.»

Die Stiftung für Konsumentenschutz reagiert positiv auf diesen Vorschlag. «Wir fordern schon seit Jahren, dass Betrüger beim Namen genannt werden», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder (50) zu SonntagsBlick. «Leider fehlte uns bisher die Unterstützung – auch vom Fleisch-Fachverband.» Der Verband der Kantonschemiker hingegen hält nichts von der Idee. «Die öffentliche Nennung hilft nicht», sagt Präsident Otmar Deflorin (49) zu SonntagsBlick. «Weil nicht alle Fälle aufgedeckt werden können. Und weil das Verschulden und das Ausmass nicht gewichtet werden.»

Aktuelle Nachrichten